Archiv der Kategorie ' Antisemitismus & Israelfeindschaft'

Buchkritik „Allein unter Juden“ von Tuvia Teneboom


Der aus Israel stammende Autor war Mitte 2013 bis Anfang 2014 in Israel und hat darüber das Buch „Allein unter Juden“ geschrieben. Es ist eine Art Reise- und Undercover-Reportage, in denen Tenenboom von diversen Erlebnissen mit Israelis und PalästinenserInnen berichtet.
Tenenboom rechnet dabei immer wieder mit seinen Gesprächspartner*innen ab, stellenweise gerät das ziemlich polemisch. Doch Tenenboom hat mit vielen Recht und kitzelt aus ihnen die Wahrheit heraus. Dafür tritt er je nach Gegenüber als der Jude Tuvia oder der Deutsche Tobi auf. Durch seine Sprach-Kenntnisse (Hebräisch, Arabisch, Englisch und Deutsch) enttarnt er, dass viele seiner Gesprächspartner*innen häufig je nach anvisierten Publikum mehrere Versionen einer Geschichte parat haben. So haben viele palästinensischen VertreterInnen offenbar zwei Versionen, eine für AusländerInnen (u.a. für ausländische Journalist*innen) und eine weitere untereinander.
Besonders gerne macht sich Tenenboom über linke Intellektuelle lustig – er selbst bezeichnet sich als „trockener Intellektueller“. Tenenboom stellt auch israelische Linksintellektuelle bloß, die zwar für die Palästinenser*innen und Arme allgemein streitet, ohne aber im Alltag allzuviel Kontakt zu ihnen zu haben. Spöttisch merkt Tenenboom an:

„Interessanterweise scheinen die Linken in diesem Land mit seinen Reichen identisch zu sein. Wie das funktioniert, und warum, ist mir ein Rätsel.“

(Seite 110)
Außerdem hält Tenenboom die israelische Linke für naiv, da ihr Friedenswillen auf palästinensischer Seite bei vielen gar nicht auf echte Gegenliebe stößt. Von israelischen Linken wird der palästinensische Nationalismus und der häufig enthaltene Antisemitismus gerne ausgeblendet. So schildert Tenenboom, wie ein palästinensischer Teilnehmer einer Friedensreise ihm erst die Hand geben, nachdem er ihm versichert hat, dass er kein Jude sei. Finanziert wurde diese „Friedensreise“ übrigens von der CDU-nahen „Konrad-Adenauer-Stiftung“ mit 45.000 Euro.

Im eigenen nationalistischen Narrativ scheinen die Palästinenser*innen einer Art Minderwertigkeitskomplex zu erliegen, da sie mit der jüdischen Verfolgungsgeschichte ‚konkurrieren‘. Dadurch verstärken sie und ihre Unterstützer*innen die Opfererzählungen. Deswegen wird bei der Beschreibung der Lage der Palästinenser*innen gegenüber Tenenboom schnell ein „wie die Nazis“ oder „schlimmer als die Nazis“.
Andererseits sind bei viele Araber*innen die Deutschen überaus beliebt. Die Gegenwartsdeutschen geben viel Geld und die Vergangenheitsdeutschen sind sehr beliebt für ihren eliminatorischen Antisemitismus.

Darüber hinaus werden offenbar für die ausländischen Medien ganze potemkinsche Dörfer erbaut. Es werden Flüchtlingsunterkünfte gezeigt, deren Bewohner*innen ganz woanders und relativ komfortabel wohnt. Noch die Enkel- und Urenkelgeneration von 1948 Geflüchteten wird dazu angehalten, sich als Flüchtlinge zu begreifen und zu definieren.
Um das Bild vom underdog aufrecht zu erhalten, werden Auseinandersetzungen mit israelischen Soldat*innen nicht nur provoziert, sondern geradezu inszeniert.
Palästina gewinnt vielleicht derzeit nicht den Krieg, sehr wohl aber den Krieg der Bilder.

In Israel und den besetzten Gebieten agieren viele Stiftungen und NGOs, so dass schon von „NGO-Palästina“ die Rede ist. Vielen geht es nicht nur um Frieden, sondern auch um eine Diffamierung Israels. Sie agieren eindeutig propalästinensisch:

„Ich lernte dieser Tage mehr über Europa, als ich je wissen wollte. Je mehr ich in Israel unterwegs bin, desto öfter sehe ich sie: NGOs hier, NGOs da. Es schmerzt mich mitzuerleben, wie junge Europäer ausschließlich zu dem Zweck in dieses Land reisen, noch ein wenig mehr Hass auf die Juden in sich aufsaugen, als sie schon haben.“

(Seite 182)
Viele mit deutschen Geldern finanzierte Projekte wie Filme sind einseitig israelfeindlich und laut Tenenboom sogar antisemitisch:

„Brächten deutsche Fernseh- und Filmproduzenten solche Filme im eigenen Namen heraus, gäbe es einen Riesenaufschrei, und man würde sie – zu Recht – des Antisemitismus bezichtigen. Um diese Hürde zu umgehen, finanzieren gewitzte deutsche Produzenten Juden, damit sie die Drecksarbeit für sie erledigen.“

(Seite 438)
Auch kritisiert Tenenboom gerne die Friedensbewegung in und außerhalb Israels, ihre fehlende Kritikfähigkeit und ihre Selbstgerechtigkeit:

„Man kann, ich wiederhole: man kann Friedensfreunde nicht kritisieren. Sie haben das Monopol auf Mitgefühl und Wahrheit und bestehen unerschütterlich auf ihrem grundlegenden Menschenrecht, ihre Meinung zu sagen, ohne dass irgendjemand noch ein Sterbenswörtchen von sich geben darf, nachdem sie gesprochen haben.“

(Seite 333)
Doch nicht nur die nationalistische Palästinenser*innen, die Friedensbewegung und linke Israelis bekommen bei Tenenboom ihr Fett weg, ebenso christliche Zionisten und religiöse Juden, die wie US-Evangelikale auftreten und den Sündenerlass quasi verkaufen. Er schreibt auch über chassidische Sekten mit monarchistischen Dynastien, die vor menstruierenden Frauen warnen.

Manchen mag Tenenboom zu polemisch sein und man muss ihm und seiner Einschätzung auch nicht in jedem Detail zusatimmen, aber er hat doch mit vielen Recht und ist ein scharfer Beobachter und Kritiker.
Störend wirkt dass er manchmal etwas altmännernotgeil schreibt. Frauen werden viel eher als Männer nach ihrem Aussehen beurteilt und eine hübsche Frau ist dann bei ihm eine „sexy Lady“.
Wer über so etwas hinweg lesen kann, für die/den lohnt die Lektüre. Der Inhalt bewegt sich jenseits der tendenziell mehrheitlich israelfeindlichen Berichterstattung, die häufig die palästinensischen Darstellungen unkritisch übernimmt.

Tuvia Tenenboom: Allein unter Juden, Berlin 2014.

Kommentar in der „Schwäbischen Post“ vergleicht orthodoxe Juden mit Reichsbürgern

In der schwäbischen Provinz scheinen die Journalisten auf seltsame Vergleiche zu verfallen. So vergleicht ein Manfred Moll in einem Kommentar in der „Schwäbischen Post“ vom 17. Februar 2017 die rechtsextremen Reichsbürger mit orthodoxen Juden:

„Die sogenannten Reichsbürger sind ideologisch ähnlich gefangen wie die orthodoxen Juden in Israel, die auch ihren Staat nicht anerkennen. Man sieht im Falle der „Reichsbürger“ jedoch, dass nicht nur religiöser, sondern auch […].“

Schwäbische Zeitung seltsame Analogie
Offenbar verarbeitet hier ein Provinzjournalist seine Abneigung in einem abseitigen Vergleich.

United (Nations) against Israel

Man muss kein Unterstützer der Siedlungstätigkeit Israels oder seiner rechten Regierung sein, um eine gehörige Schieflage bei den UN-Resolutionen gegen Israel zu erkennen.
Anti-Israel-UN-Resolutionen
Der blutige Bürgerkrieg in Syrien hat den Israel-Palästina-Konflikt nur zeitweise überdeckt. Inzwischen widmen sich die Weltöfentlichkeit, die Politik und die Medien wieder dem Konflikt im Land nebenan. Über 300.000 Tote im Bürgerkrieg in Syrien in vier Jahren sind nicht so wichtig wie 20.000 Tote im Israel-Palästina-Konflikt in 60 Jahren. Seltsam.

Antizionistische Kurzschlüsse: Israel ist Schuld!

Das „Palästina-Komitee Stuttgart“ und der Verein „Palästinensische Gemeinde Deutschland-Stuttgart e.V.“ sind nicht gerade für ihre ausgewogene Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts bekannt.
Für den 7. Mai kündigten die beiden Gruppen auf dem Schlossplatz in Stuttgart einen „Palästina-Nakba-Tag“ an. Als Schirmfrau fungierte die einschlägig bekannte Felicia Langer.
In dem Aufruf dazu wird – natürlich – Israel die Schuld gegeben:

„Die Palästinenser protestieren gegen die andauernde ethnische Säuberung in Palästina durch den Staat Israel“.

Es wird behauptet:

„Die Gründung des Staates Israel war verbunden mit der gezielten, militärisch geplanten, ethnischen Säuberung Palästinas.“

Das die umliegenden arabischen Staaten Israel kurz nach der Ausrufung des Staates angriffen, um es von der Landkarte zu löschen, wird natürlich verschwiegen.
Weiter ist im Text die Rede von „zionistische[n] Apartheidsgesetze[n]“ und dem „israelischen Apartheidstaat“.
Ansonsten spricht der Text von angeblich „etwa 7 Millionen palästinensischen Flüchtlinge[n]“ und behauptet „2/3 der Bevölkerung des Gazastreifens sind Flüchtlinge aus dem Jahr 1948“. Nach dieser Logik, die unsinnigerweise auf von dem regionalen UN-Hilfswerk geteilt wird, sind auch noch die Urenkel von vertriebenen oder geflüchteten Personen, die bis 1948 im heutigen Israel ansässig waren, so genannte „Flüchtlinge“ aus einem Gebiet, was sie selber zumeist nie gesehen haben.
Mit dem Beharren des „Rechts auf Rückkehr“ für bis zu 7 Millionen Menschen will man den jüdischen Staat Israel unter Druck setzen und verhindert mit solchen Maximalforderungen eine friedliche Einigung. Vermutlich ist das aber auch gar nicht das Ziel, sondern Ziel dürfte eher die Eliminierung Israels sein.
Doch die radikalen Palästinenser und ihre UnterstützerInnen haben derzeit ein Problem. Der Bürgerkrieg in Syrien hat sie von der Aufmerksamkeits-Agenda verdrängt. Hier weiß sich der Aufruf clever zu helfen:

„Gerade jetzt wird in Deutschland hautnah für alle spürbar, wie aktuell die Palästinafrage ist.“

Warum?

„Zehntausende der Flüchtlinge, die in den letzten Monaten vor allem aus Syrien, Irak sind Palästinenser.“

Kein kritisches Wort über Assad oder dessen Kontrahenten, die über 300.000 Tote und die Millionen von Flüchtlingen verursacht haben. Natürlich auch kein Wort das viele palästinensische Organisationen, wie z.B. bis 2013 die islamistische HAMAS, vom Assad-Regime protegiert und unterstützt wurden.
Stattdessen bleibt alles innerhalb der antizionistischen Kurzschluss-‘Logik‘: Israel war’s!

Och nee, die Rothschilds waren es mal wieder

Die Serie „Shameless“ gibt es sowohl in einer Fassung, die in England spielt, wie eine, die in den USA spielt.In der fünften Staffel wird das Armuts-Viertel gentrifiziert, in dem die Familie, deren Geschichte in der Serie erzählt wird, lebt. Frank, der Rabenvater und Überlebenskünstler der Familie, verkündet in seiner Stamm-Bar:

„Ich spreche hier von Gentrifizierung, Freunde. […] Wir sind die Dinosaurier, mein Freund. Und ein enormer, fetter Komet steuert auf unser schönes Stückchen Erde zu. Und dieser Komet ist Starbucks.“

Die ärmlichen Häuser im Viertel werden aufgekauft und abgerissen. Doch es ist nicht irgendeine Bank, die hier an der Verdrängung der ärmeren Bewohner*innen schuld ist. In einer Folge wird sie direkt benannt: Die Rothchild-Bank.
Shameless Rothchild
Nun ist die Rothchild- bzw. Rothschild-Bank eine Institution, die in antisemitischen Verschwörungsmythen häufig eine Rolle spielt. Die jüdische Bankiers-Familie der Rothschilds wird dabei zum Zentrum einer geheimen Weltregierung gemacht.
Wenn in „Shameless“ diese Bank für negative Entwicklungen verantwortlich gemacht wird, dann kann das im schlimmsten Fall an antisemitische Mythen anknüpfen.
Tatsächlich gibt es eine Rothschild-Bank und natürlich macht sie wie jede Bank keine sonderlich humane Politik. Trotzdem stellt sich die Frage, warum ausgerechnet diese Bank, die in der antisemitischen Tradition eine so wichtige Rolle darstellt?