Archiv der Kategorie ' Diverses'

Hindunationalistischer Hardliner kandidiert in Indien bei den Parlamentswahlen im Mai

Hindufundis on Wahl-Tour
Spitzenkandidat der hindunationalistischen „Bharatiya Janata Party“ (BJP) bei den Parlamentswahlen im kommenden Mai in Indien wird Narendra Modi (63) sein. Für Kenner/innen der jüngeren Geschichte Indiens ist Modi kein Unbekannter. Denn Modi war als Ministerpräsident des nordwestindischen Bundesstaates Gujarat in die massenhaften Pogrome von Hindunationalist/innen gegen die muslimische Minderheit involviert.
Diese Pogrome hatten ihren Ausgangspunkt in einem angeblichen eskalierten Streit am 27. Januar 2002 zwischen Muslimen und Hindu-Pilger/innen, bei dem am Ende in Godhra der Eisenbahn-Abteil der Pilger/innen brannte und infolge dessen 57 Menschen starben. Viele Versionen sprechen inzwischen von einem Unfall. Hindunationalist/innen machten aber schnell Muslime für den Brand verantwortlich, ein muslimischer Mob soll angeblich auch die Feuerwehr am Löschen gehindert werden. Am Folgetag riefen hindunationalistische Organisationen wie die BJP zum Generalstreik auf. In der Folgezeit griffen gut organisierte hindunationalistische Mobs in der Größenordnung von 500 bis 25.000 Mann muslimische Viertel an. Die Unruhen fordern insgesamt in 150 Städten und rund tausend Dörfern in Gujarat mindestens 1.180 Menschenleben, davon waren die meisten Muslime, etwa ein Fünftel waren Hindus. Weitere 100.000 Muslime wurden zu Flüchtlingen. Die Unruhen und Pogrome kamen erst am 6. März durch den Einsatz der Armee zum Erliegen. Auch in der Folgezeit wurden Muslime ökonomisch boykottiert und bei den Wahlen im Dezember 2002 siegt die BJP unter Narendra Modi mit absoluter Mehrheit. Zwar wurde Modi vom Obersten Gerichtshof von der Mitschuld am Gujarat-Massaker freigesprochen, aber die Kritik an seiner Tatenlosigkeit bleibt bestehen.
Sein Nichteingreifen zugunsten der bedrohten muslimischen Minderheit in seinem Bundesstaat dürfte kein Zufall gewesen sein. Modi ist nicht nur seit 1987 Mitglied der hindunationalistischen BJP, sondern auch der radikaleren „Rashtriya Swayamsevak Sangh“ (RSS), etwa „Nationales Freiwilligenkorps“, verbunden. Das RSS hat ein paramilitärisches Erscheinungsbild, was teilweise an die faschistischen Hemdenbewegungen im Europa der 1930er Jahre erinnert. Nicht ohne Grund war die Organisation 1948-63, sowie Mitte der 1970er und 1992 verboten. Heute hat das RSS geschätzte fünf Millionen Mitgliedern in 40.000 Ortgruppen. Seinen Reihen entstammt auch Nathuram Godse, der Mörder Mahatma Gandhis. Die BJP galt lange als gemäßigter, politischer Flügel des RSS. Für die BJP wurde Modi Landesvater von Gujarat. Modis mutmaßliche Beteiligung an den antimuslimischen Pogromen führten dazu, dass er zeitweise ein Einreiseverbot in den USA hatte.
Mit Modi als Kandidaten für das Amt des Premierministers erhofft sich die BJP nun nach zehn Jahren Abstinenz eine Rückkehr an die Macht. Einige Wahlprognosen sehen ihn als aussichtsreichsten Kandidaten.

Ergänzung (21.04.2014)
„Spiegel Online“ schreibt in einem aktuellen Artikel zu Modi:
„Distanziert hat sich Modi von dem Massaker nie, stattdessen hat er die Opfer noch 2013 schwer beleidigt, als er sagte, er empfinde durchaus Trauer für sie. So, „als habe man mit dem Auto einen Welpen überfahren“.“

Bauchschmerzen beim Lesen von „Bauchschmerzen“

„Bauchschmerzen“ heißt das dünne Büchlein, dass 2009 im Selbstverlag erschien. Der Autor Wolfgang Gottschalk, eventuell ein Pseudonym, soll Lehrer für Geschichte und Politik an einem Gymnasium in Norddeutschland und Initiator zahlreicher Jugendprojekte für Integration und gegen Fremdenfeindlichkeit sein.
Das Buch gibt die Gedankenwelt eines jungen Nazis wieder, der einem Gefängnispfarrer aus seinem Leben erzählt. Es ist das Porträt eines jungen Mannes, der regelmäßig „PI-News“, „Blaue Narzisse“, „Sezession“ und die „Junge Freiheit“ zustimmend konsumiert. In seinem Selbstverständnis ist er lediglich ein „Konservativer“. Erst am Ende erfährt der Leser, warum der junge Nazi im Gefängnis sitzt. Die Form des Gesprächs ermöglicht für den Leser die Identifizierung mit und gleichzeitig die Distanzierung zu dem Jungrechten. Ähnlich wie in John Littels Buch „Die Wohlgesinnten“ oder in dem Spielfilm „American History X“ wird die Geschichte damit aus Perspektive des Täters erzählt. Diese Technik birgt immer eine gewisse Gefahr der Affirmation mit dem Täter und seinen Motiven. Dass ist vom Autor so gewollt, der sein Buch offenbar als Spiegel und Heilmittel angelegt hat.
Zum Rassisten wurde der junge Mann dem Buch nach durch seine persönlichen Erfahrungen. Diese Erklärung des Autors für den Werdegang seines Hauptprotagonisten ist gefährlich. In Realität ist es ja die durch Familie und die Gesellschaft geschaffene rassistische Vorprägung, die durch Ereignisse höchstens noch aktiviert wird. Hier aber sollen die Ereignisse selbst verantwortlich sein für die menschenverachtende Ideologie des jungen Mannes. Konkret an einem Beispiel aufgezeigt, ist nicht der vorgeprägte rassistisch motivierte Sexualneid Schuld an seinem Rassismus, sondern der als „fremd“ verortete Mann, der ihm die Frau quasi „wegnimmt“, die ja ihm „zugestanden“ hätte. Als wäre diese „Erklärung“ nicht schon schlimm genug, so wirken die dargestellten Figuren mit Migrationshintergrund wie rassistischen Klischees entsprungen. Der Autor glaubt vermutlich diese Bilder zeichnen zu müssen, um die Identifikation des Lesers mit seiner Hauptfigur als „Opfer“ der Realität zu fördern. Zum Schluss, zeigt er dann drastisch das Ziel eines solchen Weges. Es stellt sich heraus, dass der Gesprächspartner im Gefängnis sitzt, weil er einen rassistischen Mehrfachmord begangen hat. Die erzeugte Affirmation mit dem Täter soll hier radikal aufgebrochen werden, um die Konsequenzen aufzuzeigen. Dass gelingt aber nicht wirklich und es ist mehr als fraglich, ob der Weg zu diesem Ziel so aussehen muss.
Dass das Buch nicht funktioniert beweist ein Joe Müller aus Berlin, der in seiner amazon-Rezension schreibt:

Das Buch schildert gut die Wirklichkeit in Multikultopia. Es ist auch nicht auszuschließen, daß es in der BRD früher oder später verstärkt zu ethnisch bedingten Gewaltaktionen kommen wird.

Auch in den neurechten Sphären wurde das Buch mit Aufmerksamkeit bedacht, beispielsweise bei der „Blauen Narzisse Online“ oder der „Jungen Freiheit“. Deren Rezensent Martin Lichtmesz bezeichnet das Buch als „komplexe[n] Prosatext“ und meint in ihm werde geschrieben von „den traumatische[n] Erfahrungen mit Ausländergewalt“, die den „Helden“ schließlich „auf die radikale und pathologische Bahn führen“ würden. Lichtmesz erscheint also die Bluttat irgendwie verständlich angesichts der „Ausländergewalt“. Dieser Roman zeigt Lesern mit rassistischer Vorprägung also nicht die Konsequenzen ihrer Ideologie auf, sondern bestärkt sie eher in ihrer Weltsicht. Beim kritischen Leser bleibt nur eines zurück: Bauchschmerzen.

Lauschgift für Kinderohren

Ich lese regelmäßig Kindern im Grundschulalter vor. Neulich las ich „Pipi feiert Weihnachten“ vor. Im Anschluss sprachen wir noch ein bisschen über die Welt der Pipi Langstrumpf. Als alter Lindgren-Experte stellte ich den Kindern die Frage, was den Pipis Vater mache. Damit zielte ich auf seine Seefahrer-Tätigkeit ab. Mehrere Kinder antworteten mir aber: „Er ist Negerkönig!“
Damit hatten sie natürlich nicht Unrecht. Es steht so tatsächlich in der deutschen Ausgabe. Wie es sich im schwedischen Original verhält, ist mir unbekannt. Aber auch sonst kommen schwarze Menschen bei Astrid Lindgren schlecht weg. In „guter“ (post-)kolonoalistischer Tradition werden die schwarzen Bewohner von Taka-Tuka-Land als nette aber reichlich infantile Halbkinder dargestellt.
Jedenfalls zeigt diese Anekdote, dass sich in Kinderliteratur auch allerhand Unerfreuliches verstecken kann. Über die populäre Langstrumpf-Reihe hält das ansonsten, zu Recht verfemte, N-Wort Einzug in unwissende Kinderköpfe.
Hier zwei Beispiele aus der populären Kinder-und Jugend-Literatur.

Zum Beispiel „Oliver Twist“ von Charles Dickens

Die Wände des Raumes waren von Schmutz und Rauch geschwärzt, auf einem wackligen Tisch stand ein im Hals einer Bierflasche steckendes Licht, und am Kamin lehnte die zusammengeschrumpfte Gestalt eines alten Juden. Er hatte ein spitzbübisches Gesicht und dichtes rotes Haar.

(Seite 39)

Fagin klingelte, und es erschien ein anderer Jude, jünger als er, aber ebenso hässlich. Sikes zeigte stumm auf den leeren Krug. Der Jude verstand den Wink und ging wieder heraus, wobei er Fagin einen Blick zuwarf, den dieser durch ein kaum merkbares Kopfschütteln beantwortete.

(Seite 73)
Auch das antisemitische Klischee, dass alle Juden Verbündete seien, fehlt nicht. Auch der andere Bewohner der Räuberhöhle ist ein Jude:

In der Gaststube war niemand anwesend außer einem jungen Juden, der in einem schmutzigen Zeitungsblatt las.

(Seite 249)

Die Akte Karl May
Auch in den Werken von Karl May finden sich Rassismus (z.B. gegen Armenier) und Antisemitismus, ebenfalls störend wirkt Karl Mays missionarisches und stark überzogenes christliches Sendungsbewusstsein. Im Prinzip bekehrt der Hauptheld immer wieder „Wilde“ zum „wahren Glauben“, nach Karl May das Christentum. Winnetou stirbt als Christ in den Armen von Charly (Old Shatterhand) mit einem „Ave Maria“ in den Ohren und auch Kara ben Nemsi macht aus Hadschi Halef Omar einen Christen.
Da hilft es auch nicht, dass Karl May ungewöhnlich früh als Autor in seinen Geschichten unpopuläre Themen wie Kurdenverfolgung, Indianervernichtung und sogar Umweltverschmutzung usw. aufgriff.

Karl Mays simplen Heldengeschichten hatten übrigens noch mehrere seltsame Nachspiele, die zeigen, dass Karl May auch viele Fans in der politischen Rechten hatte. Es ist bekannt, dass Adolf Hitler auch dazu gehörte. Im März 1912 (10 Tage vor K. Mays Tod) hielt K. May in Wien den Vortrag „Empor ins Reich der Edelmenschen“ in Wien – ein Plädoyer für den Weltfrieden; unter den Zuhörern war auch der junge Adolf Hitler [1]. Hitler hatte Karl-May-Lektüre auf dem Obersalzberg vorrätig. So schrieb ein Besucher im März 1933:

Ein Messingbett, Schrank, Waschgerät und einige Stühle, das ist die ganze Einrichtung … dann kommt eine ganze Reihe Bände von – Karl May! Der Winnetou, Old Surehand, der Schut, alles liebe Bekannte. Wie menschlich nahe ist uns der Mann, der neben einem Geisteswerk … noch die Muße findet für diese Lektüre!

Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess bemerkte zu Hitlers Karl-May-Fantum:

Die Person Winnetou habe ihn …. immer tief beeindruckt. Er sei geradezu das Musterbeispiel eines Kompanieführers. Winnetou sei zudem sein Vorbild eines edlen
Menschen.

Doch handelt es sich nicht allein um eine Privat-Vorliebe des „Führers“. Auch andere Offizielle sahen in Karl May und seinen Figuren ein Vorbild.
Hans Schemm, bayrischer Kultusminister und Reichsleiter des NS-Lehrerbundes dazu 1934:

Zum deutschen Buben und Mädel gehört mehr als die sogenannte Schulbravheit, nämlich Mut, Entschlusskraft, Schneid, Abenteuerlust und Karl-May-Gesinnung.

Karl May war da freilich schon tot. Aber seine Frau, Klara May, wurde zu einer überzeugten Nationalsozialistin. Klara May (überzeugtes NSDAP-Mitglied), schrieb in der Dresdner NS-Zeitung „Freiheitskampf“ die Serie „Unter dem Hakenkreuz durch die Welt“.
Auch andere Mitglieder aus der posthumen Karl-May-Verwertung engagierten sich für das Nazi-Regime. Der Maler Elk Eber (* 1892), Mitglied des Münchner Korps Rhena-Paletia, Freikorps-Mitglied und Teilnehmer am Hitlerputsch 1923, malte bekannte Karl-May-Bilder.
Das alles macht aus Karl May noch keinen Faschisten und auch nicht aus seinen LeserInnen. Jedoch sollte einmal genauer hingeschaut werden, was Menschen wie Hitler an Karl May so faszinierte und was Karl May in seinen Büchern schreibt. Besonders die Karl May eigene Volksgruppen- und Religions-Hierarchie ist mehr als problematisch.

Struwelpeter rassistisch
Auch der Struwelpeter beinhaltet Rassismus

Tim und Struppi kolonial
Koloniale Attitüden in Tim & Struppi

Wilhelm Busch antisemitisch
Antisemitismus bei Wilhelm Busch

Verwendete Literatur
Charles Dickens: Oliver Twist: GEOlino-Bibliothek, aus dem Englischen von Susi Haberl, cbj-Verlag, München, 2005; Figur des Fagin, Seite 39, 73, 249

[1] Hamann, Brigitte: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. München 1996

[2] Christiane Reuter-Boysen: Im Widerstreit: Karl May, in: Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871 – 1918, München 1999, Seite 699-710

TKKG: Für Kinder eher ungeeignet

Mal wieder reingehört …
Vor kurzem hörte ich aus Langeweile mal wieder in unsere geschwisterliche Kassetten-Sammlung von TKKG-Folgen rein. Da wurde mir erst einmal so richtig bewusst wie reaktionär, konform und angepasst die dargestellten Charaktere agieren bzw. die Geschichten verlaufen.

Die Hörspiel-Serie stammt aus der Feder von Rolf Kalmuczak (1938-2007) alias „Stefan Wolf“. Laut Wikipedia beläuft sich die Gesamtauflage seiner TKKG-Bücher Presseberichten zufolge auf 14 Millionen, von den TKKG-Hörspielen sollen insgesamt fast 30 Millionen Kassetten und CDs über den Ladentisch gegangen sein. Ganze Generationen wuchsen mit dem Jugend-Quartett Tim/Tarzan (T), Karl (K), Klösschen (K) bzw. Willi und Gabi (G) auf.

*** Selbstjustiz ***
Der „TKKG-Häuptling“ Tim praktiziert in starken Maß Selbstjustiz. Für das Gute und Gerechte prügelt der Anführer (Hierarchie scheint wichtig) von TKKG, Peter Karsten genannt „Tim“ oder „Tarzan“, regelmäßig die Scheiße bzw. die Wahrheit aus Erz- und Kleinganoven heraus. Er beherrscht nämlich diverse Kampfsportarten und ist damit eine Art Chuck Norris des Jugendhörspiels.
Oft reicht auch nur die Androhung von Gewalt. Stefan Wolf, der Autor der Hörspiele und Bücher lässt dabei natürlich nie einen Unschuldigen unter die Fäuste von Tim geraten. Immer hat er Recht gehabt, was ja dann den Gewalteinsatz scheinbar nachträglich legitimiert.

*** Das Frauenbild ***
Das Frauenbild in dem Jugendhörspiel ist schlicht von vorgestern. Es gibt in TKKG eine beständige Neuauflage überalterte Rollenvorstellungen. Frauen sind generell schwach und beschützenswert, weswegen das einzige Mädchen der Bande, Gabi, nach 10 Uhr Abends nicht mit darf und aus jeder Action (O-Ton: „So etwas ist Männersache“) rausgehalten wird. Die Rolle von Gabi ist auf hübsch sein und die Funktion als Freundin des „TKKG-Häuptlings“ Tim/Tarzan zugeschnitten. Das kündigt sich ja bereits im Intro an: „… und Gabi, seine Freundin.“ Insgesamt sind der sportliche Tim und die hübsche Gabi so etwas wie die alte Ausgabe des Traumpaars aus den amerikanischen College-Filmen, wo der Football-Star mit der Cheerleader-Chefin zusammen ist und sie dann auf dem Abschlussball zum Ballkönig und zur Ballkönigin gewählt werden.

Obwohl Tim stark zur Selbstjustiz neigt, macht er bei Frauen eine Ausnahme. So heißt es in einer Folge: „Ich kämpfe nicht gegen Weiber!“

Homosexualität kommt überhaupt nicht vor in dieser Hörspielserie, damit will man wohl die lieben Kinder verschonen.

*** Freundbild: Polizei ***
Die Polizei ist der Freund und Helfer und nur das. Besonders der „väterliche Freund“ der vier Haupthelden, Kommissar Glockner ist das personifizierte Gute. Glockner, Tims Schwiegervater in spe, ist ein kluger und netter Polizist, an dem es nie etwas auszusetzen gibt. Tim will später natürlich auch so ein Polizist werden. Korrupte Bullen oder „Knüppel aus dem Sack“-Cops gibt es natürlich nicht.
Die Polizei ist immer unterstützenswert und letztendlich sind TKKG ja auch so etwas wie eine Polizeijugend-Einheit oder Polizei-Vorhut.

*** Feindbild „Zigeuner“ (Sinti & Roma) ***
In TKKG werden antiziganistische Vorurteile aufs Heftigste wiedergekäut. In einer Folge heißt es: „Sind finstre Typen. Sehen aus wie Zigeuner.“ Hier wird dass extrem rassistische Stereotyp vom rachsüchtigen, messerstechenden Zigeuner immer wieder neu aufgelegt.
Dasselbe Klischee- und Feindbild findet sich auch in einigen Folgen des Jugendhörspiels „Fünf Freunde“ von Enid Blyton.
Die Autoren W. Solms und D. Strauß schreiben in ihrem Buch „«Zigeunerbilder» in der deutschsprachigen Literatur“ über die Typisierung der „Zigeuner“ bei den Fünf Freunden:
„Blytons Figuren leben abseits von der von der Mehrheitsbevölkerung, sind dreckig, hausieren, lügen und stehlen und sind auch an dem gerade aufzuklärenden Verbrechen unmittelbar beteiligt.“ (Seite 120).

*** Feindbild: Punks, Gammler, Rocker und andere ***
Punks, Rocker und Gammler bzw. Penner schneiden in der TKKG-Welt sehr schlecht ab. Sie sind fast immer die Bösen und generell kleinkriminell. In einer Folge z.B. wird ein Punker beständig verächtlich als „Irokesenhäuptling“ bezeichnet und ist natürlich der Böse in dieser Geschichte.

Auch die Sippenhaft ist bei TKKG noch nicht abgeschafft. Die Kinder von Kriminellen werden schnell selbst verdächtig und erweisen sich dann auch als kriminell. Bei Italienern gibt es auch eine Art von Sippenhaft, so dass sie in einer Folge mit der Mafia verbunden werden. Merke: Italienische Restaurant-Besitzer sind generell halbe Mafiosi.

*** Feindbild: Drogen ***
Drogen, darunter wird auch Tabak und Alkohol verstanden, werden im TKKG-Universum nur den bösen Buben zugeordnet. Die genussfeindliche TKKG-Bande aber bleibt immer clean und anständig, kommt nie auch nur in Versuchung.

Bei TKKG handelt es sich letztlich um den lebendig gewordenen Traum eines schwäbischen Kleinbürgers. Eindimensionale Charaktere, auf die nie auch nur der Schatten eines negativen Zuges fällt, bekämpfen das Böse und Unangepasste: Italiener, Zigeuner, Punker, Rocker und echte Kriminelle (die gibt’s auch manchmal). Dabei agieren sie mit Gewalt, voller Selbstgerechtigkeit und als eine Art Voraus-Einheit der Polizei.
Mit ihrer heiligkeitsscheinbaren und drogenfreien Art sollen sie klar erkennbar eine Vorbildrolle für alle ZuhörerInnen erfüllen. TKKG sind die immer idealen Schwiegersöhne und –tochter. Das ist nicht nur langweilig und vorhersehbar, sondern auch manipulativ. Hier wird ein erzkonservatives Weltbild durch ein Jugendhörspiel vermittelt.
Spätestens nach dem Tod des Autors ist es nun Zeit die verkrusteten Strukturen von TKKG aufzubrechen. Nett wären mal ein paar Risse im TKKG-Universum, z.B. wenn Gabi Tim wegen dessen Macho-Allüren verlassen würde oder Klößchen Tim eine reinhauen würde wegen dessen Dauer-Mobbing gegen Dicke. Oder Karl entdeckt seine Liebe zu Klößchen.
Wer nicht warten will bis TKKG umgeschrieben wird, dem/der empfehle ich die Hörspiel-Parodie „Die Ferienbande“. Auf den bisher erschienen drei Folgen werden alle Jugendhörspiele mit selbst ernannten Detektiv-Gruppen gekonnt durch den Kakao gezogen.

Verwendete Literatur
W. Solms und D. Strauß: «Zigeunerbilder» in der deutschsprachigen Literatur, Heidelberg 1995, Seite 119-126

Eisern für das Eiserne Kreuz

Am 27. März 2007 hat Timmy Schwarz aus Bremen, laut der ultrarechten „Jungen Freiheit“ ein Bundeswehr-Fähnrich, eine Petition eingereicht, in der er den Bundestag fordert, „das Eiserne Kreuz als Verdienstorden für herausragende Leistungen von Bundeswehrsoldaten wieder einzuführen.“ In seiner Begründung führt Schwarz an, dass mit der Stationierung von Truppen im Ausland veränderte Umstände entstanden seien („Die Bundeswehr ist zur Armee im Einsatz geworden.“), der die bisherige Vergabepraxis nicht gerecht würde. Bisher existierende Auszeichnungen hätten keine „tiefe historische Bedeutung“, so Schwarz.
Diese sollte eigentlich eher dazu angetan sein, von der Wiedereinführung dieser „Auszeichnung“ abzusehen. Das EK wurde 1813 vom preußischen König gestiftet und sollte an das Symbol des Deutschen Ritterorden erinnern. Das EK wurde nach den Kriegen 1870 und dann in hoher Zahl im ersten Weltkrieg gestiftet, um eine große Anzahle Soldaten zu motivieren sich auch weiter für „Kaiser und Vaterland“ verheizen zu lassen.
Im zweiten Weltkrieg wurde dem EK dann ein kleines Hakenkreuz eingeprägt und es wurde eine Kollektion von exklusiveren Auszeichnungen („Ritterkreuze“) für besondere Leistungen für das Regime geschaffen. Unter den mit dem Ritterkreuz Ausgezeichneten finden sich auch mehrere hundert Waffen-SS-Mitglieder und natürlich Hitlers treue Wehrmachtsgeneräle, nicht wenige davon waren in Kriegsverbrechen involviert.
Heute ist eine Abwandlung des EK Hoheitszeichen der Bundeswehr.
Bis zum Einschreibe-Schluss Ende Mai hatten knapp über 5.000 Personen diese Petition zur Wiederbenutzung des EK unterzeichnet, viele davon online und mit der Angabe eines militärischen Ranges. Jedoch braucht es mindestens 50.000 Unterschriften damit eine Petition öffentlich im Bundestag behandelt werden muss.

by R. Schwarzenberg

(Stand: 01.06.2007)

Quelle:
http://itc.napier.ac.uk/e-Petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=404