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Der kommende Aufstand – ein antimodernistisches und kulturpessimistisches Manifest von links?

„Der kommende Aufstand“ geistert durch die Feuilletons der Printmedien. Es handelt sich dabei um ein dünnes politisches Büchlein aus Frankreich. Mit einem Wort gesagt, geht es um „Entfremdung“. Die Autor_innen betrachten kritisch die Jetztzeit bzw. den Ist-Zustand. Dabei schauen sie vor allem auf Frankreich. Besonders die Aufstände der an den Rand gedrängten Jugendlichen in den Banlieus (französische Vorstadtsiedlungen), also quasi der Peripherie der Metropolen, scheinen für die Autor_innen der Anstoß für ihre Schrift gewesen zu sein. Sie sehen in den Unruhen die Vorboten eines kommenden Aufstandes.
Riotcop

„Der kommende Aufstand“ ist vor allem erst einmal Krisentheorie bzw. genauer: Krisenprognose. Die Welt befindet sich in der Krise bzw. die Metropolen wurden von der Krise erreicht. Dabei wird aber nicht in sozialdemokratischer Manier konstatiert das die neoliberale Variante des Kapitalismus das Problem ist:

Gezwungenermaßen haben wir folgendes verstanden: Nicht die Wirtschaft ist in der Krise, die Wirtschaft ist die Krise; die Arbeit fehlt nicht, die Arbeit ist zuviel; wohl überlegt deprimiert uns nicht die Krise, sondern das Wachstum.

(Seite 41)
Civil Unrest I
Die Arbeit geht in einer immer weiter durchmechanisierten und durchdigitalisierten Welt verloren. Die Arbeitsverhältnisse werden immer unsicherer. Man arbeite nicht mehr, man jobbe nur noch. Doch wird Arbeit in dem Text nicht gänzlich negativ bewertet:

Der Begriff der Arbeit umfasste schon immer zwei gegensätzliche Dimensionen: Eine Dimension der Ausbeutung und eine Dimension der Teilnahme.

(Seite 27)
Jenseits von Selbstausbeutung und gezwungener Lohnarbeit wird Arbeit auch als produktiver und gemeinschaftlicher Prozess erkannt. Freilich etwas, was beim Selbstverkauf der eigenen Arbeitskraft nicht stattfindet.
Eigentlich sollte es ja ein großer Fortschritt sein, wenn menschliche Sklaven durch maschinelle und digitale ersetzt werden. Doch der kapitalistische Rahmen sorgt dafür, dass die freigesetzten Lohnsklaven verelenden, bei Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Arbeits-Ethos, also der Selbstdefinition durch die eigene Lohnarbeit.

Wir erleben das Paradox einer Gesellschaft von Arbeitern ohne Arbeit, in der die Ablenkung, der Konsum, das Vergnügen nur noch den Mangel daran beklagen, wovon sie uns eigentlich ablenken sollten.

(Seite 28)
Zu Recht stellt „Der kommende Aufstand“ fest, es wachse eine neue Generation im Westen heran, die nie an das Glücksversprechen der Moderne geglaubt hat. Eine perspektivlose Generation. Das „You can do it!“ hat kaum noch eine Bedeutung. Man ist nicht mal mehr Prekariat, sondern vielmehr eine Art Sub- und Lumpen-Prekariat
Eine Minderheit von Hochqualifizierten stehe auch in den Metropolen einer Mehrheit gegenüber, die auf einem Nebenfeld als Füllmasse (noch) nicht mechanisierter Bereiche fungiere. Demzufolge sei diese Mehrheit ohne echte Funktion.

Es wird von den Autor_innen ebenfalls konstatiert, dass Lohnarbeit eine Form der Disziplinierung darstellt und das soziale Kürzungen zur Lohnarbeit zwingen und demzufolge auch zur Disziplinierung sollen. Doch die Lohnarbeit nimmt ab, dadurch nimmt auch die Disziplinierung der Massen ab und sie werden unruhig. Hier sehen die Autor_innen die sich erweiternde Bedingung zum einem kommenden Aufstand.
Civil Unrest II
Auch die Organisationsfrage wird in „Der kommende Aufstand“ gestellt. Es wird an den bisherigen vorherrschenden Formen kritisiert, dass sie im Grunde das widerspiegeln, was sie eigentlich zerstören möchten:

Es gibt keinen Grund, sich in diesem oder jenem Bürgerkollektiv zu engagieren, in dieser oder jener Sackgasse der radikalen Linken, in der letzten vereinten Hochstapelei. Alle Organisationen, die vorgeben, die gegenwärtige Ordnung anzufechten, haben selbst wie Marionetten die Form, die Sitten und die Sprache von Miniaturstaaten. Alle Anwandlungen, »Politik anders zu machen«, haben bis zum heutigen Tag nur zur unbestimmten Ausdehnung des staatlichen biomechanischen Apparats beigetragen.

(Seite 63)
Deswegen plädieren die Autor_innen gegen die althergebrachte Organisation und Milieus und bevorzugen stattdessen die Organisationsform der Kommune.

Auch sehr gut erkennen die Autor_innen, dass fast jede_r ihre/seine persönliche Zeit gegen ihre/seine soziale Existenz tauschen muss. Die Entscheidung liegt zwischen Freizeit für Selbstverwirklichung und Arbeitszeit zur Selbsterhaltung. In vielen Teilen der Peripherie besteht natürlich noch nicht einmal ansatzweise diese Wahl, hier heißt es nur ständig Ankämpfen gegen den Hunger.

Pseudo-Kritik: „antimoderne Hetzschrift“
„Der kommende Aufstand“ ist eine wütende, linksradikale Kampfschrift, die Militanz als Weg zur Befreiung begrüßt. Trotz gewisser Kritikpunkte (siehe unten) ist „Der kommende Aufstand“ keine „antimoderne Hetzschrift” wie die „taz“ meint oder gar ein rechtes Machwerk. Diese Denunziation scheitert beim genaueren Hinsehen.
Die von dem „Süddeutsche“-Autor Marc Felix Serrao behauptete Wesensverwandtschaft mit Ernst Jüngers „Der Waldgang“ erschöpft sich in dem gemeinsamen Unbehagen gegenüber der kapitalistischen Moderne. Auch den extremen Rechten ist die Vereinzelung in der kapitalistischen Moderne aufgefallen, in den Reihen der „Konservativen Revolution“ sprach man von einer „Verameisung“ der Gesellschaft. Die Rechten setzen dagegen die Erneuerung und Verstärkung des Herkunftszwangskollektivs im Großen (Volk) wie im Kleinen (Hetero-Familie). Linke hingegen betonen die Freiwilligkeit des Zusammenschlusses in Kommunen oder alternativen Familien-Entwürfen.
Übrigens dürfte Serrao Jünger auch nicht besonders schlimm finden, seine „Süddeutsche“-Artikel in der Vergangenheit waren von Hetze gegen Linke, z.B. gegen die Antifa-Kampagne gegen das Nazi-Magazin „Zuerst!“ und Sympathie für die so genannten „Neuen Rechten“ geprägt. Der Redakteur der Süddeutschen darf mit seiner Apologetik der „Jungen Freiheit“ und mit seinen unübersehbaren Sympathien für den neurechten Thinktank „Institut für Staatspolitik“ im Dunstkreis der „Neuen Rechten“ angesiedelt werden.

Civil Unrest III
Es gibt also eine gemeinsame Abneigung vieler Menschen, ob links, mittig oder rechts, gegenüber den Zumutungen der kapitalistischen Moderne. Der Unterschied liegt aber im Ziel. Rechte nehmen zumeist Bezug auf eine bessere Vergangenheit, eine „goldene Zeit“, oder sie radikalisieren traditionalistische Werte zu einer faschistischen Zukunftsvision: (Lohn-)Arbeit, (Hetero-)Familie und Vaterland.
„Der kommende Aufstand“ hingegen lehnt solche reaktionären und autoritären Utopien ab. Hier zeigt sich ein weiteres Mal beispielhaft die Unzulänglichkeit der Extremismustheorie. Die Gegnerschaft zur parlamentarischen Demokratie bzw. den bürgerlichen Rechtsstaat mag eine Gemeinsamkeit von radikaler Linken und extremer Rechten darstellen, doch das Ziel ist grundverschieden. Die einen, nämlich die Linken, wollen darüber hinaus, die anderen, die Rechten, dahinter zurück.
Die „konservativen Revolutionäre“, zu denen auch Ernst Jünger zählte, strebten zumeist einen ständisch verfassten und völkisch definierten Staat, gelenkt von einer Elite, an. „Der kommende Aufstand“ hingegen strebt ein dezentralisiertes Netzwerk basisdemokratischer Kommunen anstelle staatlicher Repräsentativ-Verwaltung an. Das kann als „unrealistische“ Utopie abgetan werden, ist gegenüber rechten Vorstellungen aber ein Streben nach einem Mehr an Freiheit und Selbstverwaltung.
Das hier eine fortschrittliche Vision verfolgt vorliegt zeigt sich auch darin, dass autoritäre Perspektiven der Linken verworfen werden. Der „real existierende Sozialismus“ wird als das benannt was er war, ein Staatskapitalismus:

Der Zusammenbruch des Sozialistischen Blocks hat nicht den Triumph des Kapitalismus verankert, sondern nur das Scheitern einer seiner Formen bewiesen.

(Seite 43)
Riotcops

Ernsthafte Kritik
Dass „Der kommende Aufstand“ die „Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen“ (Seite 19) beklagt, ist durchaus kritikwürdig. Einerseits ist es natürlich schlimm, dass beispielsweise Bäuerinnen und Bauern von Großgrundbesitzern von ihrem Land verjagt werden, weil diese mit ihren derart expandierenden Grundbesitz weltmarktfähig werden oder bleiben wollen. Andererseits darf man die vorkapitalistische Zustände, die mancherorts in ländlichen Regionen noch herrschen keinesfalls romantisieren. Hier herrschen zumeist das Patriarchat in seiner Reinform, rigide Hierarchien, religiöse Wahnvorstellungen etc.

Der größte Schwachpunkt liegt aber wohl in der Sicht auf die derzeitigen Verhältnisse als große Chance. Besonders die Staatsschwäche wird als Chance begriffen und es soll jetzt losgehen:

Es gibt keinen Grund mehr zu warten – auf eine Aufheiterung, die Revolution, die atomare Apokalypse oder eine soziale Bewegung. Noch zu warten ist Wahnsinn. Die Katastrophe ist nicht, was kommt, sondern was da ist. Wir verorten uns bereits jetzt in der Bewegung des Zusammenbruchs einer Zivilisation. Dort ist es, wo man Partei ergreifen muss.

(Seite 63-64)
Doch woher soll der Schlag kommen? Warum sollte er in die richtige Richtung führen? Das erklären die Autor_innen nicht. Bei allem Verständnis für die verzweifelten Revolten wie z.B. in den Banlieus, aber es handelt sich um Aufstände ohne Perspektive und Utopie. Sie sind keine Aktionen gegen, sondern Reaktionen auf die sich zuspitzenden Zustände. Die Autor_innen scheinen naiverweise davon auszugehen, dass sich schon automatisch alles in die richtige Richtung entwickeln wird. Das aber ist stark anzuzweifeln.
Immer wieder schimmert diese Romantisierung von Notgemeinschaften des Elends oder Notwehr der Verelendeten durch. Da wird auf das romantisch-antiziganistisch auf das „Zigeunerlager“ (Seite 23) Bezug genommen. Auch die palästinensische Guerilla scheint ein Vorbild zu sein (Seite 36). Das mutet etwas an wie der Film „Der vierte Weltkrieg“, in dem alle underdogs dieser Erde als progressive Rebellen dargestellt werden, egal welche Ziele sie verfolgen.
Der Aufstand
Die Darstellung von Arbeit als Entfremdung von Heimat (Seite 27), die an Bakunin gemahnende Zivilisationsfeindschaft (Seite 34-35) und ein gewisser Antiurbanismus bzw. Großstadtfeindlichkeit (Seite 33) sind ebenfalls schwierig. Diese Punkte lassen eine gewisse tümelnde Interpretation der entsprechenden Textstellen zumindest zu. Aber aus dem Kontext des Gesamttextes ergibt sich, dass so eine Interpretation daneben liegt.

Fazit: Selber lesen!

Israel Shamirs „Blumen aus Galiläa“

Blumen aus Galiläa
Die deutsche Ausgabe des Buches „Blumen aus Galiläa. Schriften gegen die Zerstörung des Heiligen Landes“ von Israel Shamir (der seit 2001 Jöran Jermas heißt) erschien 2005 im Wiener Pro-Media-Verlag.
„Blumen aus Galiläa“ ist ein wüst antisemitisches und antizionistisches Werk. Fast von der ersten bis zur letzten Seite atmet es Hass. Hass auf Israel und Hass auf Juden. Es ist zudem vollgepackt mit Blut-&Boden-Romantik was die Palästinenser angeht und allerhand antizionistischen und antisemitischen Gräuelgeschichten, die garniert werden mit einer ordentlichen Prise Antiamerikanismus.

Kurz zusammenfassen kann man das Buch wie folgt: Die Israelis bzw. die Juden sind die Bösen und die Palästinenser die Guten. Dass Buch enthält ein pathologische Dämonisierung Israels, Israel ist der „Antichrist“ und wenn ihm die Nazi-Vergleiche einmal ausgehen, dann ist sich Shamir nicht zu doof aus dem Fantasy-Epos „Herr der Ringe“ Anleihen zu beziehen und Israel als Mordor zu bezeichnen.
Die Juden sind aber nicht nur im Nahen Osten die Bösen, sondern in der ganzen Welt, denn Jude ist für Shamir nicht eine Religion oder Ethnokonfession, sondern ein Prinzip, ein „ideologisches und metaphysisches Konstrukt“ (Seite 199). Dazu passend konstruiert Shamir noch eine jahrhundertealte, ja sogar jahrtausendealte Traditionslinie des jüdischen Christenhasses und der jüdischen Brutalität.

Selbst für den Nicht-Kenner sind viele Behauptungen Shamirs widersprüchlich. Immer wieder betont er zum Beispiel, dass die Palästinenser friedlich seien und sich höchstens mit Steinen wehren würden, dann berichtet er wieder stolz von den bewaffneten Aktionen der Palästinenser.
Auch einige der wiedergegebenen Fakten sind entweder verzerrt oder schlicht falsch, viele andere dürften einer genaueren Überprüfung nicht standhalten. Da der Autor erkennbar an vielen Stellen verzerrt und lügt, sind auch die von ihm angeblich erlebten Geschehnisse, die im Buch wiedergegeben werden, mehr als fraglich. Zu holzschnittartig werden da die jüdischen Israelis und besonders die israelischen Soldaten beschrieben. Vermutlich hat sich keines der Ereignisse wirklich so abgespielt wie er es beschrieben hat.

Im Buch wird kaum eine antisemitische Anklage ausgelassen. Da ist die Rede von jüdisch gelenkte Medien („jüdisch dominierten Presse“), die antisemitische Chasaren-Theorie wird von ihm aufgewärmt (Seite 41), er schreibt ernsthaft von einem „Zionist Occupied Government“ (Seite 190) oder einem angeblich traditionellen, jahrhundertealten Hass der Juden auf Christen.
Gewährsleute von Shamir sind die Antisemiten Werner Sombart, der russische Neofaschist Alexander Dugin und die antisemitischen Texte von Karl Marx.
Wirklich verwunderlich ist der Bezug auf den russischen Nationalbolschewisten Dugin nicht, da schon länger bekannt, dass Israel Shamir gute Kontakte zur extrem rechten Szene pflegt wie das Magazin „Searchlight“ 2004 recherchierte. Ebenso ist bekannt, dass Shamir ein Hochstapler ist. Shamir ist nämlich gar kein bekannter israelischer Intellektueller, sondern in Israel weithin unbekannt und entgegen eigener Angaben lebte er in Israel vermutlich nur vier Jahre. Doch indem Shamir aus sich einen prominenten israelischen Intellektuellen machte und seine jüdische Herkunft betont, will er sich ganz offensichtlich gegen Kritik immunisieren. Als angeblicher kritischer israelischer Intellektueller und Jude, so das Kalkül von Autor und Verlag, darf Shamir angeblich so etwas schreiben und könne ja gar kein Antisemit sein. Dabei ist ein Antisemit ein Antisemit, egal welchen Hintergrund er hat. Einen Antisemiten erkennt man nicht an der Herkunft oder an seiner Zugehörigkeit zu einem politischen Lager, man erkennt ihn an seinem Antisemitismus. Auch die israelische Staatsbürgerschaft oder eine jüdische Herkunft schützen daher nicht vor Antisemitismus.

Die extreme Rechte ist über solche Töne, wie sie Sharmir äußert, natürlich begeistert. Dass Buch findet sich bzw. fand im Angebot des Buchdienstes der FPÖ-nahen Zeitung „Zur Zeit“, im „Deutscher Buchdienst“ des DVU-Gründers Frey und im Buchdienst der neurechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Auch die bekannte, deutsche Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel bezieht sich in ihrer Einlassung vom 30. Juni 2009 auf Shamir

Zitate

Man bringt den Russen eine Kurzversion des modernen jüdischen Glaubens und sein einziges Gebot bei: „Du sollst Araber hassen.“

(Seite 21)

Und dann fingen wir an, uns dem jüdischen Schicksal gemäß zu benehmen. Wir behandeln Nichtjuden wie Tiere, ermorden ihre Anführer, töten ihre Kinder haufenweise, versagen ihnen Bewegungs- und Religionsfreiheit, verweigern ihnen Arbeitsplätze und beschlagnahmen ihr Land.

(Seite 25)

Falls auch der Letzte der Palästinenser auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt werden sollte, würde das dem virtuellen jüdischen Staat Israel immer noch kein Leben einhauchen.

(Seite 34)

Israel verwandelte Palästina nicht in ein Lager , sondern in einen neuen Gulag. Der Nobelpreisträger und Autor von „Der Archipel Gulag“, Alexander Solschenizyn, behauptete, dass der ursprüngliche russische Gulag von Juden entworfen und verwaltet wurde; seine Behauptung wurde von jüdischen Organisationen in Frage gestellt und dementiert. Doch es gibt keinen Zweifel daran, wer den palästinensischen Gulag entworfen hat.

(Seite 38)

Wann auch immer ein Amerikaner „Antisemit“ genannt wird, erwartet man von ihm, dass er sich zu Boden wirft und dem jüdischen Volk ewige Liebe und Gehorsam schwört.

(Seite 41)

Palästinenser stehen vor einem Holocaust, jüdische Soldaten drucken ihnen Nummern auf Stirn und Unterarme, trennen Frauen von ihren Männern und schicken sie in Konzentrationslager, doch jüdische Holocaust-Gedenkstätten sprießen wie Pilze aus dem Boden.

(Seite 59)

Scharons Invasion begrub die verrückte Idee der palästinensischen Selbstherrschaft („Unabhängigkeit“) über einen kleinen Teil Palästinas für immer. Dies war praktisch die Nazi-Idee eines Judenreservates, die von der jüdischen Pseudo-Linken auf Ramallah übertragen wurde. Der Gedanke an eine Demokratie in ganz Palästina, die Abschaffung der Apartheid, ist wieder zum Vorschein gekommen. Denkt nicht mit Nostalgie an die Tage der PNA zurück, seht in die Zukunft mit der Hoffnung auf ein freies und demokratisches Palästina, das vom Fluss bis ans Meer reicht.

(Seite 87)

Israel, dieser jüdische Apartheid-Staat, verdient es zu verschwinden. Seine souveränen Einrichtungen sollten tatsächlich aufgelöst werden. Und seine Unterstützer im Ausland sollten wie Unterstützer von Kriegsverbrechen und als Kämpfer auf eigene Gefahr behandelt werden.

(Seite 89)

Die israelischen Anführer hatten einen sorgfältigen Plan ausgearbeitet, die Palästinenser auszuweisen und zu vertreiben, um ein Land zu schaffen, das so jüdisch sein würde, wie Deutschland arisch war.

(Seite 91)

Anscheinend kann es für Amerikaner nur zwei Ideologien auf der Welt geben. Die eine ist der Neoliberalsmus, der Glaube an vae victis, und die andere der Zionismus.

(Seite 98)

Der jüdische Staat ist die Verkörperung der paranoiden Xenophobie und des Fremdenhasses der Juden. Die intrigante Politik des Pentagon ist eine weitere Manifestation eben derselben Furcht und desselben Hasses auf weltweiter Ebene.

(Seite 104)

Dasselbe System des tendenziösen, die Wahrheit verformenden Diskurses wurde von jüdischen Aktivisten auf dem Gebiet des militanten Feminismus, des Kommunismus, der Psychoanalyse, des Neokonservatismus und des Zionismus sowie einer Fülle kleiner Bewegungen als Mittel zur Aufwiegelung und Vergiftung der Anhänger im ideologischen Kampf angewandt.

(Seite 119)

Populismus-Baustein: Antiamerikanismus, Unterkategorie: Bush-Bashing

Wallstreetterror
Antiamerikanismus in guter alter deutscher Tradition: Buch von 1942

Nun ist er weg. George Walker Bush. Letzte Polemiken und Hassbotschaften wurden ihm noch nachgeworfen, ebenso wie zwei Schuhe. Noch ein letztes Mal übten sich Presse, selbsternannte Amerika-Experten und Stammtisch ausgiebig im „Bush-Bashing“ und bedienten damit in populistischer Manier den Antiamerikanismus der Deutschen (und vermutlich auch der Europäer allgemein).
Bush-Bashing war gleich nach dem Fußball der Deutschen liebster Volkssport. Jeder noch so vergreiste Uni-Professor konnte bei seinen Zuhörern Punkte sammeln, wenn er kräftig auf den „Cowboy“ im „Weißen Haus“ schimpft.
Vorgemacht hat es der abgehalfterte Grünen-Politiker Ströbele, der einst die irakischen Raketenangriffe auf Israel „die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ nannte. Er versuchte sich einem schlecht gemachten Musikstück als Anti-Bush-Sänger und sieht den Ex-Präsidenten schon bald vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Ein großer Verlust ist es allemal für alle Antiamerikaner und für viele selbsternannte Weltpolitik-Experten auch.
Wen sollen sie jetzt für allen Unbill dieser Welt verantwortlich machen? Der Papst eignet sich dafür anscheinend nicht so gut. Besonders bei den Deutschen. Ist doch hierzulande die nationale Identifikation mit dem Oberhaupt der katholischen Christenheit recht hoch („Wir sind Papst!“).
Da viele (nicht alle!) ihre antiamerikanischen Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten im Bush-Bashing auslebten ist der Verlust für viele auch riesengroß.
Bush-Bashing war erkennbar eine Spielart des Antiamerikanismus. Sicher hat dieser US-Präsident viele Fehler gemacht, seine Politik hat Opfer gefordert und im eigenen Land hat er die sozialen Gegensätze noch zugespitzt.
Doch Gleiches trifft auch auf Gerhard Schröder oder Chaque Chirac zu. Deren Kriege oder Kriegsbeteiligung im Ex-Jugoslawien (Kosovo) oder in der Republik Elfenbeinküste fanden ungleich weniger Kritik.
Eine rationale Bewertung der Politik von George W. Bush mit all ihren Fehlern, aber ohne eine Litanei der Verdammung zu sein, ist nicht nur vielen Normalmenschen unmöglich gewesen, sondern auch viele Medien fielen in ihre antiamerikanischen Beißreflexe zurück.
George W. Bush wurde für jeden Toten im Irak persönlich verantwortlich gemacht und nicht etwa die religiösen und nationalistischen Fanatiker, die mit Selbstmordattentaten möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen versuchen. Sicher, die amerikanische Irak-Politik ist desaströs. US-Soldaten waren immer wieder an Morden an Zivilisten beteiligt, es wurde systematisch Folter angewendet und allgemein wurde weniger angeklopft als vielmehr reingestürmt.
Viele Tote im Irak sind aber auf innerirakische Konflikte zurückzuführen, die von Saddam Husseins Gewaltherrschaft unterdrückt worden sind. Dafür sind schlecht die Besatzer verantwortlich zu machen. Auch Guantanamo ist sicher ein Schandfleck auf der Weste der USA, aber Guantanamo ist kein neues Auschwitz. Wer so etwas behauptet relativiert und verharmlost den Nationalsozialismus. In Guantanamo wurde und wird niemand vergast. Trotz der fehlenden Rechte und vieler Verwechslungen sind einige der Insassen durchaus schuldig im Sinne der Vorwürfe. Im Gegensatz zu Auschwitz.
G8-Holocaustrelativierung
Und George W. Bush ist auch nicht der neue Hitler gewesen. Präsident Bush kann abgewählt werden und verfolgt als Staatsoberhaupt rational die Interessen seines Landes und nicht irgendeinen Wahn.
Holocaustrelativierung

JedeR kennt und kritisiert Guantanamo. Aber niemand interessiert sich für das Schicksal des weiblichen Bevölkerungs-Teil Saudi-Arabiens.

Man kann die saudischen Frauen in der Tat mit den Gefangenen von Guantánamo vergleichen.

Die Insassen von Guantánamo können wenigstens noch die Sonne sehen und müssen sich nicht mit einem schwarzen Umhang verhüllen. Auch könnten sie eine Affäre mit einem anderen Gefangenen haben. In Saudi-Arabien verliert eine Frau, die mit einem anderen Mann erwischt wird, ihr Leben. Die ganze Welt kennt die Zustände in Guantánamo und redet darüber, dass die Gefangenen dort ohne wirkliche Beweise festgehalten werden. Aber über die saudischen Frauen, die seit Jahrzehnten in Gefängnissen sitzen, redet niemand. Die saudischen Frauen leben in fünf Gefängnissen. Wenn sie keine Probleme mit ihrer Familie und ihrem Stamm haben, werden sie spätestens von der Gesellschaft attackiert. Wenn sie das durchstehen und nicht von der Religionspolizei verhaftet werden, kommt die Regierung. Wenn die sie ins Gefängnis wirft, sind sie vergessen.

(Wajeha al-Huwaider, Gründerin der League of Demanders of Women’s Right to Drive Cars, in dem Interview »Unsere Omas durften auch Kamel reiten«, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/39/10711.php)

Zu Saudi-Arabien unterhalten alle westlichen Staaten, also auch die USA und Deutschland, normale bis freundschaftliche Beziehungen.

Ob Obama soviel anders macht und machen kann ist fraglich.
Für kühle, linke Analysten bleibt das Credo: Don’t fight the players, fight the system. Und erweitert ist noch hinzuzusetzen: Watch your own country!

BUCHTIPP: Claus Kleber: Amerikas Kreuzzüge. Wohin treibt die Weltmacht?, München 2005, 302 Seiten

Der Autor agiert mit seinem Buch als ein Mythenbrecher. Durch Insider-Wissen und jahrzehntelange Erfahrung gelingt es ihm die Spezifika des Amerika unter George W. Bush herauszuarbeiten ohne sich in die Niederungen des Antiamerikanismus zu geraten. Im Gegenteil, er räumt konsequent auf mit antiamerikanischen Klischees und Vorurteilen: Nicht die Zensur, sondern Selbstunterwerfung und Gewinn-Denken legte die kritische US-Presse lahm. Nicht kaltblütiges Kalkül, sondern Irrtum und Fehler führten zur Durchsetzung der Kriegsfraktion innerhalb des Bush-Kabinetts. Präsident Bush und seine Regierung sind nicht die neuen christlich-fundamentalistische Kreuzritter, sondern sendungsbewußte Menschen, die an Amerikas Auftrag glauben. Präsident Bush ist nicht eine Marionette seiner Berater, lässt sich aber von den Spezialisten in seiner Umgebung stärker beraten als z.B. Präsident Clinton. Präsident Bush ist kein Cowboy oder Tölpel, sondern ein Durchschnittstyp.

Durch seine Stellung gegen die althergebrachten antiamerikanischen Vorurteile und eine gewisse Nähe zum Polit-Establishment gerät das Buch aber streckenweise zu positiv in Vorausschau und Bewertung. Eine kritische linke Note hätte ihm ganz gut getan. Das viele Akteure in den USA oder im Irak bzw. Afghanistan nicht die Böslinge sind, als die sie gerne dargestellt werden, schön und gut, aber Fehler wurden trotzdem gemacht. Einige benennt der Autor, andere leider nicht.

Mehr als nur Donald Duck

Der Comic ist ein stark unterschätztes und künstlich eingeschränktes Genre in Deutschland und fristete bis zum Aufkommen der Mangawelle (japanische Comics) vor fünf Jahren eher ein Nischendasein.
Auf Grund der Mischung von Bild- und Sprachurteil stoßen Comics auf das Vorurteil, sie seien einfach gestrickt und gehörten daher zur anspruchslosen Lektüre. Daher verorten in Deutschland noch viele Menschen, dass Genre Comics nur Kindern und Jugendlichen zu.
Dabei zeigt die Situation in Japan, dass Comics durchaus etwas für alle Generationen sein können, weil sie sich durch einen hohen Anspruch Auch an ältere Personen richten können.
Die eher geringschätzige Wertung von Comics gilt natürlich auch für politische Comics. Auch politisch aktive Menschen wissen dieses Medium kaum zu schätzen, dabei ist das Genre Comic ein sinnvolles Medium um besonders unpolitische Jugendliche für politische Aussagen und Sachverhalte zu interessieren.
In der Comicsparte allgemein bilden politische Comics bzw. Comics mit einer gewissen politischen Aussage oder Anspruch eine eher kleine Minderheit. In viele Comics jedoch gibt es durchaus auch neben der eigentlichen, meist fantastischen, Geschichte einen politischen Anspruch. Politcomics gibt es spätestens seit den sehr einfach aufgebauten Propagandacomics der Alliierten im zweiten Weltkrieg. Da wird etwas versteckt zum Beispiel häufig die Diskriminierung von Ungleichheit aufgezeigt und kritisiert.
Politische Comics spielen im Gegensatz zum großen Rest häufiger in der Realität und manchmal in einem fantastischen Pendant (Dystopie oder Utopie). Einige politische Comics sind Fiktion und andere wiederum geben wahre Gegebenheiten wieder. Der derzeit wohl bekannteste politische Comic ist wohl Marjane Satrapis Persepolis, in dem die Autorin ihre Kindheit und Jugend unter dem Mullahregime im Iran wiedergibt. Durch die Auswahl der wiedergegebenen Erfahrungen enthält dieser Comic einen eindeutigen Standpunkt der Autorin und wird damit zur politischen Comicautobiografie.
Politische Comics müssen natürlich nicht unbedingt einen linken Charakter besitzen. Aber rechte bzw. reaktionäre Comics mit hohen Auflagen sind recht selten. Einer der bedeutenteren nichtlinken Politcomics dürfte die Comicbiografie von Papst Johannes Paul II. (+ 2005), „Von Wadowice nach Rom“, sein.
Aber auch scheinbar harmlose und unpolitische Comics weisen oft zweifelhafte Tendenzen auf. Zum Beispiel ist der Comic „Tim und Struppi im Kongo“, den es in jeder Comichandlung zu kaufen gibt, auch von Unbedarften als Comic mit rassistischen Unterton erkennbar. Das verwundert bei der Vita des Autors kaum. Das Coicduo Tim und Struppi stammt aus der Feder des belgischen Zeichners Herge alias Georges Remi, der während der NS-Besetzung Belgiens für ein Organ von belgischen NS-Kollaborateuren zeichnete.
Der geringe Erfolg von rechten und konservativen Comics heutzutage mag auch daran liegen, dass hier meist sehr plump und offen moralinsaure Botschaften der/dem Leser_in präsentiert werden.

Das Komplott
Die Entstehung der berüchtigten Fälschung „Die Protokolle der Weisen von Zion“, die von einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung künden, ist nach wie vor aktuell und essentiell wichtig um den Ungeist des Antisemitismus zu verstehen.
Dies in Comicform zu tun hat der bekannte US-Comiczeichner Will Eisner (1917-2005) in seinem letzten Werk versucht. In rein schriftlicher Form gibt es bereits dutzende kritische Werke zu diesem Thema. Das Vorwort zu dem Comicband stammt von dem italienischen Schriftsteller Umberto Eco, aus dessen Feder bereits mehrere kritische Essays zum Thema stammen.
Die farblich in Schwarzweiß gehaltene Geschichte fängt im Jahr 1848 in Frankreich an. Es ist die Zeit in der wieder ein Bonaparte Kaiser in Frankreich ist. Knapp zwanzig Jahre später ist immer noch ein Bonaparte an der Macht und der heute kaum bekannte Schriftsteller Maurice Joly versucht 1964 mit seinem Buch „Gespräche in der Unterwelt“, einem fiktiven Dialog zwischen Machiavelli Montesquieu, die Willkürherrschaft des französischen Kaiser bloßstellen. Genau dieses Buch dient 1898 dem russisch-zaristischen Geheimdienst in Paris als Vorlage für die Protokolle. Besonderes Gewicht wird dabei vom Autor auf den Fälscher Mathieu Golovinski und seine Biografie gelegt.
Auf den nun folgenden Seiten werden die ersten Auswirkungen und die Verbreitung der Protokolle rund um die Welt bis heute wiedergegeben. Zwar wird der Einfluss der Protokolle auf die Nationalsozialisten und insbesondere Hitler dargestellt, aber die Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden wird nirgendwo im Comic direkt wiedergegeben.
Auch ist der Schriftanteil im Gegensatz zu anderen Comics recht ausgeprägt und der 16seitige Vergleich zwischen den Protokollen und Jolys’ „Gespräche in der Unterwelt“ um das kaum veränderte Original der Protokolle zu belegen ist sehr langatmig geraten.
Das etwas verzweifelte Credo des Bandes ist, dass die Protokolle trotz zahlreicher Widerlegungen, mit Vernunft also, scheinbar bisher nicht zu besiegen waren. Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen, dass sich die Protokolle besonders im arabischen Raum immer noch ungebrochener Nachfrage und Verbreitung erfreut.
Der Preis mit 20 Euro dürfte Comicneulingen recht teuer vorkommen, ist aber für einen solchen Band nicht unüblich.
Wer eine gute und unterhaltsame Einführung in die Geschichte der Protokolle sucht sollte unbedingt zugreifen.

Will Eisner: Das Komplott – Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion, Deutsche Verlags-Anstalt München, 2005, 152 Seiten, 20 Euro

LINKTIPP
Ich, Rassist?
Deutsche Sprachversion online unter:
http://europa.eu.int/comm/publications/young/txt_whatme_racist_de.pdf

by R. Schwarzenberg

Für Ruhm und Ehre gegen die asiatischen Horden

Die Rahmenhandlung ist leicht erzählt, spartanische Elitekrieger halten mit ihren (vernachlässigbaren) griechischen Bundesgenossen, den Pass der Thermophylen gegen die Übermacht des persischen Heeres. Nur durch Verrat gelingt es den Persern diesen Pass zu umgehen, aber das heldenmütige Opfer der Spartaner ermöglicht letztlich den Sieg der Hellenen im gesamten Krieg.
Wage knüpft der Film an die tatsächlichen Ereignisse bzw. deren überlieferten Versionen an.
Ästhetisch ist der Film „300“ unbestritten sehr gut. Doch inhaltlich ist er äußerst bedenklich. Denn der Film lässt eine Art von faschistischer Ästhetik-Rezeptionsmöglichkeit zu.
Die Spartaner sehen so riefenstählern aus, als wären sie aus „Triumph des Willens“ oder aus Brekers verklemmten homoerotischen Fantasien entsprungen.
Im Gegensatz dazu werden die Perser als Masse dunkelhäutiger orientalischer Krieger konstruiert, die zu hunderten gegen die Breker-Gestalten fallen.
Im Kampf gegen diese „asiatischen Horden“ ruft der spartanische König auch noch zum Erringen von „Ruhm und Ehre“ auf. Das erinnert doch an die Himmlerischen Truppen, die Waffen-SS.
Der aus der Bundeswehr geschmissene Elitekrieger-General Günzel hätte es nicht schöner sagen können. Und richtig, der General bezog sich noch zu Dienstzeiten, 1995, auf die alten Spartaner:
„Ich erwarte von meiner Truppe Disziplin
wie bei den Spartanern, den Römern oder bei der Waffen-SS.“
Zu der Darstellung der dunkelhäutigen orientalischen Angreifer, die mich an eine Illustration aus einem deutschen Sagenbuch von 1941 im Kapitel über die Roland-Sageerinnerte, kommt noch, dass der Zwei-Meter große Perserkönig von Kleidung äußerst schwuchtelig dargestellt wird. Dass diese weibische „Leder-Uschi“ nur mit Verrat über die wehrhaften Mannen Spartas siegen kann ist schnell klar.
Die Filmfans mögen zu dieser reaktionäre Rezeptionsebene einwerfen „Aber das war doch so.“
Sicher waren die Spartaner ziemlich harte Kerle und haben mit der Tötung von irgendwie krank wirkenden Babys, wie ihm Film dargestellt, auch tatsächlich aktive Eugenik praktiziert, aber in vielem sind auch heutige Denkweisen in den Film eingeflossen.
Die Spartaner verteidigten nicht eine Ur-Demokratie gegen einen orientalischen Despoten, sondern eine patriarchalisch-aristokratische Sklavenhaltergesellschaft gegen einen Despoten.
Auch die Darstellung eines Kulturkampfes ist kaum eine Wiedergabe der damaligen Wirklichkeit, sondern eine Projektion heutiger Ansichten.
Den Regisseuren kann man noch nicht einmal den Hauptvorwurf machen, sie haben sich eng an die Vorlage gehalten und dem Film mit der spartanischen Königen sogar ein progressives Element beigefügt, was im Comic-Original gar nicht existierte.
Trotzdem sind die Sin-City-Reihe und ihre Verfilmung um Längen besser, denn „300“ ist inhaltlich nicht besser als der Hollywood-Pathos „The last Samurai“.

by Cemal Merak