Archiv der Kategorie 'Allgemein'

„Plan D“ von Simon Urban

Im Jahr 2011 erschien der kontrafaktische Kriminalroman „Plan D“ von Simon Urban. Er spielt auch im selben Jahr, aber in einer fiktiven Welt. In dieser hat es nie eine Vereinigung von BRD und DDR gegeben. Statt einer ‚Wiedervereinigung‘ gab es 1990 eine „Wiederbelebung“. Auch im Roman wurden 1989 die Grenzen geöffnet und DDR-Bürger*innen emigrierten in den Westen. Die DDR erlebte einen Aderlass und ihre Bevölkerungszahl senkte sich von 16 Millionen auf 14,5 Millionen. Allerdings wurde dann im November 1991 die Mauer wieder geschlossen.
Gleichzeitig wurde 1989/90/91 auch die DDR-Führung ausgetauscht. Egon Krenz beerbte als Staatsratsvorsitzender Honecker und initiierte Reformen. Mit Hilfe des aus dem Westen herbeigeeilten Otto Schily wird die Stasi reformiert und mit dem System Mielke aufgeräumt.
Die DDR schien sich damals zeitweise in Richtung Rechtsstaat zu entwickeln, doch die Reformen werden gestoppt. So ist auch 20 Jahre später, im Jahr 2011, Krenz noch an der Macht. Die DDR ist inzwischen heruntergewirtschaftet. Auf der anderen Seite der Grenze regiert der SPD-Bundeskanzler Oskar Lafontaine in Koalition mit den Grünen unter Claudia Roth. Er hat Roland Koch beerbt und bevorzugt eine Annäherung an die DDR.
Die DDR ist abhängig von Geldern aus dem Westen. Eine wichtige Einnahmequelle sind Transitgebühren für sowjetisches Gaslieferungen über ihr Gebiet. Es steht ein Handelsvertrag von über 70 Milliarden Mark an. Doch da wird ein ehemaliger Berater aus der „Wiederbelebungs“-Epoche in der Nähe einer Gasleitung ermordet aufgefunden. Der Mord trägt die Handschrift der Stasi. Ein möglicher Stasi-Mord droht somit die für die DDR lebensnotwendigen Verträge zu verhindern. Der Westen stoppt die Verhandlungen bis der Fall aufgeklärt ist.
Um eine faire Ermittlung zu gewährleisten, besteht der Westen auf einem deutsch-deutschen Ermittlungs-Duo. Also ermitteln Richard Brendel von der Kriminalpolizei Westberlin und der Volkspolizei-Hauptmann Martin Wegener, der als erstes den Tatort untersucht hat.
Aus der Sicht des Letztgenannten ist der Krimi geschrieben. Unterschiedliche Interessengruppen versuchen die Ermittlungen zu beeinflussen: Der Westen, die Stasi, die DDR-Führung und die Untergrund-Opposition.
Schnell stellt sich heraus, dass der Tote nicht nur ein einfacher Berater im Ruhestand war, sondern dass er ein alternatives Konzept für die DDR erstellt hatte, genannt „Plan D“ mit dem System des „Posteritatismus“. Es geht um ein demokratisches System bei sozialistischer Wirtschaftsordnung.

Der Roman ist witzig und detailreich geschrieben. Viele Fakten aus der DDR wurden gut recherchiert und weiter entwickelt, etwa die „Intershops“ (Läden mit Westwaren, in denen mit DM bezahlt wurde). Witzig ist es etwa, wenn im Buch erwähnt wird, dass die frühere SED-Abgeordnete Sahra Wagenknecht inzwischen eine mittelmäßige Schauspielerin ist und als „Laura Kraft“ die Hauptrolle im neuen Actionspektakel „Red Revenge“ spielt.
Ideenreich ist es auch, wenn in der DDR das Handy als „Minsk“ bezeichnet wird, was von der VEB Telemedien entwickelt, hergestellt und vertrieben wird. Ganz besonders lustig ist, wenn beschrieben wird wie die demente Margot Honecker im SED-Altersheim sitzt und glaubt sie werde von der Stasi verfolgt.

Das Buch liest sich gut, hat aber auch einige Schwächen und Unlogiken. Es wird beschrieben, wie aus dem Westen BürgerInnen in die DDR einwandern, doch der Autor kann nicht so recht vermitteln, warum das geschieht. Er schreibt zwar, dass es bei der Einbürgerung 1.000 Mark Begrüßungsgeld gebe – der offizielle Wechselkurs Euro – DDR-Mark liegt bei 1:3 – doch was die heruntergewirtschaftete DDR so attraktiv macht, bleibt unklar.
Fast nie erwähnt wird die SED. Offenbar ist die DDR immer noch eine Parteidiktatur, trotzdem wird die SED als Staatspartei kaum beschrieben. Das ignoriert die realen Zustände in der DDR vor 1990. Hier war die SED tonangebend und nur über eine Mitgliedschaft bei ihr, war es möglich Karriere zu machen. Genauso undeutlich bleibt die Rolle der Sowjetunion in der DDR nach 1990. Ist sie noch Vorbild und ‚großer Bruder‘? Gibt es noch die hunderttausende von SoldatInnen der Roten Armee, die in der DDR stationiert waren?
Sehr störend sind die immer wieder auftauchenden Rot=Braun-Gleichungen. Mehrfach wird die DDR-Bevölkerung bzw. ein Einzelprotagonist als Opfer oder Verführte dargestellt. Erst war er Nazi, dann ein Kommunist. Die eklatanten Unterschiede zwischen dem Nationalsozialismus und dem Realsozialismus fallen da unter den Tisch.
Besonders ärgerlich ist, dass Frauen nur Nebenrollen spielen und vor allem Lustobjekte in der Fantasie von Martin Wegener sind. Selbst die wichtigste Frau im Buch, seine Ex-Freundin, muss ständig als Sexfantasie für seine Altmännergeilheit herhalten. Das kann ja auch gerne aus der Perspektive des Hauptprotagonisten so sein, aber der Autor stellt dem nichts Kritisches entgegen.
Wer das aushalten kann, die/der wird aber gut unterhalten.

Simon Urban: Plan D: Frankfurt Main, Taschenbuchausgabe 2013.

Buchkritik „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood

Der Report der Magd
Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Eines ihrer bekanntesten Bücher ist ihr im Original 1985 erschienenes Buch „Report der Magd“, ein dystopischer Roma. Dieser spielt in den 1980er Jahren in der ‚Republik Gilead‘, die sich auf dem Gebiet der ehemaligen USA befindet. Während der Lektüre des Buches erfährt die/der Leser*in auch was zur Errichtung dieser christlichen Theokratie führte. Ein Attentat auf die US-Regierung, bei der diese ermordet wurde, ist der Anlass, um Bürger- und Menschenrechte sukzessive einzuschränken und am Ende gänzlich abzuschaffen. Besonders Frauen werden immer weiter entmündigt. Sie verlieren den Zugriff auf ihr Barvermögen und werden entlassen. Es wird eine alttestamentarisch begründete Geschlechterapartheid und eine Art Kastensystem eingeführt. Es gibt nur noch arrangierte Ehen. Männer haben die gesellschaftliche Macht. Aber ist gibt auch Sphären die den Frauen vorbehalten sind. Auf der weibliche Seite der Gesellschaft stehen ganz oben die Ehefrauen der Oberschicht. Diese verfügen über Dienerinnen, genannt „Marthas“. Darunter in der Hierarchie befinden sich dann die Frauen der Unterschicht, die „Ökonofrauen“ genannt werde.
Da Unfruchtbarkeit weit verbreitet ist, haben die Oberschichtsmänner ganz offiziell Zweitfrauen, die „Mägde“, die vor allem als eine Art Leihmütter fungieren. Der Geschlechtsakt ist hoch ritualisiert und findet im Beisein der Ehefrauen statt. Für die Disziplinierung dieser „Mägde“, sind die „Tanten“ zuständig. Dabei handelt es sich vor allem um ältere, glaubensstrenge Frauen.
Im Inneren von ‚Gilead‘ sorgen ansonsten die „Wächter des Glaubens“ und Geheimdienst-Mitarbeiter, genannt „Augen“, für die Aufrechterhaltung des Regimes. An der Front kämpfen die Soldaten, genannt „Engel“, beispielsweise gegen baptistische Guerilleros. Die Verfolgung von Andersgläubigen wird auch als „Sektenkriege“ oder „Sektenverfolgung“ bezeichnet. Denn das Regime hat eine Staatskirche und verfolgt alle Abweichungen davon: Baptisten und Quäker müssen konvertieren oder sie werden gehenkt. Schwule Männer werden als „Geschlechtsverräter“ gehenkt. Juden können konvertieren oder müssen nach Israel auswandern. Abtreibung und Ehebruch stehen unter Todesstrafe. Selbst Zweitverheiratete werden verfolgt. Nicht alle werden gleich ermordet. So werden viele Frauen zu „Unfrauen“ erklärt und in Strafkolonien zur Giftmüllbeseitigung geschickt. Hier sterben die Arbeiter*innen einen langsamen Tod.

Hauptprotagonistin des Buches ist eine ‚Magd‘. In Rückblicken berichtet sie aus der Vergangenheit vor der Etablierung der Theokratie. In „der Zeit davor“ war sie die Tochter einer feministischen Aktivistin, hatte ein Kind und einen Lebensgefährten, Luke. Als die Verhältnisse sich verschärften, versuchten die drei zu fliehen, wurden aber geschnappt. Sie wurde von ihrem Kind und ihrem Partner getrennt und in einem „Roten Zentrum“ zur ‚Magd‘ gemacht.
Schließlich wird sie als ‚Magd‘ in das Haus eines Kommandanten geschickt, dem sie ein Kind gebären soll. Sie kommt in den Kontakt mit dem Widerstand und entdeckt das der Kommandant im Privaten selber gegen Regeln verstößt. Wie alle Herrschenden behalten sich auch diese Regelverstöße für sich selbst vor. Die Elite der Theokratie frönt weiter der Prostitution.
Mit einem ihrer Bewacher geht sie ein Verhältnis ein, worauf die Todesstrafe steht. Doch selbst die Frau des Kommandanten fördert diese Affäre, da sie annimmt das ihr Mann unfruchtbar ist. Ein Umstand der in dieser strikt patriarchalen Gesellschaft aber nicht thematisiert werden darf. Unfruchtbar sind nur die Frauen.
Die Hauptprotagonistin selbst ist keine Widerstandskämpferin wie etwa ihre Mutter, aber sie sucht für sich nach Auswegen.

Das Buch stammt erkennbar aus der Feder einer feministischen Autorin, die einmal ausformuliert hat, wie eine christliche Theokratie aussehen könnte. Das Regime ist zudem auch extrem pro-natalistisch. Die Verwendung von Frauen als Zwangsleihmütter und der Kult um das Kind erinnern ein wenig an das „Lebensborn“-Projekt der Nazis. Zudem muss jedes Kind auch makellos sein. Kinder, die es nicht sind, werden zu „Unbabys“ erklärt und „entsorgt“.
Neben dem „Lebensborn“, George Orwell und Aldous Huxley mag auch die damals ‚frisch‘ im Iran eingerichtete Theokratie eine Inspiration für die Autorin gewesen sein.

Das Buch liest sich spannend und ist anschaulich aus der Perspektive der ‚Magd‘ geschrieben. Etwas seltsam mutet der geringe Technik-Fortschritt an, was natürlich in der Entstehungszeit des Werkes begründet liegt. Ein wenig unglaubwürdig ist, dass die Transformation einer liberalen Gesellschaft in eine Theokratie derart schnell und ohne Widerstände möglich sein soll.
Trotzdem sehr lesenswert!

Margaret Atwood: Der Report der Magd, München, 5. Auflage 2017.

Die Film-Doku „Natasha“ – Porträt einer Bettlerin

„Natasha“ ist eine Art Berufsbettlerin aus Osteuropa. Über osteuropäische Bettlerinnen und Bettler gibt es viele Gewissheiten, aber nur wenig Wissen. Selbst in Straßenzeitungen wird der Mythos von der „osteuropäischen Bettel-Mafia“ wiedergekäut.
Solche Mythen sind auch die Konsequenz daraus, dass viel über, aber nur wenig mit Bettler*innen selbst gesprochen wird. Das liegt sicherlich neben Ignoranz auch an einer gewissen Sprachbarriere.
In ihrer Dokumentation „Natasha“ hat die österreichische Regisseurin Ulli Gladnik diese Barriere mit Hilfe ihrer Bulgarisch-Kenntnisse durchbrochen.
Die von Gladnik porträtierte Bettlerin kommt aus Bresnik nahe Sofia, der Hauptstadt Bulgariens.
Ohnehin ist Bulgarien ein armes Land, aber Natashas Heimatort scheint die Deindustrialisierung noch einmal besonders schwer getroffen zu haben. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben die meisten Fabriken, in denen ihre Verwandten und Freund*innen im Ort Arbeit fanden, zugemacht. Auch ihre Familie in Bulgarien zeigt die Doku. Ihre Schwester und ihre Mutter verdienen wenige Leva (bulgarische Währung) durch das Sammeln von Altmetall, was sie mit Händen und Hacken aus dem Schutt graben. Ein Wunder das noch niemand von ihnen an Blutvergiftung erkrankt ist.
Natasha geht Betteln, um ihrer Familie zu helfen, ihren Eltern und besonders ihrem Sohn Vasko: „Wenn die Mama nicht arbeiten fährt, haben wir nichts“.
Sie selbst ist alleinerziehend und körperbehindert, im Alter von 18 Jahren wurden ihr das Unterbein und ein Fuß amputiert. Deswegen trägt sie Prothesen.
Also fing sie an zu betteln. Dafür fuhr sie bis nach Wien und Graz. Im Schnitt verdient eine Bettlerin in Österreich 15 bis 30 Euro pro Tag. Übernachten tut Natasha mit drei anderen Bettler*innen in einem winzigen Zimmer, was ihnen zu einem Wucherpreis vermietet wurde.
Anfangs musste sie noch ihren Stolz überwinden, doch schnell erkennt sie: „Betteln ist keine Schande!“
Was auch durch die Dokumentation klar wird: Betteln ist harte Arbeit. Im Fall von Natasha eine 6-Stunden-Woche fern von daheim. Mehr noch, es ist ein hartes und ungesundes Leben führt sie als Bettlerin. Die Bettler*innen in der Doku betteln auch im Winter, ziehen sich deswegen mehrere Schichten Pullover, Hosen und Socken an und frieren dann nach einer gewissen Zeit draußen trotzdem. Besonders hart für sie, ist die lange Trennung von ihrem Sohn. Einmal bleibt sie auch über Weihnachten in Österreich.
Natürlich bettelt Natasha nicht aus Spaß oder Faulheit, sondern aus reiner Notwendigkeit. Ihre Träume sehen anders aus. Im Film äußert sie irgendwann, sie wolle „ein normales Leben“ und „Ich will leben wie die weißen Leute.“
Damit ist ein weiteres Thema angesprochen, welches im Film untergründig mitschwingt: Der Antiziganismus, also die Vorurteile gegen Sinti und Roma. Auch ihre dunkle Hautfarbe, die sie als Romnia ausweist, hat sie und ihre Familie an den Rand der bulgarischen Gesellschaft gedrängt.

Der Film verlangt von der/dem Zuschauer/in einen Perspektivenwechsel. Durch die Begleitung einer Bettlerin nimmt man auch deren Perspektive ein. Natasha ist dabei nicht nur einfach ein Opfer von Armut. Die Doku zeigt sie auch als starke Frau, Mutter und Romnia,

Die Dokumentation ist 1:23 Stunden lang und wurde in den Jahren 2006 und 2007 gedreht. Im Jahr 2008 wurde der Film veröffentlicht. Der Film ist ein einfühlsames Porträt, unaufdringlich und kommt ohne wertende Kommentare aus.

Mehr Infos unter http://natasha-der-film.at

Buchkritik „Stephen Bannon“ von Tilman Jens

Bannon-Biografie
In den Medien wurde Stephen Bannon als „Goebbels der Trump-Regierung“ oder „Die rechte Antwort auf Michael Moore“ und von Andrew Breitbart als „Leni Riefenstahl der Tea-Party-Bewegung“ bezeichnet.
Der Journalist Tilman Jens hat dieses mit seinem Buch „Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer“ dieses Jahr eine kritische Biografie des zeitweiligen Trump-Beraters Bannon vorgelegt.
Er zeichnete das Leben von Stephen Kevin Bannon nach. Dieser wurde als Sohn eines Telefonkabelverlegers 1953 in Norfolk in Virginia geboren. Die Familie ist irisch-katholisch.
Jens beschreibt, wie er Navy Seal war und danach als Spezialist für Flottenoperationen im Pentagon arbeitete. Wie er im Anschluss in Harvard studierte und später für die Investmentbank Goldman Sachs, wo er auf die Geschäfte mit Medienunternehmen spezialisiert war, arbeitete. Aus dem Kind aus der unteren Mittelschicht wird ein Banker und Millionär.
Nachdem er genügend Geld verdient hatte, wird Bannon politisch aktiv. Er gründete seine eigene Filmproduktionsfirma und drehte Polit-„Dokumentationen“, etwa eine über die Sarah Palin und den Ex-Präsidenten Ronald Reagan, den er besonders verehrt. Eine andere Doku wendet sich gegen die linke Occupy-Bewegung. Zuvor hatte Bannon sich an einem Rap-Musical versucht. Erfolgreicher ist seine Beteiligung an dem beliebten Onlinegame „Warcraft“.
Die „Dokumentationen“ sind vor allem Propagandastreifen für eine ultrarechte Position. Diese vertritt Bannon auch, nachdem er Chef der Nachrichtenseite „Breitbart News Network“ geworden ist. Mit finanzkräftiger Unterstützung der Koch-Brüder, neoliberale US-Milliardäre, baut er Breitbart zu seiner persönlichen Kampfplattform um. Von Breitbart aus, steuert er gezielte Desinformationskampagnen. Jens benennt Bannons inoffizielle Devise mit „Make America hate again!“
Bannon war bis Mitte November 2016 Chefredakteur von „Breitbart-News“ und wurde August 2016 Wahlkampfchef von Donald Trump. Dafür wurde er belohnt. Er wurde unter Trump zum Stabschef des Weißen Hauses ernannt und hatte bis April 2017 einen Platz im Nationalen Sicherheitsrat, dem Gremium, das alle wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Beschlüsse vorbereitet.
Jens stellt Bannon als das eigentliche Machtzentrum der Regierung Trump dar, als eine Art Rasputin Trumps. Doch ist Trump tatsächlich Bannons „Zirkusgaul“, wie Jens es beschreibt? Jens kann seine These nicht schlüssig belegen, sie bleibt eine Mutmaßung.
Besser ist der Autor, wenn er Bannons Ziele skizziert. Bannon will eine Art „konservativer Dschihad“. Dafür setzt er auf den rechten Flügel der Kirche. Bei einem Auftritt bei dem katholischen „Dignitas Humanae Institut“ sagte Bannon:

„Ich denke, die Aufrechten, die Militanten in der Kirche dürfen ihren Glauben nicht nur verkünden. Sie müssen für ihren Glauben kämpfen, in die Schlacht ziehen gegen die Barbarei, die alles ausrotten wird, was wir in den letzten 20000 Jahren ererbt haben.“

Was Jens nicht in seinem Buch erwähnt ist, dass Bannon als Bewunderer von Charles Maurras (1868–1952), einem französischen Royalisten, gilt. Trotzdem heißt das Vorbild Bannons nicht Mussolini, sondern Reagan.
Israel und Juden sind für Bannon nach Jens „Zweckbündnispartner im Krieg gegen den Islam“. Doch Bannon ist selber nicht frei von Antisemitismus. Seine Ex-Frau berichtete, dass er seine Kinder nicht in eine Schule mit hohen Anteil an Juden schicken wollte. Bannon ist vor allem gegen liberale Juden eingestellt.
Jens konstatiert dass Bannon ein Apokalyptiker ist, der gegen das Establishment und die Dekadenz kämpft. Hier liegt die besondere Gefahr von Bannons Einfluss auf Trump, den mächtigsten Mann der Welt.
Das Buch liest sich flott, birgt aber vor allem gehobenes US-Zeitungsleserin-Wissen. Es ist eine gute Zusammenfassung für Interessierte, aber es birgt keine grundlegend neuen Erkenntnisse.

* Tilman Jens: Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer, München 2017

Rechtschreibung ist nicht die „Sache des Volkes“

Das Neonazi-Portal „Sache des Volkes“ hat in seiner Rezension des neuen NPD-Jugendmagazin „Gegenlicht“ das Wort „intellektuell“ gleich zweimal falsch geschrieben:
nicht so intelligent

nicht so intelligent II