Archiv der Kategorie 'Antikritik'

Viele Zitate, aber nur wenig Überzeugendes

„Die Grenzen der Aufklärung
Ob Sonnenschein, ob Sternengefunkel:
Im Tunnel bleibt es immer dunkel.“

(Erich Kästner)

Ich möchte neben der offiziellen Entgegnung der Antispe Tübingen in mein Contra auch den Kommentar eines Tübinger Antispe-Aktivisten („Matthias R.“) vom 10.04.2010 mit einbeziehen.

Im Folgenden werde ich versuchen die Grundthesen hinter den langen Zitaten von Menschen (mit akademischen Titeln) zu erfassen und dann auf diese einzugehen. Ich versuche weniger auf Einzelbelege und Beispiele einzugehen, sondern auf die Kern-Thesen bzw. –Erwiderungen. Neben dieser Grundkritik werde ich trotzdem auch Detailkritik üben und versuchen aufzuzeigen wie die Antispes meiner Ansicht nach zu ihrer Logik gelangen. Im Übrigen gibt es keine absoluten Autoritäten für mich. Selbst wenn beispielsweise Adorno oder Horkheimer tatsächlich richtig zitiert und in dem gedeuteten Sinn interpretierbar sind, so ist das noch kein Beweis für die Richtigkeit ihrer Aussage („Ja, aber der Adorno hat gesagt …“). Natürlich muss Fachwissen von einem Professor XYZ respektiert und gewürdigt werden. Dass heißt ich gehe davon aus, dass er seine zitierte Annahme auf wissenschaftlich überprüfbare Annahmen basiert. Einen größeren Teil des Textes hätte mensch sich durchaus sparen können. Die Ausführungen zu Darwin tragen beispielsweise wenig zu der grundsätzlichen Diskussion bei. Einige lange Zitate hätten die Antispes durchaus auf ein, zwei Sätze in eigenen Worten verkürzen können. Durch das Zitieren von Gewährsleuten wird die Argumentation eigentlich nicht glaubhafter. Eine Aussage wird erst einmal nicht überzeugender, wenn sie aus dem Mund einer Koryphäe kommt. Ich könnte sicher auch mehrere Experten-Joker aus dem Hut zaubern und gründlich aus deren Zitatesteinbrüchen zitieren, werde aber darauf verzichten. Nur an einer Stelle, wo mir das Sachwissen fehlte werde ich die Antwort einer konkret befragten Expertin anführen.

Wenn noch einmal Kritikpunkte an der Antispe-Kritik auftauchen, auf die ich meiner Meinung nach im ersten Text schon einmal eingegangen bin, dann zitiere ich mich bei passender Gelegenheit auch gern selbst.

Kurze Vorbemerkung
Die Antispes haben das Problem, dass sie ihr Subjekt gegenüber anderen Subjekten aufwerten müssen, um irgendwie ernst genommen zu werden und Erfolge zu erzielen. Deswegen versuchen sie Tiere aufzuwerten. Sie rücken beispielsweise die Tierchen durch Begrifflichkeiten wie „nichtmenschliche Tiere“ in Menschennähe. Die Antispe-Kritiker hingegen versuchen dasselbe mit umgekehrten Vorzeichen. Dass erscheint aus abstrakter Perspektive etwas albern, denn grundsätzlich ist Fleischgenuss Geschmackssache. Der Verzehr von Menschen-Fleisch ist nur deswegen nicht praktikabel, weil es dass zwischenmenschliche Sozialgefüge empfindlich stören würde, wenn sich die Leute beginnen würden gegenseitig aufzufuttern.
Der Rest ist Moral und damit auch irgendwo beliebig.
… das war jetzt mal die Meinung eines Freundes.
Grundsätzlich hat er nicht Unrecht. Ich halte aber moralische Grundsätze durchaus für sinnvoll und immens wichtig. Es sollte nur reflektiert werden, dass die Motivation der Antispes wie der Anti-Antispes rein moralisch begründet ist, ihr somit eigentlich ein rationaler Kern fehlt. Es gibt durchaus ein paar, mehr oder weniger stichhaltige, rationale Argumente für eine vegetarische Ernährung in unseren Breitengraden. Aber diese Argumente haben mit der Antispe-Ideologie wenig zu tun. Ihre Kern-Argumentation ist moralischer Art, versucht das aber zu kaschieren.

I, Das Grundideologem: Der Mensch-Tier-Dualismus ist unhaltbar
Speziezismus in Aktion
Klar sind besonders „kluge“ Affen „dummen“ Menschen (z.B. Kleinkinder) in bestimmten Dingen überlegen bzw. stehen auf demselben Level. Nach derselben Logik solcher abstrusen Vergleichskategorien sind gehirntote Koma-Patienten wohl fast jedem Tier unterlegen. Ja, vielleicht sind sogar Moosflechten „klüger“ als gehirntote Koma-Patienten. Damit ließe sich dann ja auch noch der Tier-Pflanzen-Dualismus aufheben …
Vergleiche werden aber im Allgemeinen mit Durchschnittswerten angestellt. Hier stellt sich heraus, dass selbst das klügste Tier bei weitem nicht an den menschlichen Durchschnitt heranreicht.
Mit solchen lustig konstruierten Vergleichen wie sie die Antispes nach der Art Affe versus Kleinkind bemühen, ließe sich übrigens auch beweisen, dass die Bewohner eines Landes „dümmer“ sind, als die eines anderen. Mensch nimmt dazu einfach die 10 „klügsten“ Menschen des einen Landes und stellt sie den 10 „dümmsten“ Menschen gegenüber. Voila! Also sind die Bewohner des einen Landes „dümmer“ als die anderen. In Wahrheit aber müssen Durchschnitte verglichen werden und 10 Personen sind zudem noch keine empirische Basis. Dass heißt konkret 1.000 erwachsene Affen müssen mit 1.000 erwachsenen Menschen verglichen werden. Hier würde sich, wie für jede andere Tierart auch, herausstellen, dass selbst die biologisch nächsten Verwandten der Menschen einen großen Abstand zum Menschen aufweisen. Wobei es schon schwierig sein dürfte, diese Tests überhaupt zu entwerfen, da Menschen eine wesentlich komplexere Sprach- und Gedankenwelt haben als Affen.
Dass heißt nicht, dass das unnötige Grausamkeiten gegenüber Tieren legitimiert, aber es zeigt, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Tier existiert und nicht nur ein „gradueller“ oder von mir aus, dass dieser Grad relativ entscheidend ist. Einmal ganz davon abgesehen, dass der Mensch es geschafft hat sich von einem instinktgeleiteten Verhalten zu verabschieden.

Vermutlich wird es nun von Antispe-Seite gleich heißen, dass natürlich Menschen und Tiere nicht dasselbe seien und mensch das nie behaupten hätte wollen. Die Antispes wollen aber ja den Mensch-Tier-Dualismus aufheben, der von ihnen als überholt und unhaltbar angesehen wird. Der konstitutiert sich nun aber seit 200 Jahren gar nicht mehr über eine (religiös motivierte) Ablehnung der abstammungs-verwandtschaftlichen Nähe zwischen Tier und Mensch. Niemand bezweifelt doch heute noch ernsthaft die Abstammung und Verwandtschaft und damit auch Nähe des Menschen mit dem Affen. In der Diskussion mit Kreationisten mag das noch auf Widerspruch stoßen, bei allen Anderen aber kaum. Offenbar basiert der Mensch-Tier-Dualismus eher auf geistigen Unterschieden, die sich nun mal im Durchschnitt ergeben.

Aber gehen wir mal den Weg der Antispes ein Stückchen mit: Nehmen wir die wenigen, stärker intelligenzbegabten – aber trotzdem noch instinktgeleiteten – Tiere vom Verzehr und Haltung aus, so ist damit kaum etwas erreicht. Es gibt also einige, wenige Tierarten, die auf dem Höhepunkt ihrer geistigen Entwicklung das Niveau eines einjährigen Menschen erreichen, ohne über das Potenzial zu verfügen (mal abgesehen von einer evolutionären Entwicklung über Jahrhunderttausende hinweg) diese Grenze zu überspringen.
Gut, dann nehmen wir diese klügeren Viecher eben vom Verzehr aus. Die grundsätzliche Ablehnung von Fleischgenuss oder Tierausbeutung kann damit schlecht begründet werden, denn es bleiben noch genügend Tierarten zum Verzehr übrig (Fische [abzüglich des Moskitofisches], Krebse, Muscheln, Vögel, Insekten…). Selbst wenn mensch die Leidensfähigkeit heranzieht, dann blieben noch allerhand Tiere zum Verspeisen übrig.

II, Detailkritik
A, PeTA und die „moral community“
Ich würde behaupten, dass PeTA genau das macht, was die Antispes fordern: Der Einbezug der Tiere in die „moral community“.
Mensch geht sicher fehl PeTA zu unterstellen, dass Schicksal der europäischen Juden sei der Organisation vollkommen egal. Nein, der Massenmord an den europäischen Juden ist – nach den Prinzipien der Organisation verstanden – als Massenmord an Lebewesen auch irgendwie schrecklich. Natürlich steckt in der Instrumentalisierung der Shoa für eigene (Werbe-)Zwecke auch eine Banalisierung der Shoa. Die Banalisierung erfolgt aber vor allem durch die Analogisierung von Tier- und Menschenleid. In dieser Analogisierung steckt ja genau die erweiterte „moral community“: Beides ist (gleich) schlimm, der Tier-, aber eben auch der Menschenmord. Damit konstituiert sich auf den PeTA-Plakaten die „Moral community“. Wenn auch die Intention ist Tierleid herauszustellen, wird das Menschenleid ja nicht geleugnet oder ignoriert.

B, De-Humanisierung durch Mensch-Tier-Metaphern ausweichen durch Aufwertung von Tieren
Dass bei Formen von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit eine De-Humanisierung durch Tier-, Pflanzen- und Krankheits-Analogien stattfindet ist unbestritten.
Tatsächlich wäre ein Rückgriff auf diese Metaphern schwieriger würde die Antispe-Ideologie eine gesellschaftliche Mehrheit für sich gewinnen. Es blieben dann aber noch genügend Gärtner- und Medizin-Metaphern („Unkraut“, „Krebs“) übrig.
Meiner Ansicht nach ist es viel sinnvoller die Übertragung von Vokabular aus anderen Bereichen auf Menschen zu ächten, indem mensch gerade die Grenzen betont. Tiere sind Tiere, Pflanzen sind Pflanzen und Menschen sind Menschen.

Häufig wird auch angeführt, dass die Aufwertung von Tieren nicht zur Abwertung von Menschen führe. Da aber durchaus (reale) Unterschiede gemacht werden bzw. von den Antispes eingestanden werden („graduelle Unterschiede“), besteht immer die Gefahr der Rückübertragung.

C, Mit Gemüseanbau in eine bessere Zukunft?

„Fiddes macht noch auf andere Wechselbeziehungen aufmerksam, stellt etwa Gesellschaften wie diejenige Polynesiens, die vom Gemüseanbau lebte und deren politisches System im allgemeinen nicht hierarchisch war, Gesellschaften gegenüber, deren Umgang mit Herden eine autoritärere Politik hervorgebracht haben könnte. […] Die Ursprünge hierarchischen Denkens sind letztlich auf das Verhältnis der menschlichen Kultur zur Natur und auf die Unterdrückung von Tieren zurückzuführen. Letzere hat die Unterdrückung von Menschen, die man als tierähnlich brandmarkte, geduldet und begünst

igt.“

Größere vegan oder grundsätzlich vegetarische lebende Kulturen gab es meines Wissens nicht. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, glaube aber dass in Polynesien neben Gemüseanbau generell auch Fischfang betrieben wurde. Als Unkundiger habe ich mich aber mal bei einer Expertin kundig gemacht.

„Sehr geehrter Herr xxxx,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Mir ist aus Polynesien keine Gesellschaft bekannt, die nicht wenigstens Fisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte genutzt hätte – allerdings auch keine, die ohne Hierarchie ausgekommen wäre. Rein vegetarische Kost gibt es meines Wissens erst seit dem Auftauchen bestimmter protestantischer Sekten auf einigen melanesischen Inseln, wo – so sagt man zumindest – inzwischen sogar die Schildkröten überhand nehmen.

Allerdings – ich bin keine Ernährungsfachfrau….

Beste Grüße
Ingrid Heermann

Dr. Ingrid Heermann
Abteilung Ozeanien
Linden-Museum Stuttgart“

Mithin taugt das Beispiel nichts. Selbst wenn es so wäre: Ein Gemüseanbau-Gebiet mit friedlichen BewohnerInnen bietet empirisch noch längst keine Basis. Überhaupt hört sich diese These etwas platt an, so etwas nach dem alten „Frauen sind die besseren Menschen“-Ding.
Jedenfalls gelten diese Aussagen sicher nicht für den gesamten polynesischen Kulturraum. Zu dem gehören nämlich auch die Maoris (haben auf Neuseeland das Großwild ausgerottet; Stichwort: „muscet wars“) oder die Bewohner der Osterinsel, die das düster-prophetische Bild einer Dystopie für die ganze Welt ablieferten.
Eine Gemüseanbau-Hierarchiefreiheit-Korrelation erscheint mir als Schein-Korrelation nach der Art: 98% aller Heroinabhängigen haben vor dem Heroin Schokolade angefangen, also ist Schokolade eine klare Einstiegsdroge. Ich würde vermuten, dass die relative Hierarchiefreiheit eher mit der Isolation und dem kleinen Umfang der der Gemeinschaft zu tun haben, wenn denn das Beispiel überhaupt stimmen würde.

Die ganze Argumentation erinnert ebenfalls mich etwas an die „Hitler-war-Vegetarier“-„Argumentation“. Mal abgesehen davon dass Hitler lediglich zeitweise auf fleischliche Ernährung verzichtete, vermutlich weil er Angst vor peinlichen Flatulenzen hatte. Auch eine politische Motivation Hitlers im Sinne eines „arischen Reinheits-Vegetarismus“ diskreditiert schlecht anders motivierten Vegetarismus. Genausowenig kann aber die Verbindung Fleischessen-Hierarchie gezogen werden.

Hier geht es mir nicht so sehr darum, dass das Polynesien-Beispiel falsch zu sein scheint. Es geht mir mehr darum zu zeigen, wie die Antispes versuchen rationale Argumente heranzuführen, um sich vom emotional motivierten oldstyle-Tierschutz abzusetzen, dabei greifen sie aber zu sehr bemühten „Argumenten“.

D, TAN versus Holocaust-Banalisierung
Zu der Distanzierung der TAN von Holocaust-Banalisierungen ist zu bemerken sagen, dass sie scheinbar nur deklamatorischen Charakter zu besitzen schein. Die TAN-Aktivistin Witt-Stahl bringt selbst immer wieder mehr als fragwürdige Kommentare. Hier zwei Beispiele:

„Spätestens seit Ende der 1980er Jahre wurde der Holocaust zur westlichen Weltreligion entwickelt – zu einem Identifikationsmodell, mit dem vor allem Linke im Täterland mit dem das Ausschalten des großen Gegenentwurfs zum Kapitalismus entstandenen horror vacui kompensieren.“

(Susann Witt-Stahl, in: Susann Witt-Stahl (Hg.): Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen, Aschaffenburg 2007, Seite 283)
Der Vorwurf der Holocaust sei eine Art von „Zivilreligion“, was impliziert mensch könne dran glauben oder nicht, ist übrigens in letzter Zeit auch in der „Neuen Rechten“ aufgetaucht. Vermutlich hat die Autorin das aber nicht gemeint. Nichts deutet darauf hin, dass sie den Holocaust als historisches Ereignis leugnet. Trotzdem ist ihr Vokabular gefährlich.

„Sie moralisieren sich mit der Auschwitz- den Weg zur Gänse-Keule frei.“

(Susann Witt-Stahl, in: Susann Witt-Stahl (Hg.): Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen, Aschaffenburg 2007, Seite 297)
Wie Walser behauptet Witt-Stahl hier, dass Auschwitz als Instrument missbraucht würde. In ihrem Falle zum Pro-Fleisch-Essen, im Falle Walsers zur Unterdrückung des deutschen Nationalgefühls. Mag ja sein, dass Auschwitz auch tatsächlich instrumentalisiert wird. Zum Beispiel von Joschka Fischer zur Rechtfertigung des Jugoslawienkrieges (wobei ich vermute er hat zu dem Zeitpunkt ernsthaft geglaubt was er gesagt hat).

Worauf ich aber immer wieder stoße ist, dass Antispes den Unterschied zwischen Judenmord und Tiertötung lediglich in der Motivation der Täter festmachen, aber keine grundsätzliche Differenz zwischen Menschenmord und Tier“mord“ erkennen.
Damit würde ein Tier“mord“ aus nicht-rationalen Gründen dem, aus dem antisemitischen Wahn heraus motivierten, Massenmord an den europäischen Juden, in den Augen generell der Antispes sehr ähnlich sein.

E, Vorwurf der Gleichsetzung
Nirgendwo in dem Text findet sich das Wort „Gleichsetzung“, ich verwende immer nur „Angleichung“ und wo das meiner Ansicht nach stattfindet begründe ich auch. So schreibe ich von „Angleichung von Tier- und Menschenwelt“ „auf der symbolischen und vor allem auf der sprachlichen Ebene“ und davon dass „Formen der Unterdrückung menschlicher Gruppen“ „mit dem Speziesismus in eine Reihe gestellt“. Daraus schlussfolgere ich: „Zumindest legt das die Analogie-Setzung nahe.“
Die verbale Analogisierung zieht sich ja auch in dem Contra der Antispe. Vielleicht sollte mensch aber auch statt von Analogisierung von einer faktisch vergleichenden Gleichsetzung sprechen. Denn dadurch, dass ich Speziezismus immer wieder in einer Reihe mit Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit anführe findet meiner Meinung eine solche statt. Eine nachgeschobene Rücktrittsklausel a la „Wir meinen aber nicht …“ hilft da kaum.

F, Adorno-/Horkheimer-Bezug

Auf den ganzen Kritische-Theorie-Bezug der Antispes bin ich ja überhaupt nicht eingegangen. Dazu habe ich von der Materie zu wenig Ahnung. Wenn ich auch meine Zweifel an der Interpretation der Antispes habe. Ich werde mich aber mal gelegentlich bei Kennern kundig machen.
Was mich ankotzt ist, dass konkret folgender Satz von Adorno in Antispe-Kreisen immer entkontextualisiert wieder verwendet wird:

„Auschwitz fängt da an, wo einer steht und denkt, es sind ja nur Tiere.“

Als Historiker habe ich immerhin noch soviel Ahnung, dass der deutsche Jude Adorno nach dem Bekanntwerden der Shoa deren Funktion anspricht. Es geht nicht um Tiere, die diskriminiert werden, sondern um Menschen, die als Tiere diskriminiert werden.

Auch stellt sich mir die Frage: War Horkheimer Vegetarier und falls nicht, warum? Warum hat er aus den Analysen und Erkenntnissen, die ihr ihm zuschreibt, keine praktischen Konsequenzen gezogen?

G, Vorwurf: Fleischgemackere
Da ich vegetarisch lebe, trifft mich der Vorwurf des „Fleisch-Gemackere“ von „Matthias R.“ nicht. Aber nicht jeder Scherz, jede Polemik oder auch spitzfindig vorgetragene Kritik kann immer als „Rumgemackere“ zusammengefasst werden. Mir ist auch nicht ganz klar was Lästern speziell mit typisch männlichen Verhalten zu tun haben soll.

H, Das Antifa-Symbol von den Antispes geentert

Dass Symbol der Antifa-Aktion stammt also aus der Weimarer Republik und symbolisiert den Kampf gegen den Faschismus. Die Wiederaufnahme des Symbols im Kampf gegen Neofaschismus liegt da inhaltlich nicht so fern und wurde wohl von überlebenden WiderstandskämpferInnen in den 1980ern durchaus begrüßt. Selbst die Adaption des Symbols im Kampf gegen Homophobie liegt relativ nahe, da Homophobie häufig ein Bestandteil faschistischer und rechter menschenfeindlicher Ideologie ist.
Die Antispe kann aber nicht inhaltlich anknüpfen, sie mogelt sich einfach dazu. Aus ihrer Perspektive ist das verständlich, denn die Antispes verlangen für ihr Subjekt (also die Tiere) die gleiche Berechtigung wie für andere Subjekte und sie behaupten von sich eine emanzipatorische Bewegung zu sein. Aus einer Behauptung wird aber noch keine Akzeptanz. Die Antispes sind wohl die einzigen, die sich selbst als emanzipatorisch sehen. Während die Antifa-Aktion der 1980er und die Antihomophobe Aktion wohl auch bei Nicht-Mitgliedern auf Zustimmung und Akzeptanz stießen.
Ich würde sagen, dass in hier vielmehr eine Instrumentalisierung vorliegt als in den anderen Fällen.

Zu den Regenbogenflaggen der Homo-Bewegung: Ich glaube diese sind schlicht dem Wetterphänomen Regenbogen entlehnt und sollen die Vielfalt symbolisieren. Haben die wirklich die Fahnen aus dem Inkareich zum Vorbild? Die sind doch kariert gewesen, soweit ich es in Erinnerung habe.

I, Fleischessen verlangt eine (Entschuldungs-)Ideologie

Bis kurz vor ihrem Tod ist auch meine Ur-Großmutter einfach zum Stall hinter unserem Haus gegangen, hat sich da ein Karnickel rausgeholt, hat es getötet und hat es dann zum Essen vorbereitet. Fertig. Dafür brauchte sie doch keine spezielle Ideologie. Nur die Trennung der Sphären von Tierhaltung und Essen, sowie die massive Vermenschlichung von Tieren machen eine gewisse Vertuschung notwendig. Dass ist aber nicht der Speziesismus, also die Behauptung eines Mensch-Tier-Dualismus, sondern eine gewisse Kaschierung der Herkunft von Fleisch bzw. besonders der Art der Herstellung, die ja wirklich sehr unappetitlich ist.
Viele Menschen sind bis heute Fischer, Klein- und Mittelbauern (2007 sollen 50% der Erdbevölkerung zur ruralen Bevölkerung gehört haben, davon die Mehrheit in den Entwicklungsländern), hinzu kommen weitere, die nebenbei Tiere halten (wie meine Uroma) um sie zu essen oder zumindest manchmal Angeln gehen.
Es dürfte damit die Mehrheit der Menschheit sein, die gedankenlos auch mal selbst Tiere tötet und verspeist, ganz ohne Ideologie.
Fleisch-Fan
Manche mögen Fleisch …

Fleisch-Gegner
… manche nicht …

Fleisch-Esserin
… und manche essen es einfach.

Die Respektsbekundungen in indigenen Kulturen vor der Jagd gelten nicht dem Einzellebewesen, sondern der vergöttlichten Gesamtnatur. Ich würde eher sagen, dass durch die naturnahe Lebensweise indigene Kulturen sich der Fragilität der Naturkreisläufe bewusst geworden sind und sich daher für Eingriffe in diese aus Angst vor negativen Auswirkungen auf sie selbst entschuldigen, nicht aber weil das Jagdwild unbewusst als „nichtmenschliches Tier“ definiert wird. Eine Ausnahme bilden allerdings die so genannten Totemtiere, die nicht gejagt werden und von denen die jeweiligen Stämme ihre Herkunft ableiten.
Außerdem ist Respekt vor der Natur noch nicht eine Rechtfertigung der Tiertötung.

J, „Recht des Stärkeren“ und das falsche Verständnis vom Darwinismus
Mag ja sein, dass Darwin nicht von „survival oft he fittest“ spricht. Die Tierwelt erscheint mir auch trotzdem weiterhin, aus menschlicher Perspektive, „unbarmherzig“. Dies geschieht übrigens nicht nur evolutionär, sondern tagtäglich. Innerhalb einiger Arten gibt es einen, aus menschlicher Perspektive, „netteren Umgang“ miteinander, sofern dass nach einer Kosten-Nutzen-Maxime auch Sinn macht. Aber zwischen den Arten überhaupt nicht. Jeder frisst jeden. In elf Jahren Monitoring der Tier-, besonders der Vogelwelt, habe ich nie etwas anderes feststellen können.

K, Mehr als nur Bambi-Tierschützer
ZITAT: „Der Vorwurf, sich nur um „kuschelige Pelztiere“ oder „Tiere mit großen Augen“ zu kümmern, trifft wiederum eher auf TierschützerInnenInnen zu, als die wir uns explizit nicht verstehen.“

Ich sehe in Realität weiterhin vor allem den Bezug auf Tiere mit großen Augen. Die in Antispe-Kreisen hochgeschätzten Befreiungsaktionen haben doch nur selten Schlangenfarmen, Schmetterlingsparks, Laboratorien mit Amphibien, Fischfarmen (durch Dammdurchbrüche zum oft nahestehenden Fließgewässer nicht unmöglich) etc. zum Ziel. Nein, gerettet werden Affen aus Laboren und kuschelige Tiere aus Pelzfarmen. Zerstört werden auch Jagdsitze und weniger Anglerstege.
Auch die in der Antispe-Symbolik zu findenden Tierarten sind selten Insekten oder Fische.
Wenn mensch dass reale „Unterdrückungs“verhältnis von Tieren durch den Menschen ins Verhältnis zu den von „Antispes“ betreuten Tieren setzen würde, dann würde sich m. M. nach ein starkes Ungleichgewicht zugunsten der niedlichen Tiere herausstellen.

Die Antispe-Ideologie scheint außer bei Begründungen so gar nicht die Aktionen der Antispe-Gruppen zu beeinflussen. Mensch setzt sich für Affen ein (nicht etwa für Fruchtfliegen), gegen ungerechte Großtierhaltung von Zirkussen (nicht etwa gegen Tiergeschäfte oder Reptilienfarmen) oder gegen Tierversuche an Säugetieren. So ist es auch in Tübingen. Das Seltsame ist also, dass die Antispe Tübingen auch als linke Tierschützer-Gruppe genau dieselben Aktivitäten durchführen könnte. Auch vegan leben kann mensch mensch ohne Antispe-Ideologie.

L, Vorwurf: Ich würde Tierleid entschuldigen („Sätze wie … schmerzen“)
Selbstzitat aus dem ersten Text:

„Liebe Veganer, liebe Antispes. Eure Ernährungsweise und viele eurer Aktionen gegen Tierquälerei etc. sind sinnvoll und unterstützenswert, weil sie Menschen helfen (was ich am wichtigsten finde), aber auch unnötige Tierquälereien thematisieren und abschaffen helfen. Sich aus Mitleid für gequälte Lebewesen einzusetzen ist ein altruistisches und lobenswertes Motiv.“

Dass Tiere in Massentierhaltung gequält werden und elend leben wird nirgendwo bezweifelt. Die generelle Bezeichnung von Tierhaltung als Gefangenschaft und deren Ablehnung wird kritisiert.

M, eigenen Standpunkt nicht reflektiert
ZITAT: „Der Vorwurf: ‚Dir geht es so gut, dass du dir Gedanken um andere machen kannst‘, ist keiner! Und wenn wir damit auf ein Privileg verzichten, „was hunderte Jahre dem Adelsstand vorbehalten war“, so tun wir das gerne: Auf das Privileg, andere zu unterdrücken und von ihrer Ausbeutung zu profitieren, können wir leicht verzichten.“

Der Vorwurf ist ein anderer: Westliche Wohlstandskinder (ich bin auch eins), die ihren Standpunkt nicht reflektieren, tragen eine Ideologie mit, die in ihrer absoluten Aussage alle betrifft.
Sollte dem nicht so sein, d.h. wenn – realpolitisch motivierte – Abstriche bei der generellen – so dachte ich jedenfalls – Prämisse „Fleischessen ist Mord!“, ergo bekämpfenswert, gemacht werden, durch eine geografische Beschränkung, worin besteht dann der Unterschied zum Tierschutz? Heißt es dann „Fleischessen ist Mord! (außer bei indigenen Kulturen)“ oder „Fleischessen ist Mord! (außer bei Kleinbauern)“ oder gar „Fleischessen ist Mord! (Achtung: Diese Aussage beschränkt sich auf die Massentierhaltung)“. Wo liegt da genau die Grenze des Tolerierten und Akzeptierten und ab wann stellen sich Antispes dagegen? Mir noch nicht ganz klar worin dann der Unterschied zwischen der Antispe- und der Tierschutz-Bewegung besteht. Ich ging davon aus, dass dieser neben der Analyse, vor allem in der Drastik, Vehemenz und Allgemeingültigkeit der Aussage liegt.
Für Antispes ist Fleischessen generell „Mord“ und Tierhaltung generell „Gefangenschaft“, für Tierschützer ist Fleischessen und Tierhaltung eher abzulehnen, da Tiere häufig darunter unnötig leiden.

N, Pelze-Tragen und Jagd
Haltet ihr wirklich jede Jagd lediglich von den persönlichen Motiven geleitet? Wildschweinrotten auf Maisfeldern können echt große Schäden anrichten oder der sprichwörtliche Fuchs im Hühnerstall.
Ob ein Eingriff durch Jagd in einem Naturgebiet immer sinnvoll ist, kann ich nicht sagen.
Auf lange Sicht wäre mir die Wieder-Einbürgerung von Predatoren (Wölfe, Bären) am liebsten.
Dass aber der Übergriff von Tieren auf menschliches Territorium (Felder, Ställe) mit Jagd manchmal beendet werden muss, erscheint mir recht nachvollziehbar.

Mit Pelzetragen zum Wärmen meinte ich z.B. irgendwelche russischen Siedler in Sibirien (keine Indigenen!) oder die Bewohner Alaskas, die Fallen stellen, Tiere fangen, häuten und sich eine funktionale Mütze daraus machen. Pelztierzucht halte ich auch für grausam und lehne sie ab.

III, Resümee
Ich will weniger darüber diskutieren ob Kleinkinder möglicherweise auf demselben Niveau wie Delfine liegen oder ob Horkheimer in einem Text mal die Ausbeutung von Tieren anprangert bzw. ob er das auch so meinte wie die Antispes. Viel interessanter ist doch, ob wenn mensch die Behauptungen und Interpretationen akzeptiert, diese die Antispe-Ideologie wirklich stützen. Wird durch die, unbestrittene nahe, verwandtschaftliche Nähe von Menschen und Affen oder meinetwegen durch eine gewisse Intelligenz von anderen Tieren der Mensch-Tier-Dualismus aufgehoben und die Antispe-Ideologie unterstützt? Meines Erachtens nicht. Genausogut bzw. viel eher kann mensch damit den Tierschutz begründen. Nirgendwo erschließt sich mir da eine Logik die zur Antispe-Ideologie hinleitet.
So scheint der Antispe mir reichlich nackt bzw. die Argumente für ihn reichlich verbogen und konstruiert. Die Antispes können noch so viele kluge Texte lesen und zitieren, wenn die Gesamtlogik nicht aufgeht.
Dass Problem ist, dass die Antispes aber die Logik der Aufhebung eines Mensch-Tier-Dualismus benötigen, denn die Antispes bemühen sich ja vor allem rationale Argumente und überzeugende Bilder zu finden, um den Fleischverzehr anzugreifen. Das ist nicht nur die Menschennähe bzw. die „Aufhebung des Mensch-Tier-Dualismus“, andere scheinbar rationale Argumente sind:
* Bestimmte Ernährungsweisen, z.B. der Verzehr von Milchprodukten, seien nicht natürlich. Da Menschen aber nicht „Tiere“ sind, ist die „das ist nicht natürlich“-Argumentation seltsam. Autofahren ist auch nicht natürlich oder Gedichte schreiben oder Kunst. Menschen tun es trotzdem. Selbst wenn der Verzehr von Milchprodukten schädlich wäre, wäre das noch kein grundsätzliches Gegenargument. Schokolade ist auch schädlich, trotzdem essen wir sie.
* Behauptung eines Zusammenhangs von Tierhaltung und Hierarchien („Frieden durch Gemüseverzehr“). Siehe dazu weiter oben.

IV, Was übrig bleibt
Auf ein paar Kritikpunkte und Hinweise meinerseits wurde nicht eingegangen. Damit soll nicht behauptet werden, dass sie bewußt übersehen wurden. Eine elf Seiten lange Replik ist mehr als genug. Mir graut sowieso schon vor dem jetzt einsetzenden Diskussions-Pingpong.
Weil mir die nicht erwähnten Punkte aber wichtig sind, will ich sie noch einmal kurz zusammenfassen:
* Ist die Individualisierung der Tiere a la jedes Lebewesen zählt, überhaupt sinnvoll für die Tiere? Bei Menschen geht es mir um jedes einzelne Individuum, bei Tieren nicht und das wäre auch meiner Ansicht nach auch nicht sonderlich praktisch. Statt sich auf tierische Individuen zu beziehen ist es viel praktischer, sich auf Arten oder gleich ganz auf Lebensräume zu beziehen und diese zu schützen.
* Vermenschlichung der Tiere. Ihr projiziert eure (menschlichen) Begriffe von Freiheit und Glück auf die Tiere. Dass führt dann zu der generellen Ablehnung von Tierhaltung. Ich hingegen finde eine artgerechte Tierhaltung akzeptabel.
* Ihr wollt die „Befreiung der Tiere“. Mir stellt sich aber die Frage wollen die Tiere überhaupt auch immer ihre Befreiung?
Der starke Wert von Freiheit ist, wie ich bereits anmerkte, nur für die Menschen gesichert. Vielleicht würden artgerecht gehaltene Zootiere ihre Nahrungssicherheit und Gefahrlosigkeit (keine Feinde) gar nicht für das Leben in Freiheit aufgeben wollen? Ich glaube aber, dass sich das schlecht herausfinden lässt. Da Tiere, wenig vorausplanend sind und auch nicht ihre eigene Situation und mögliche Optionen reflektieren können. Vom Erkennen im Spiegel und der bewussten (nicht instinktgeleiteten) Zukunftsplanung liegt ein langer Weg und ich wüßte keine Tierart die ihn bisher beschritten hat. „Cogito ergo sum“ ist nämlich ein bisserl mehr als zu Checken was ein Spiegelbild ist.

Antispeziesismus: Wenn Essgewohnheiten politisiert werden

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“
Bert Brecht

„Delfine im Thunfischsalat, wie gemein / Doch es könnte mir nichts ega
ler sein“
Song „Ignorama“ von „Die Ärzte“

Was ist Antispeziesismus überhaupt?

Es gibt seit einiger Zeit eine neue politische Bewegung, die sich auch in der unabhängigen Linken verbreitet hat: Den Antispeziesismus (Antispe). Die AntispeziesistInnen (Antispes) lehnen, wie ihre Selbstbezeichnung aussagt, den „Speziesismus“ ab. Der Begriff Speziesismus bezeichnet in den Augen der Antispes eine „Diskriminierung“ aufgrund der Art-Zugehörigkeit, wie sie sich insbesondere im menschlichen Umgang mit Tieren äußern soll.

Als Konsequenz der Ablehnung des Speziesismus herrscht bei Antispes eine vegane Ernährung vor. Ebenso wird das Halten von Haus- und Reittieren generell abgelehnt. „Denn wenn es unethisch sei, Menschen zu töten oder aus wirtschaftlichen Gründen bzw. zur eigenen Unterhaltung einzusperren, und es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren gebe, so sei auch die Tiernutzung und -haltung unethisch.“, so die Argumentation auf www.vegan.lu1.

Wohl alle Antispes sind aus den oben angeführtem Grund (mehr oder weniger konsequente) VeganerInnen, zumindest in dem Sinne, dass sie keine tierische Nahrung erwerben – ein Teil isst aber durchaus tierisches Containerfood. Da aber nicht alle VeganerInnen Antispes sind, sind mit VeganerInnen im Folgenden nur die vegan lebenden Menschen gemeint, die sich aus politischen (Antispe-)Motiven vegan ernähren. Generell kann sich jeder Mensch ja, sofern er das Geld dazu hat, ernähren wie er/sie will. Die Wahl des Essens ist und bleibt Geschmackssache und damit auch Privatsache. Gibt es aber für eine spezielle Ernährungsweise politische Motive, so können diese, wie andere politische Motive auch hinterfragt und bei Bedarf, d.h. wenn sie problematisch erscheinen, kritisiert werden.

Antispeziesismus – Extremismustheorie des Absurden?

Die Angleichung von Tier- und Menschenwelt findet bei den Antispes auf der symbolischen und vor allem auf der sprachlichen Ebene statt. Auf organisatorischer Ebene ist sie schlechterdings möglich.
Vokabeln, die spezifisch menschliche Verbrechen oder Unterdrückungsformen bezeichnen werden auf das Mensch-Tier-Verhältnis übertragen bzw. analog gesetzt.
So wird aus Fleischessen „Mord“, Speziesismus als „Herrenmenschenideologie“ und die Arbeit von Nutztieren als „Zwangsarbeit“ bezeichnet. Hier einmal ein Beispiel für die sprachliche Mensch-Tier-Angleichung der Gruppe „Animal Peace“:
„Zu Tausenden in kleinen und großen Zirkussen zur Zwangsarbeit gepreßt, zu Hunderttausenden in Zuchthäusern, Zoos genannt, der Freiheit beraubt, um uns zu unterhalten, zu Millionen und Milliarden zu lebenslanger Bewegungslosigkeit in den Mastställen verdammt, Hühner in der Batterie, Kühe in Boxen an Ketten, Schweine mit Gurten festgezurrt. Wir gebrauchen sie zu Millionen als Vorkoster in der gigantischen Giftküche der chemischen Industrie, hexen ihnen alle Krankheiten der Welt an, nageln ihre Skalps an Wände, dulden das schießgeile Gemetzel männerbündlerischer Exekutionskommandos als angeblichen Beitrag zum Naturschutz.“2

Formen der Unterdrückung menschlicher Gruppen wie Rassismus, Homophobie oder Sexismus werden von den Antispes mit dem Speziesismus in eine Reihe gestellt. Der Verzehr von Fleisch ist damit also in der Antispe-Logik so etwas Ähnliches wie das Verprügeln von Frauen. Zumindest legt das die Analogie-Setzung nahe. Die Gegenbewegung gegen die „Tierausbeutung“ bedient sich dann auch frech bei den emanzipatorischen Gegenbewegungen gegen die Unterdrückung menschlicher Gruppen. Das Symbol der Antifa wird auf grün umgefärbt und aus der „Antifaschistischen Aktion“ wird die „Antispeziesistische Aktion“. Eine Differenzierung zwischen, der durchaus kritikwürdigen und verabscheuenswerten, Tierquälerei und der Quälerei von Menschen findet nicht statt.
Logo-Piraterie
Dasselbe in grün?

Der, inzwischen auch in linken Antispe-Kreisen abgelehnte, Helmut F. Kaplan formulierte es einmal so:
„Bei Rassismus und Sexismus werden […] in der Regel die ähnlichen Interessen von Schwarzen bzw. von Frauen vernachlässigt. Beim Speziesismus […] haben wir es hingegen meist mit Praktiken zu tun, bei denen die größeren Interessen von Tieren vernachlässigt werden.“3
Mag auch der Urheber dieser Worte inzwischen in der Antispe-Szene zum Teil umstritten sein, die Analogie-Setzung findet sich bei Antispes aller Schattierungen. So auch in dem aus linken Antispe-Kreisen stammende Buch „Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen“, wo von Speziesismus als „spezifische Diskriminierung von Individuen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit (anlog zu Rassismus, Sexismus etc. […]).“ die Rede ist.

Am Beispiel der Antispe Tübingen
Die Antispe-Gruppe in Tübingen ist eine sehr linke Antispe-Formation, doch auch hier findet sich im Selbstverständnis die klassischen Argumentationen der gesamten Antispes-Strömung. Wenn behauptet wird der so genannte „Spezisismus“ könne „analog zum Rassismus oder Sexismus als Stereotypenkomplex, das heißt als ein Zusammenhang von Vorurteilen und Klischees, angesehen werden“ (http://asatue.blogsport.de/), ist das schon recht seltsam. Sexismus und Rassismus basieren vor allem auf der Fehlannahme, dass Frauen oder Nicht-Weiße (wie immer diese Kategorien auch konstruiert sind, es sind ja keine objektiven Einteilungen) dümmer und unbegabter sind als Männer bzw. Weiße. Bis auf eine im Durchschnitt etwas schlechtere Sport-Leistung von Frauen gegenüber Männern (einmal abgesehen davon dass der Geschlechter-Dualismus sowieso stark konstruiert ist) gibt es keinerlei Unterschiede zwischen diesen konstruierten Einheiten. Im Gegensatz dazu gibt es empirisch beweisbare und bedeutende Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Selbst zum nächsten Verwandten des Menschen, den Menschenaffen, gibt es deutliche Unterschiede. Ob diese Unterschiede bestimmte Arten des Umgangs oder der Behandlung von Tieren legitimieren, steht auf einem anderen Blatt, sie sind aber erst einmal real vorhanden.

„Um das Problem bei der Wurzel zu packen, suchen wir nach Ursachen der Ausbeutung von Tieren und der Natur durch den Menschen. Lange Zeit galt es in unserer Kultur als selbstverständlich, ja, war es geradezu die Bedeutung menschlicher „Kultur“, die Natur und die anderen Tierarten nur als Rohstoff zu nutzen und auszubeuten. Es wird nun aber zunehmend deutlich, dass diese Einstellung in eine ökologische Katastrophe führt.“
(http://asatue.blogsport.de/)
In definitiv JEDER menschlichen Kultur gibt es eine „Ausbeutung“ von Tieren. Es ist keine Kultur bekannt, die bisher gänzlich auf Tierprodukte verzichtet hat. Wo es Unterschiede gab und gibt, dass ist in der Art der Behandlung von Tieren. Viele – aber bei weitem nicht alle – indigenen Kulturen behandeln beispielsweise Tiere mit Respekt (z.B. durch Entschuldigungs-Rituale vor der Jagd), was sie aber letztlich nicht daran hindert Tiere zu essen. Denn: Respekt vor Tieren heißt nicht, sie nicht zu essen. Gerade ein Teil dieser indigenen Kulturen führt vor, dass die Nutzung von Tieren und Natur nichts mit der ökologischen Katastrophe zu tun haben muss, sondern durchaus auch nachhaltig geschehen kann. Es ist nicht die generelle Nutzung von Tieren als Nahrung und Nutztiere, sondern die Art der Nutzung, die ein Problem darstellt.

„Speziesismus beinhaltet, dass „der Mensch“ über „dem Tier“ steht und ein Recht hat, es einzusperren, auszubeuten und zu töten. […] Ähnlich wie der Rassismus die Herrschaft der Weißen über die Nicht-Weißen rechtfertigt und damit Sklaverei, Kolonialismus und „Rassentrennung“ hervorruft, liefert der Speziesismus die Rechtfertigung dafür, dass nichtmenschliche Tiere ihr Leben lang eingesperrt, missbraucht, gequält und getötet werden.“
(http://asatue.blogsport.de/)
Der Mensch nimmt sich eigentlich nicht mehr heraus, als jedes andere Raubtier oder jeder Allesfresser (was der Mensch ja eher ist). Er isst Fleisch, dafür braucht er gar keine Legitimation durch eine Ideologie. In der Regel macht er es einfach. Wofür Menschen evtl. besondere Legitimations-Ideologien brauchen, dass ist die industrielle Fleisch-Herstellung und die damit verbundene Arbeits-Teilung.
Der Mensch ist höchstens die einzige Spezies, die unter den entsprechenden Umständen freiwillig auf tierische Nahrung verzichten kann. Hier sollte die vegane/vegetarische Bewegung eher ansetzen, als im Beharren auf der Rolle des Menschen als einzigartiger böser Fleischesser.

(Fußnote): „Er [der Mensch] unterscheidet sich von anderen Tieren nur durch außergewöhnlich hoch entwickelte Techniken, teilt mit ihnen jedoch die Fähigkeit, bewusst zu fühlen und zu leiden.“
(http://asatue.blogsport.de/)
Die Frage zum Tier-Mensch-Unterschied wird in der Philosophie seit Jahrhunderten diskutiert und deren Beantwortung lässt sich nicht einfach auf einen „Technik-Unterschied“ einstampfen. Was ist mit der Selbsterkenntnis und -reflexion („Cogito ergo sum“; auch wenn sich manche Affenarten nach einer Weile im Spiegel selbst erkennen können), Vernunft-Begabtheit, mit dem menschlichen Tun das weder Fortpflanzung noch der Ernährung dient (Musik, Kunst, Geisteswissenschaften, Literatur etc.) oder der Empathie und dem Einsatz für andere Spezien (Antispe-Bewegung, Tierschutz)? Die Antispe-AktivistInnen merken nicht, dass ihr eigenes Tun an sich einen wichtigen Unterschied zwischen Mensch und Tier markiert. Nichts dergleichen findet sich in der Tierwelt auch nur ansatzweise. Hier gilt die Maxime von fressen, ficken, gefressen werden. Sicher gibt es vereinzelt tierisches Verhalten, was scheinbar außerhalb dieser Maxime verläuft. Aber wenn einmal beispielsweise der Vertreter einer Tierart eine andere Tierart aufzieht (z.B. Hunde manchmal Katzbabys), dann hat das etwas mit instinktiven Verhalten zu tun. Es ist lediglich die menschliche Sicht, die dieses Verhalten „vermenschlicht“.

Das „Tier Mensch“?
Die Realität in der Tierwelt spielt sich weit entfernt von den Menschen in Tiergestalt in den Disneyzeichentrickfilmen ab.
Tiere sind grundsätzlich erbarmungslose Wesen: Sie fressen ihre Nachkommen, ebenso ihre Geschlechtspartner oder sie vergewaltigen den jeweiligen Gegenpart. Tiere sind sich dabei (ähnlich wie Psychopathen) schlechterdings einer Schuld bewusst. „Schuld“ ist als menschliche Begrifflichkeit ungeeignet für die Tierwelt. Die Tiere tun nur was sinnvoll ist, um ihr Überleben zu sichern. Sie gehorchen ihren Instinkten oder schlicht dem Bedürfnis sich den Magen zu füllen.
Von einem Tier Mitleid, Ethik, Moral etc. über sich selbst oder das Rudel hinaus zu erwarten ist sinnlos. Delfine retten Schiffbrüchige nicht aus Mitleid, sondern aus einem Instinkt heraus, weil sie auch ihre Neugeborenen an die Oberfläche stupsen, die als Säugetiere Sauerstoff benötigen.
So anrührend die Geschichten über Hunde, die am Grab ihres Herrchens trauern auch sind, sie bleiben Ausnahmen. In der Natur gilt tatsächlich das Recht des Stärkeren. Unter Menschen zum Glück nicht. Die Regel vom Überleben des Stärkeren ist in der Menschenwelt weitgehend außer Kraft gesetzt. Alle Übertragungsversuche des Darwinismus auf die Menschheit endeten blutig und der dafür propagierte Sozialdarwinismus sollte diese Blutbäder auch ideologisch legitimieren.
Tiere sind also im Allgemeinen grausam und unbarmherzig und – nach menschlichen Maßstäben – nur selten mitleidig. Menschen hingegen sind im Allgemeinen mitleidig und nur manchmal grausam. Natürlich werden Menschenfeinde und Pessimisten das bezweifeln und den Menschen zum Grausamsten aller Tiere erklären. Doch zumindest heute ist beispielsweise der Umgang mit behinderten Artgenossen beim Menschen nicht mehr geprägt von praktiziertem Sozialdarwinismus.

Die Realität des Tierreiches, nämlich Mitleidslosigkeit und real existierender Darwinismus, sollte unbedingt Beachtung finden, wenn mensch die Angleichung von Menschen und Tieren im Antispeziesismus betrachtet. Hier wird die Behauptung aufgestellt, der Mensch sei auch nur ein Tier bzw. Tiere werden als „nichtmenschliche Tiere“ bezeichnet. Anhänger des „Human Project“, nämlich dem Versuch für Menschenaffen Menschenrechte zu erstreiten, sprechen auch vom „Bruder Affe“. Es ist aber mehr als problematisch Menschenaffen Menschrechte zu übertragen, die sie im Übrigen gar nicht für sich selbst einfordern. Menschenrechte sind gebunden an menschliche Ethik. Die aber kann mensch kaum von Menschenaffen erwarten. Gorillas essen beispielsweise gerne mal zur Eiweißaufwertung andere – kleinere – Affen. Ist das dann Kannibalismus? Sie töten ja quasi ihre kleinen Brüder. Das Seltsame bei der fehlenden Abgrenzung des Menschen vom „restlichen Tierreich“ ist, dass dem Mensch trotzdem eine Sonderposition zuerkannt wird. Von ihm wird nämlich als einzigem „Tier“ gefordert sich moralisch richtig zu verhalten und keine Fleisch-Produkte zu verzehren. Im Gegensatz dazu gibt es von Antispes ja keinerlei Kritik wenn ein Löwe ein Gnu schlägt. Wenn Menschen jagen ist es generell „Mord“, wenn Wölfe jagen dann ist wird es nicht so bezeichnet.

Es gibt Tiere und Tiere
Im theoretischen Ideal wird von vielen Antispes versucht keinerlei Unterschiede zwischen „menschlichen“ und „nichtmenschlichen Tieren“ zu machen. Doch in der Realität lässt sich das kaum durchhalten. Tatsächlich gibt es in der praktischen Antispe-Arbeit anscheinend auch für Antispes Grenzen zwischen Tier und Tier. Hier ist eine gewisse Doppelmoral erkennbar. Der Mensch wird in die große Tier-Familie eingemeindet, aber um viele andere Tiere, besonders Nicht-Säugetiere, wird sich gar nicht gekümmert. Ivo Bozic schreibt dazu in einem polemisch gehaltenen Diskussions-Beitrag in der Wochenzeitung „Jungle World“:
„Gar keine Grenze zu ziehen, zu behaupten, Tiere allgemein, also jedes Tier, hätten dasselbe Recht auf Leben wie Menschen, würde aber bedeuten, sämtliche Menschen zu Mördern zu ­erklären. Auch der konsequenteste Veganer tötet jeden Tag Hunderte, wenn nicht Tausende Tiere. Allein auf seinem Weg zum Bio-Markt zerquetscht er sie achtlos unter seiner Sohle. […] Die Veganer kümmern sich in der Regel gar nicht um Ameisen, Würmer und anderes Geschmeiß, sondern um Tiere mit großen Augen, die einen traurig oder süß angucken können. Um Affen, Hunde, Katzen, Rinder, Lämmer, Küken und kuschelige Pelztiere. Die anderen 99 Prozent der Tierwelt kommen in ihrer Gedankenwelt kaum vor.“4
Nicht Bienenvölker werden von Tierrechtlern aus Imkereien befreit, sondern Versuchs-Säugetiere. Deswegen sind Affen so beliebte Schützlinge von Tierrechtlern und TierbefreierInnen. Selbst wenn mensch zustimmt, dass der Unterschied von Menschen zu Menschenaffen tatsächlich relativ gering ist und ihnen eine ähnliche Behandlung wie seinen Mitmenschen zugesteht, dann gilt dass damit nur für einen winzigen Teil der Tierwelt. Heißt dass dann im Umkehrschluss, dass mensch die dooferen und menschen-unähnlichen Tiere dann essen (Fische, Hühner, Schweine) darf?
Häufig wird auf die Leidensfähigkeit von Lebewesen als Kriterium verwiesen. Damit entledigt mensch sich der Insekten. Trotzdem ist nicht erkennbar, dass sich für Fische genauso vehement eingesetzt wird wie für Land-Säugetiere oder für Wildvögel wie für Haustiere. Es werden real Unterschiede gemacht, die theoretisch häufig abgelehnt werden.

Und was sagen die Tiere dazu?
Insgesamt ist der Antispe eine arge Form der Stellvertreterpolitik. Tiere kommunizieren und verhandeln nicht mit Menschen. Es ist kein gleichberechtigter Umgang zwischen Tieren und Menschen möglich. Mensch kann nur mutmaßen, was für die Tiere das Beste ist. Deswegen ist die bedingungslose Ablehnung von Tierhaltung unter der Berufung auf das Recht auf Freiheit recht fragwürdig. Es wird dabei sehr menschlich argumentiert. Vielleicht sind viele Tiere ja lieber glückliche Gefangene, als hungrige Freigänger? Vielleicht sind viele Hunde als Ersatzkinder alter Damen glücklicher als in freier Wildbahn? Sicherer Versorgung und Unterkunft stehen einem unsicheren und gefährlichen Leben in der Wildnis gegenüber. Die Betonung von Freiheit als höchstes Gut per se ist die Projektion von Menschen. Dass darf aber natürlich nicht dafür herhalten nicht artgerechte Haltungs-Formen oder Tierquälerei zu legitimieren. Aber nicht alle Terrarien, Bauernhöfe und Wildgehege sind einfach nur „Tier-Gefangenenlager“.

Antispezisismus ist ein westliches Luxusprojekt
Die Antispe-Bewegung betreibt – wie fast alle anderen politischen Bewegungen auch – nur wenig Selbstreflektion. Es sind mehrheitlich weiße Jugendliche aus der Mittelschicht in westlichen Industriestaaten. Als solche befinden sie sich in der Luxussituation überhaupt darüber zu entscheiden, ob sie Fleisch bzw. tierische Produkte ablehnen. Sie verzichten damit auf ein Privileg, was hunderte Jahre dem Adelsstand vorbehalten war. Die Geschichte von Robin Hood ist beispielsweise auch die Geschichte eines Wilderers, der als Anführer einer Bauernbande, das herrschende Jagdverbot bricht.

Generell ist vegetarische Ernährungsweise aus Mitleids-Motiven eine moderne Erscheinung. Früher hatte vegetarische Ernährung entweder religiöse Gründe, hier waren es vor allem die Vermittler des Glaubens (Mönche, Priester etc.), oder Gründe der Notwendigkeit, die zu dieser Art der Ernährung führten. Besonders anschaulich ist der religiöse Vegetarismus bei der indischen Religion der Jainas. Dass einige Aborigines-Stämme in Australien sich vegetarisch ernähr(t)en hatte etwas mit dem nicht vorhandenen Fleisch zu tun und nicht mit einer ethischen Ablehnung von fleischlicher Nahrung. Spätere vegetarische Bewegungen ab Ende des 19. Jahrhunderts vertraten diese Ernährungsform vor allem aus Motiven der Reinheit. Ein Teil dieser frühen westlichen vegetarischen Bewegung war sogar stark völkisch orientiert und sah im Vegetarismus die ursprüngliche „arische“ Ernährungsweise. Ähnlich wie der religiös motivierte Vegetarismus war der völkische Vegetarismus eine von „Reinheits“-Vorstellungen geprägte Weltanschauung. Diese „Reinheits“-Forderungen der völkischen Vegetarier äußerten sich auch darin, dass z.B. der Wiener „Verein Deutscher Vegetarier“ nur „Arier“ aufnahm.
Der Hinweis auf diese Fraktion völkischer Vegetarier ist wichtig bei dem Verständnis der Geschichte des modernen Vegetarismus, kann aber den heutigen Vegetarismus/Veganismus nicht diskreditieren, sofern dessen Motive anderer Art sind. Wichtig ist es aber zu reflektieren, wie der heutige Vegetarismus/Veganismus entstanden ist und das er auch braune Wurzeln hat.

Mit der Industrialisierung in den westlichen Staaten ging eine Arbeitsteilung einher. Verstärkt durch die Urbanisierung werden die BewohnerInnen der Metropolen heutzutage kaum noch mit Schlachtungen konfrontiert. Das Fleisch kommt nur noch aus der Dose und nicht mehr vom Hackklotz hinter dem Haus. Gleichzeitig wurden Tiere in den modernen Medien massiv vermenschlicht. Sie wurden mit starken menschlichen Eigenschaften z.B. in Trickfilmen dargestellt. Tiere traten in der unmittelbaren Umwelt nicht mehr als potenzielle Nahrung auf, sondern nur noch als (reale) Haustiere oder (fiktive) Tiere im Fernsehen oder sonstwo (z.B. Kuscheltiere). Wurden nun, vor allem junge, Metropolen-BewohnerInnen mit dem, eigentlich „versteckt“ stattfindenden Vorgang der Schlachtung konfrontiert, so kam es nicht selten zu einem Erschrecken oder gar Schock, der dazu führte die Ernährung umzustellen und manchmal auch dazu sich den Antispes anzuschließen. Das Unbekannte, täglich stattfindende (Massen-)Schlachten drang urplötzlich und schockartig in das Bewusstsein ein. Genau so arbeitet die Organisation PeTA, die schockierende Videos oder auch Comics von industriell-rationalisierten Schlachtungen am Fließband bewußt nutzt, um einen als Schock-Effekt auszulösen. Diese Videos werden gerne auch von linken Antispes verwendet, die PeTA als „not real“ ablehnen.
PeTA-Comic

Letztlich ist Fleischessen Luxus, ebenso wie die Möglichkeit darauf zu verzichten. Jugendliche aus der Mittelschicht der Metropolen können sich dafür entscheiden gänzlich auf tierische Nahrung zu verzichten, weil sie überhaupt diese Wahlmöglichkeit haben. Aber die allgemein-politische Forderung nach Fleisch-Verzicht aus dieser Bewegung heraus ignoriert die Besonderheiten der eigenen Position. Nirgendwo hörte oder las ich bis jetzt davon, dass Antispes und politische VeganerInnen ihre Forderung nach Fleisch-Verzicht und ihre „Fleischessen ist Mord“-Anklage geografisch begrenzen. Der Fischer in Indonesien kann aber nun mal nicht eben auf seinen Broterwerb verzichten, selbst wenn er es wöllte.

Konsequent dem Dogma gefolgt und im Wahn(sinn) angekommen
Viele der linken Antispes empören sich über die Holocaust-Vergleiche von PeTA oder anderen Gruppen und Einzelpersonen.
Dabei liegen diese Vergleiche durchaus in der (internen) Logik der Antispe-Ideologie, es handelt sich keinesfalls nur um eine Provokation. Obwohl sich jeder Mensch mit einem gewissen Geschichtswissen der Provokation durchaus bewusst ist.
Wenn Fleischessen tatsächlich nichts weiter ist als „Mord“, dann ist das kollektiv-industrielle Fleischessen nichts anderes als kollektiv-industrieller (Massen-)Mord. Dann sind in letzter Konsequenz 6 Millionen ermordete (Brat-)Hähnchen nichts anderes als 6 Millionen ermordete Juden und Legefabriken sind nicht anderes als „Hühner-KZs“. Der Wahn der zu den Holocaust-Analogien und -Banalisierungen führt ist damit nur eine direkte, allerdings nicht zwingende, Konsequenz der Antispe-Ideologie. Gerade in Deutschland und bei den meist links stehenden deutschen Antispes ist mensch sich der Gewagtheit solcher Analogien aber bewusst und dass diese sich irgendwie „nicht gehören“. Andere Vokabeln die menschliche (Massen-)Verbrechen bezeichnen, werden aber munter verwendet. Bloß bei der Shoah macht mensch eben eine Ausnahme.

Appell zum Schluss
Liebe Veganer, liebe Antispes. Eure Ernährungsweise und viele eurer Aktionen gegen Tierquälerei etc. sind sinnvoll und unterstützenswert, weil sie Menschen helfen (was ich am wichtigsten finde), aber auch unnötige Tierquälereien thematisieren und abschaffen helfen. Sich aus Mitleid für gequälte Lebewesen einzusetzen ist ein altruistisches und lobenswertes Motiv.
Aber dafür braucht es nicht eine Ideologie, die Tiere und Menschen einander angleicht. Wenn schon das (scheinbar) Unpolitische, nämlich die eigene Ernährung, politisiert wird, dann bitte differenziert wenigstens und gesteht den Einzelpersonen eine eigene Ernährungssouveränität zu. Das „sanfte“ Werben für eine Ernährungs-Umstellung in den Metropolen ist sinnvoll, der allgemeine Anspruch der sich in dem generellen Vorwurf „Fleischessen ist Mord!“ verbirgt, aber nicht. Er ist vielmehr ignorant.

Bitte differenziert doch mehr …
… zwischen der Vergnügungs-Jagd und der Jagd um davon zu (über)leben.
… zwischen Vergnügungsjagd und reduzierender Jagd (wenn auch nicht alle angeblich so rationalen Begründungen für bare Münze genommen werden dürfen).
… zwischen der quälerischen Tierhaltung und artgerechter Tierhaltung.
… zwischen der Metropolen-Bewohnerschaft, die auf Fleisch-Konsum verzichten kann, und dem Großteil der Erdbevölkerung, die auf Fleisch-Konsum verzichten muss bzw. nicht kann (Nomaden, Fischer, einfache Bauern und Bäuerinnen etc.). Immerhin: „Herrschaftskritische AntispeziesistInnen betonen, dass Speziesismus etwas genuin menschlich-zivilisatorisches ist, welches erst mit der Abkehr von der Jäger-Sammler-Lebensweise entstand, weshalb indigene Jäger-und-Sammler-Kulturen sowie andere Tiere nicht des Speziesismus bezichtigt werden können.“ Die meisten ärmeren Nutztier-Halter, die Tiere aus Subsistenz-Gründen halten, sind damit aber auch als „Speziesisten“ gebrandmarkt.
… zwischen Pelzetragen aus Mode und Pelzetragen um sich zu wärmen.
Mag sein, dass diese Differenzierung oft mitgedacht wird. Zu lesen ist sie aber nicht.
Freilich müsste mensch für diese Differenzierung die hypermoralische Argumentation und damit den Antispe an sich aufgeben. Denn wenn mensch aufgeben würde gegen jeden Tier“mord“ gleichermaßen zu argumentieren, dann würde das Grundelement des Antispe verloren gehen, weil mensch zugestehen würde, dass Menschen Tiere tatsächlich anders behandeln dürfen als ihre Mitmenschen. Unnötige Tierquälereien aber würde das nicht legitimieren.
Seid doch lieber vegan lebende TierschützerInnen statt Antispes! Und lest einfach mal zur Entspannung die Geschichte „Dr. Knölkes Ende“ von Hermann Hesse.

Tier- und Naturschutz dürfte sowieso im Ergebnis viel effektiver sein. Statt sich um die Rechte einzelner tierischer Individuen zu kümmern, kann mensch seine Energie für Gebiete oder Arten einsetzen. Konkret ist es beispielsweise für Gorillas sehr viel sinnvoller kompakte Schutzgebiete abzusichern, statt Einzelrechte für sie einzufordern. Mitsamt den Schutzgebieten wären dann übrigens auch alle anderen Tiere und Pflanzen in diesem Gebiet vor dem intensiven menschlichen Zugriff geschützt.

Achja, und hört verdammt nochmal bitte damit auf das Adorno-Zitat entkontextualisiert für eure Bedürfnisse zu instrumentalisieren! Adorno sprach von Menschen die von den Nazis zu Tieren gemacht wurden und kritisierte nicht die Behandlung von Tieren als solche.

PS: Der Autor ist übrigens Vegetarier.

Oh Graus, die bauen ne Moschee vor unser Haus

Mit zwei Freunden machte ich mich am 2. April auf, um einer Stadtratssitzung in Oberstenfeld beizuwohnen. Es ging um den Neubau einer Moschee vor Ort, der die reaktionären Gemüter der Autochthonen [1] erregt hatte. Ich wollte mir selbst einmal ein Bild von der Sache verschaffen. Die Online-Lektüre von Zeitungsartikeln lokaler Blätter und die Berichte von einem der beiden Freunde, der in der Nähe aufgewachsen war, bereiteten mich auf das Kommende vor. Schon in den O-Tönen in der Zeitung hatte sich in der Diskussion um den Moschee-Neubau ein deutlich erkennbarer Unterton bemerkbar gemacht, der manchmal auch gar kein so versteckter Unterton mehr war.
Stellung gegen das Bauprojekt hatten zahlreiche Gruppen vor Ort und außerorts bezogen: eine christliche Gruppe namens „Herberge“, der Landesverband Baden-Württemberg der rechtspopulistischen „Bürgerinitiative Pax Europa“, der Ludwigsburger Verein „Lebenswerte Südstadt e.V.“, die lokale CDU und ihre Jugendorganisation „Junge Union“ (JU) und Teile der evangelischen Gemeinde.

JU Bottwartal Screenshot
BILD: rechtslastiger JU-Verband Bottwartal

Sie hatten ihre Kontra-Position aber nicht bezogen, indem sie sich offen gegen den Neubau aussprachen. Vielmehr wurde vordergründig gegen einzelne Aspekte des Neubaus Stellung genommen: Das Minarett, die „orientalische“ Ästhetik oder der angeblich gestörte Aussicht.
Ein Daniel Krieger [2], JU-Vorstandsmitglied aus Oberstenfeld, wird auf der Homepage der „JU Bottwartal“ wie folgt zitiert:

Jederzeit sollen Muslime in Deutschland von ihrem Grundrecht auf Religionsfreiheit Gebrauch machen dürfen. Hierzu zählt aber nicht der Bau einer überregionalen orientalischen Großmoschee samt Kulturzentrum.

Großzügig wurde also von der JU den Muslimen erst einmal etwas zugestanden, was wohl einer christlichen Gruppe niemals verweigert werden würde. Der konkrete Neubau aber wird dann verwehrt, weil die Moschee (und damit ja auch die Muslime selbst) als „fremd“ (Krieger: „orientalisch“) deklariert wird. Die Moschee passe halt nicht ins Stadtbild. Dass entspricht dann auch dem Satz: Die (Muslime) passen einfach nicht hierher. Von einigen werden solche Äußerungen, trotz der Verstecknahme hinter scheinbar konstruktiver Kritik (Großmoschee verhindert Integration, Ästhetik gestört, DITIB ist von der Türkei ferngesteuert), als eine Form von kulturellem Rassismus eingeordnet.

PI-News interveniert
Die Situation vor Ort hatte sich zugespitzt, weil nicht nur ortsansässige Reaktionäre sich einzumischen versuchten, sondern auch ortsfremde. Der Blog PI-News (PI steht für „Politically Incorrect“) war auf das Thema aufmerksam gemacht worden und hatte in der für PI-News typischen tendenziös-hetzerischen Weise darüber berichtet. PI-News ist ein antimuslimischer Hetzblog, der sich in letzter Zeit immer mehr der extrem rechten Wählerformation „Pro Köln“ angenähert hat (vergleiche Antifa-Infoblatt 1/2009). Hier werden Minarette als „Raketentürme“ betitelt, Moscheen als „Terrorbuden“ und es ist in rassistischer Manier die Rede von einer „turkmohammedanischen Landnahme“.
PI-News hatte die Adressen von dem, das Projekt befürwortenden, Bürgermeister (CDU) veröffentlicht mit der Aufforderung bei diesem gegen das Projekt zu protestieren . Bei einer täglichen Zugriffszahl von etwa 30.000 Klicks folgten mehrere hundert Leserinnen und Leser von PI-News der Aufforderung. Dem Bauprojekt positiv gegenüberstehende Lokalpolitiker, ja sogar einzelne positive Leserbriefschreiber, wurden so mit Anrufen und Emails überzogen, die kaum Kritik beinhalteten, aber schon viel eher eine aufgeregte Empörung und nicht selten Beschimpfungen bis Drohungen.
Parallel dazu verteilte eine 10-12 köpfige christliche Gruppe namens „Herberge“ vor Ort eine „Bürgerinformation zum geplanten Neubau einer Moschee im orientalischen Stil mit Kuppel und Minarett sowie einem islamischen Kulturzentrum“.
Diese beiden Interventionen luden die Stimmung auf und ließen für die Muslime vor Ort ein Gefühl der Bedrohung entstehen. Wie anders ließe sich die Aussage vom Vorsitzenden der örtlichen muslimischen Gemeinde, Mustafa Kodal, interpretieren? „Und wir wollen hier in Frieden bleiben.“ Hinter solch einem Satz steht eindeutig Angst vor Konflikt und Vertreibung („wollen hier in Frieden bleiben“).
Die muslimische Gemeinde gab dem reaktionären Protest nach und verzichtete auf das Minarett. Daraufhin titelte siegestrunken PI-News „PI-Soli verhindert Minarett“.
Doch das Nachgeben der Muslime hatte auch einen Nachteil für die Moscheegegner. Sie hatten sich zu sehr auf das Minarett eingeschossen. Gemeint war von ihnen aber gar nicht so sehr das einzelne Minarett, sondern der Moscheebau an sich. Die fadenscheinige Kritik an Einzelaspekten wurde damit auch für naive Beobachter immer weiter als Instrument und Heuchelei enttarnt. Trotzdem wurde kräftig weiter Stellung bezogen. Das Minarett war verhindert, gegen den Moscheebau aber wurde kräftig weiter polemisiert. Die JU Bottwartal schrieb unter der Überschrift „Junge Union Bottwartal weiterhin skeptisch gegenüber Bau einer Großmoschee durch die DITIB“ am 29.03.2009 auf ihrer Homepage:

Dennoch akzeptiert die JU nicht, dass der türkische Staat über den Verein DITIB hunderte von Moscheen samt Kulturzentren in Deutschland installiert.

Das verräterische Wort ist hier „installiert“. Sicher agiert die DITIB von der Türkei aus und ist eine Institution der Regierung, bzw. steht ihr zumindest sehr nahe. Aber wer von „installiert“ spricht, der geht offensichtlich von so etwas wie einem feindlichen Akt aus.
Vergesst Pro Köln, hier kommt die CDU/JU!

Die Sitzung im Gemeinderat und ihr Ergebnis
Vor Beginn der Sitzung hatten wir der derzeitigen Moschee einen Besuch abgestattet und gleich noch den nahe gelegenen Bauplatz für die neue Moschee (Grundstück 5196/1) besichtigt. Die alte Moschee stellte sich als eine Art vergrößerter Geräteschuppen dar, der ganz sicher nicht die knapp 300 Köpfe zählende Gemeinde fassen konnte.
Der nahe gelegene Standort war ebenso wie der alte, am Ortsrand in einem unbewohnten Industrie- und Freizeit-Gelände verortet. Die neue Moschee würde daher zwischen einer Tennishalle und einem Getränkemarkt stehen, fernab von bewohnten Gebäuden. So entblößte sich auch die Angst vor dem ruhestörenden Muezzinruf, übrigens niemals vorgesehen, als Phantasma und Konstrukt.
Moschee-Bauplan
Gegen 19 Uhr fing die Sitzung des Gemeinderats im Bürgerhaus an. Die Halle des Bürgerhauses war wohl so voll wie noch nie. Der Bürgermeister stellte zuerst in sachlicher Art und Weise das Bauprojekt mit vielen Wandprojektionen vor. Die Grundstücksgröße von 1.420 Quadratmeter sollte mit einem 29×28 Meter großen, zweistöckigen Gebäude mit Kuppel bebaut werden. Als direkte Gebetsräume waren 209 Quadratmeter für Männer und 78 Quadratmeter für Frauen vorgesehen. Religiös verordnete Geschlechtertrennung ist natürlich äußerst kritikwürdig, aber keine besondere Spezialität des Islam. Im Übrigen spielte diese räumliche Geschlechtertrennung nie eine Rolle in der Diskussion.
Nach dieser Präsentation begann die Diskussion unter den BürgervertreterInnen. Eine Diskussion mit Bürgerbeteiligung hatte es bereits zwei Tage zuvor gegeben. Nach Berichten einer Anwesenden hatte es lediglich eine positive Stimme gegeben.
Am 2. April wurde zuerst in der Diskussion besonders der befürchtete Muezzinruf als akustisches Schreckgespenst an die Wand geworfen. Dabei regelte das, eine vom Bürgermeister vorgelegte, Verordnung, die darauf bestand „es zu unterlassen, das Grundstück im Freien zu beschallen oder für Gebetsrufe zu nutzen.“
Danach wurden von den Gemeinderäten anscheinend diverse Verlautbarungen verlesen. Da im hinteren Teil sitzend konnte ich es nicht genau erkennen, aber der Stimme nach wurden hier Texte vorgelesen. Sollte das stimmen, dann würde das zeigen, dass das Ergebnis der Abstimmung bereits vor der Diskussion feststand.
Eine CDU-Gemeinderätin verweigerte ihre Zustimmung zu dem Bauprojekt, weil es sich bei dem Gebäude um mehr als nur ein religiöses Funktionsgebäude handeln würde, was an den zusätzlichen Räumen (ein Kaufladen und eine Teestube) erkennbar sei. Ob dann Kirchen mit integrierten Eine-Welt-Läden bei dieser CDU-Gemeinderätin auch auf eine solche Kritik stoßen würden ist unbekannt, aber stark zu bezweifeln. Nach dem Satz „Integration ist das wichtigste in unserem Land“ wurde die verhältnismäßig kleine Moschee zu einem „islamischen Zentrum“ aufgeblasen. Sie lehne ein „islamisches Zentrum mit diesen Dimensionen ab“. Weiterhin war die Rede davon, dass in Teilen der Bevölkerung beinah Aufruhr herrsche in diesem ach so „beschaulichen Weilort“. Natürlich entblödete sich die CDU-Vertreterin nicht auch noch das „Unrecht im Namen des Islam“ anzuprangern.
Das gab Applaus von 2/3 des Publikums, einer Ansammlung von Dorfreaktionären, medial Verhetzten, Durchschnittsrassisten und ChristInnen unter religiösem Konkurrenzdruck.
Der sunnitische Dönerladen-Betreiber um die Ecke hat mit diesem Unrecht genausoviel oder genausowenig zu tun wie meine katholische Tante Käthe mit den Untaten des Vatikan. Korrektur: Da der römische Katholizismus eine feste Organisation darstellt, hat meine Tante Käthe sogar mehr mit dem „Unrecht“ des Vatikans zu tun, sie könnte z.B. aus Protest austreten.
Schließlich meldeten sich endlich auch einige Befürworter des Projektes zu Wort. So wies ein Herr darauf hin, dass es seit 1971 eine Moschee gebe, aber nicht bekannt sei, dass von dieser je eine Islamisierung ausgegangen sei.
Trotzdem kam wieder die Kritik an einem „islamischen Zentrum mit einen Einzugsraum“ über Oberstenfeld hinaus. Der Bürgermeister wies aber darauf hin, dass in dem Gebäude höchstens 400 Menschen Platz finden würden und der bautragende muslimische Verein immerhin 280 Mitglieder habe, wovon 115 in Oberstenfeld ansässig seien.
Danach wurde der Kuppelbau aus vorgeblich ästhetischen Gründen kritisiert. Ein Befürworter wies satirisch darauf hin, dass auch die Reichstagskuppel so einen „osmanischen Touch“ aufweise. Außerdem, so ein Befürworter, sei Religionsfreiheit grundgesetzlich garantiert. Das hieße aber nicht, dass Religionsfreiheit bedeute „Religionsfreiheit, aber so wie ich will“.
Nachdem die vorgeblichen Argumente der Bau-Gegner derart entschleiert wurden, begann der Ritt auf den Paragraphen. Schließlich wurde sich darauf verlegt, dass es zu wenige Parkplätze für die Moschee gebe. Tatsächlich waren die Auto-Stellplätze wohl recht knapp kalkuliert. Aber darum ging es gar nicht. Die Bauvorschriften wurden klar als Disziplinierungsinstrument gegen eine Minderheit verwendet. Darauf wies auch ein Bau-Befürworter im Gemeinderat hin und sprach von den zahlreichen gemachten Ausnahmen an anderer Stelle.
Schließlich kam es zu der Abstimmung im Gemeinderat und trotz aller entkräfteten Gegen„argumente“ wurde das Projekt mit 10 zu 8 Stimmen abgelehnt, was das autochthone Publikum natürlich erfreute. Die anwesenden Muslime waren natürlich bitter enttäuscht, trotz ihres Zugeständnisses, dem Minarett-Verzicht, hatte ihnen die autochthone Mehrheitsgesellschaft gezeigt wo ihr Platz war. Am Rande mit einem einer vergrößerten Besenkammer als Moschee ohne Minarett oder sonstige augenfällige Auffälligkeit bei großzügiger Nichtbeachtung bis Duldung.
PI-News titelte am nächsten Tag vorsichtig siegesgewiss „Oberstenfeld: Moschee-Neubau vorerst gestoppt“.

Die Ablehnung von Minaretten ist in Wahrheit die Ablehnung der ganzen Moschee
Es ist äußerst zweifelhaft, ob gegen die Schlote eine neuen Fabrik genauso Sturm gelaufen werden würde, wie gegen den Bau von Minaretten und ob ein Kirchen-Neubau auf soviel Protest gestoßen wäre wie ein Moschee-Neubau.
Mit der Forderung nach einem Minarett-Verbot taten sich bereits diverse extrem rechte Gruppierungen hervor: die eidgenössische Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“ (ein Ableger der rechtskonservativen Blocher-SVP), „Pro Köln“ oder die Republikaner-Partei (beispielsweise 2007 bei der Hessen-Wahl). Ähnlich gesinnt sind Bauverbots-Forderungen für „Super-Moschee“ und „Groß-Moschee“. Dass man nicht einfach ein Moscheebau-Verbot fordert ist eine Taktik, um zu verschleiern, dass sich hinter scheinbar baulichen, harmonischen und verhältnismäßigen Bedenken xenophobe Motive verstecken. Es geht im Grunde nicht um Muezzin-Ruf, gestörte Ästhetik und Aussicht oder die Befürchtung ein lokales, islamisches Zentrum zu werden. In Wahrheit geht es, darum was der Moscheebau symbolisiert. Wer sich ein Gotteshaus baut, der will bleiben. Muslime sind nicht (mehr) die Gastarbeiter-Generation mit behelfsmäßigen Gebetsstuben, sondern sie sind hier seit Jahrzehnten ansässig, hier geboren und zum Teil bereits deutsche Staatsbürger. Das Interim hat sich damit schon längst verabschiedet, trotzdem will es die autochthone Mehrheitsgesellschaft noch aufrecht erhalten. Solange die Muslime einen erweiterten Geräteschuppen aushilfsweise als Moschee nutzen, solange erhält die autochthone Mehrheit sich der Illusion, Muslime würden nur zeitweise hier bleiben.

R. Schwarzenberg

ANMERKUNGEN
[1] Autochthon kann mit einheimisch, eingeboren übersetzt werden. Der Begriff ist ein Behelf, da der antimuslimische Rassismus sich vornehmlich gegen muslimische Einwanderer und ihre Nachkommen (also Allochthone) richtet. Allerdings ist diese Form des Rassismus, wie jede andere auch, stark konstruiert. Einige autochthone Deutsche sind zum Islam konvertiert und von den Autochthonen sind auch so einige Nachkommen beispielsweise von polnischen oder italienischen Einwanderern. Autochthon heißt ebenfalls nicht unbedingt vor Ort geboren, da die Muslime ja oft bereits der zweiten oder dritten vor Ort geborenen Generation angehören, während so genannte Einheimische teilweise erst vor ein paar Jahren aus einer anderen Gegend der Bundesrepublik zugezogen sind.
[2] Ebenfalls ein Daniel Krieger ist laut Google-Recherche Vorsitzender von „Jungweikersheim“, der Jugendorganisation der rechten Denkfabrik „Studienzentrum Weikersheim“, die traditionell der CDU nahe steht. Vermutlich handelt es sich um ein und dieselbe Person.

Populismus-Baustein: Antiamerikanismus, Unterkategorie: Bush-Bashing

Wallstreetterror
Antiamerikanismus in guter alter deutscher Tradition: Buch von 1942

Nun ist er weg. George Walker Bush. Letzte Polemiken und Hassbotschaften wurden ihm noch nachgeworfen, ebenso wie zwei Schuhe. Noch ein letztes Mal übten sich Presse, selbsternannte Amerika-Experten und Stammtisch ausgiebig im „Bush-Bashing“ und bedienten damit in populistischer Manier den Antiamerikanismus der Deutschen (und vermutlich auch der Europäer allgemein).
Bush-Bashing war gleich nach dem Fußball der Deutschen liebster Volkssport. Jeder noch so vergreiste Uni-Professor konnte bei seinen Zuhörern Punkte sammeln, wenn er kräftig auf den „Cowboy“ im „Weißen Haus“ schimpft.
Vorgemacht hat es der abgehalfterte Grünen-Politiker Ströbele, der einst die irakischen Raketenangriffe auf Israel „die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ nannte. Er versuchte sich einem schlecht gemachten Musikstück als Anti-Bush-Sänger und sieht den Ex-Präsidenten schon bald vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Ein großer Verlust ist es allemal für alle Antiamerikaner und für viele selbsternannte Weltpolitik-Experten auch.
Wen sollen sie jetzt für allen Unbill dieser Welt verantwortlich machen? Der Papst eignet sich dafür anscheinend nicht so gut. Besonders bei den Deutschen. Ist doch hierzulande die nationale Identifikation mit dem Oberhaupt der katholischen Christenheit recht hoch („Wir sind Papst!“).
Da viele (nicht alle!) ihre antiamerikanischen Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten im Bush-Bashing auslebten ist der Verlust für viele auch riesengroß.
Bush-Bashing war erkennbar eine Spielart des Antiamerikanismus. Sicher hat dieser US-Präsident viele Fehler gemacht, seine Politik hat Opfer gefordert und im eigenen Land hat er die sozialen Gegensätze noch zugespitzt.
Doch Gleiches trifft auch auf Gerhard Schröder oder Chaque Chirac zu. Deren Kriege oder Kriegsbeteiligung im Ex-Jugoslawien (Kosovo) oder in der Republik Elfenbeinküste fanden ungleich weniger Kritik.
Eine rationale Bewertung der Politik von George W. Bush mit all ihren Fehlern, aber ohne eine Litanei der Verdammung zu sein, ist nicht nur vielen Normalmenschen unmöglich gewesen, sondern auch viele Medien fielen in ihre antiamerikanischen Beißreflexe zurück.
George W. Bush wurde für jeden Toten im Irak persönlich verantwortlich gemacht und nicht etwa die religiösen und nationalistischen Fanatiker, die mit Selbstmordattentaten möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen versuchen. Sicher, die amerikanische Irak-Politik ist desaströs. US-Soldaten waren immer wieder an Morden an Zivilisten beteiligt, es wurde systematisch Folter angewendet und allgemein wurde weniger angeklopft als vielmehr reingestürmt.
Viele Tote im Irak sind aber auf innerirakische Konflikte zurückzuführen, die von Saddam Husseins Gewaltherrschaft unterdrückt worden sind. Dafür sind schlecht die Besatzer verantwortlich zu machen. Auch Guantanamo ist sicher ein Schandfleck auf der Weste der USA, aber Guantanamo ist kein neues Auschwitz. Wer so etwas behauptet relativiert und verharmlost den Nationalsozialismus. In Guantanamo wurde und wird niemand vergast. Trotz der fehlenden Rechte und vieler Verwechslungen sind einige der Insassen durchaus schuldig im Sinne der Vorwürfe. Im Gegensatz zu Auschwitz.
G8-Holocaustrelativierung
Und George W. Bush ist auch nicht der neue Hitler gewesen. Präsident Bush kann abgewählt werden und verfolgt als Staatsoberhaupt rational die Interessen seines Landes und nicht irgendeinen Wahn.
Holocaustrelativierung

JedeR kennt und kritisiert Guantanamo. Aber niemand interessiert sich für das Schicksal des weiblichen Bevölkerungs-Teil Saudi-Arabiens.

Man kann die saudischen Frauen in der Tat mit den Gefangenen von Guantánamo vergleichen.

Die Insassen von Guantánamo können wenigstens noch die Sonne sehen und müssen sich nicht mit einem schwarzen Umhang verhüllen. Auch könnten sie eine Affäre mit einem anderen Gefangenen haben. In Saudi-Arabien verliert eine Frau, die mit einem anderen Mann erwischt wird, ihr Leben. Die ganze Welt kennt die Zustände in Guantánamo und redet darüber, dass die Gefangenen dort ohne wirkliche Beweise festgehalten werden. Aber über die saudischen Frauen, die seit Jahrzehnten in Gefängnissen sitzen, redet niemand. Die saudischen Frauen leben in fünf Gefängnissen. Wenn sie keine Probleme mit ihrer Familie und ihrem Stamm haben, werden sie spätestens von der Gesellschaft attackiert. Wenn sie das durchstehen und nicht von der Religionspolizei verhaftet werden, kommt die Regierung. Wenn die sie ins Gefängnis wirft, sind sie vergessen.

(Wajeha al-Huwaider, Gründerin der League of Demanders of Women’s Right to Drive Cars, in dem Interview »Unsere Omas durften auch Kamel reiten«, http://www.jungle-world.com/seiten/2007/39/10711.php)

Zu Saudi-Arabien unterhalten alle westlichen Staaten, also auch die USA und Deutschland, normale bis freundschaftliche Beziehungen.

Ob Obama soviel anders macht und machen kann ist fraglich.
Für kühle, linke Analysten bleibt das Credo: Don’t fight the players, fight the system. Und erweitert ist noch hinzuzusetzen: Watch your own country!

BUCHTIPP: Claus Kleber: Amerikas Kreuzzüge. Wohin treibt die Weltmacht?, München 2005, 302 Seiten

Der Autor agiert mit seinem Buch als ein Mythenbrecher. Durch Insider-Wissen und jahrzehntelange Erfahrung gelingt es ihm die Spezifika des Amerika unter George W. Bush herauszuarbeiten ohne sich in die Niederungen des Antiamerikanismus zu geraten. Im Gegenteil, er räumt konsequent auf mit antiamerikanischen Klischees und Vorurteilen: Nicht die Zensur, sondern Selbstunterwerfung und Gewinn-Denken legte die kritische US-Presse lahm. Nicht kaltblütiges Kalkül, sondern Irrtum und Fehler führten zur Durchsetzung der Kriegsfraktion innerhalb des Bush-Kabinetts. Präsident Bush und seine Regierung sind nicht die neuen christlich-fundamentalistische Kreuzritter, sondern sendungsbewußte Menschen, die an Amerikas Auftrag glauben. Präsident Bush ist nicht eine Marionette seiner Berater, lässt sich aber von den Spezialisten in seiner Umgebung stärker beraten als z.B. Präsident Clinton. Präsident Bush ist kein Cowboy oder Tölpel, sondern ein Durchschnittstyp.

Durch seine Stellung gegen die althergebrachten antiamerikanischen Vorurteile und eine gewisse Nähe zum Polit-Establishment gerät das Buch aber streckenweise zu positiv in Vorausschau und Bewertung. Eine kritische linke Note hätte ihm ganz gut getan. Das viele Akteure in den USA oder im Irak bzw. Afghanistan nicht die Böslinge sind, als die sie gerne dargestellt werden, schön und gut, aber Fehler wurden trotzdem gemacht. Einige benennt der Autor, andere leider nicht.

Eine Kritik der Palituch-Kritik

Die Linke in der Bundesrepublik scheint sich gerne mal auf kleinen Nebenpfaden ins Nirgendwo zu verirren.

Mindestens ein halbes Dutzend kritische Flyer zum Pali-Tuch oder Kaffiyah existieren zurzeit. Sie tragen einprägsame Headliner wie „Ist Dir kalt oder hast Du was gegen Juden?“ oder „Coole Kids tragen kein Pali-Tuch!“.
Inhaltlich geht es um die Kritik am Pali-Tuch als politisches Symbol:

Es handelt sich beim Pali-Tuch nicht um ein stinknormales Modeaccesoire, sondern um ein politisches Statement mit langer Geschichte.

(aus dem Flyer „Das PaliTuch. Geschichte und Bedeutung“, ViSdP: Hamburger Adresse)

Dann gibt den obligatorischen Hinweis auf den Mufti von Jerusalem:

Als Abwehr gegen die als westlichen Einfluss verstandene Moderne […] setzte der damalige Großmufti von Jerusalem […] durch, dass die Kaffiyah von allen Männern im britischen Mandatsgebiet Palästina getragen werden musste, […].

(aus dem Flyer „Das PaliTuch. Geschichte und Bedeutung“, ViSdP: Hamburger Adresse)
Weiter berichtet der Flyer davon, dass Großmufti dafür sorgte, dass Nichtträger der Kaffiyah getötet wurden. Die mit Repressionen bis hin zur Todes-Strafe durchgesetzte Kleidungs-Norm ist aber nicht nur in traditionalistischen-antimodernistischen Regimen vorgekommen, sondern auch in Modernisierungs-Diktaturen. Hier war es umgedreht. Kleidungsstücke, die als altertümlich und unmodern galten, wurden mit Strafen belegt. Beispiele wären das China unter Mao oder die Türkei unter Atatürk, der das Tragen des traditionellen Fez verbot.

Das Fazit fast aller Flyer lautet dann:

Das Pali-Tuch steht also für Nationalismus, Frauenunterdrückung, Antisemitismus, Islamismus und Rassismus.

(aus dem Flyer „Das PaliTuch. Geschichte und Bedeutung“, ViSdP: Hamburger Adresse)

Stand am Anfang des Flyers oft noch ein Konjunktiv, so fällt dieser am Ende immer weg. Das Pali-Tuch könnte nicht nur sein, sondern es IST ein politisches Symbol.

Das Problem ist aber, dass der Konjunktiv in Realität bestehen bleibt. Sogar bei eher tendenziell linken Leuten. Der Antisemitismus steckt im Kopf. AntisemitInnen erkennt mensch nun mal nur in Ausnahmefällen (Demo-Transparente, Aufnäher, Tattoos) an ihren Äußeren. Auch am Pali-Tuch kann mensch keine AntisemitInnen erkennen. Sicher, der Nazi auf einer „Keine-Waffen-für-Israel“-Demonstration mit Pali-Tuch ist ein Antisemit und der linke Demonstrant auf der „Schluss-mit-der-israelischen-Besatzung“-Kundgebung ist vermutlich mindestens ein Antizionist. Aber beide wissen ja was sie sind und brauchen keine Aufklärungs-Flyer dafür. Die Mehrheit der Palit-Tuch-TrägerInnen heutzutage sind H&M-Kidz und unpolitische Punks. Die tragen das Pali-Tuch aus Mode-Gründen und – so seltsam das klingt – ästhetischen Gründen. Dass die TrägerInnen trotzdem oft über das Böse israelische „Besatzungsregime“ schimpfen dürfte dem deutschen Durchschnitt entsprechen, ist also dem Durchschnitt der Nicht-Palituch-TrägerInnen vergleichbar.
Arafat
+++ War auch ohne Pali-Tuch ein Israelfeind und korrupter Autokrat +++

Es dürfte von dem Pali-Tuch in der Bundesrepublik vermutlich kein Bedrohungsgefühl für Juden und Jüdinnen ausgehen. Es ist kaum zu glauben, dass die H&M-Werbung etwas Bedrohliches für Mitglieder der jüdischen Gemeinde hat.
Im Gegensatz zu Esoterikern, die sich bemühen das Hakenkreuz als angebliches Glücks-Symbol wiederzubeleben, ist also auch hier kein echter Handlungsbedarf zu finden.

Unzweifelhaft ist das Pali-Tuch aus der linken politischen Szene vielerorts verschwunden. Aber das dürfte kaum mit einem Wandel vom Antizionisten-Saulus zum Israelfreund-Paulus zusammen hängen. Die linken Pali-Tuch-Trägerinnen von einst waren wohl meist schon vorher keine Israelhasser und haben das Pali-Tuch lediglich deswegen abgelegt um nicht dafür gehalten zu werden.

Die Debatte ums Pali-Tuch ist ein Zug, der 20 Jahre zu spät eintrifft. Vor 20 Jahren, zu den Hoch-Zeiten der Solidarisierung mit palästinensischen „Befreiungs“bewegung wäre sie sinnvoll und angebracht gewesen.

Stellt sich nun die Frage nach dem Warum?
Bei vielen Träger der Pali-Tuch-Kritik hat mensch die Vermutung, dass diese vor allem der Befriedigung des link(sdeutsch)en Gewissens, aber kaum der Bekämpfung des real existierenden Antisemitismus und Antizionismus, dient.
Auch die Überbewertung der Person des Mufti von Jerusalem im israelsolidarischen Milieu mutet manchmal seltsam an. Der Mufti war ein Antisemit und half mit den NS-Antisemitismus in den arabischen Raum zu transportieren. Aber als Kollaborateur und Machthaber in einem britisch kontrollierten Gebiet war er recht machtlos. Die TäterInnen der Shoah sind nicht im Bereich der arabischen Kollaborateure zu suchen, sondern in Deutschland und Österreich.

Statt die 13. Version des Anti-Palituch-Flyers zu produzieren und zu verteilen, sollten lieber die Israel-Hasser in der nächsten Verwandt- und Nachbarschaft aufgeklärt und belehrt werden. Dafür muss mensch schon mal seinem Professor ins Wort fallen, wenn er mal wieder gegen die israelische „Apartheit-Mauer“ wettert oder wenn die Tante über die „völkermordenden“ Israelis herzieht.
Oder investiert das Flyer-Druck-Geld in die Fahrkarte zu der Demonstration gegen den alljährlichen Al-Quds-Aufmarsch in Berlin.