Archiv der Kategorie ' Gender'

Die Geschlechterordnung bei „Games of Thrones“

Sowohl die Fantasy-Buch-Serie „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin als auch ihre Serien-Verfilmung unter dem Titel „Games of Thrones“ (GoT) sind derzeit ungeheuer populär. Im Buch liegt das daran, dass die Kapitel aus der Perspektive je unterschiedlicher ProtagonistInnen geschrieben wurden; bisher gab es 50 unterschiedliche davon. Außerdem schraubt der Autor ziemlich an der Spannungskurve, indem er sympathische Personen sterben und unsympathische Gestalten weiterleben lässt.
Ansonsten ist „Das Lied von Eis und Feuer“ aber auch gute alte Fantasy-Kost. Trotz der Fantasyelemente ist der Hauptspielort, der Kontinent Westeros mit seinen sieben Königreichen, stark an das europäische Mittelalter angelehnt ist. Andere Bereiche der Welt erinnern eher an das alte Mesopotamien oder den Orient.
Generell ist es jedenfalls eine sehr traditionelle Gesellschaft voller Zeremonien, Erbfolgen und dynastischen Denken, die in dem Fantasy-Epos vom Autor entworfen wurde. Dabei ist GoT auch spannend, weil die TV- und Buchserie auch patriarchale Geschlechterverhältnisse deutlich abbildet und dadurch die Nachteile für die Frauenfiguren thematisiert.

Gewalt gegen Frauen, besonders sexualisierte, wird bei GoT immer wieder dargestellt und geschildert. Auch wie die Erfahrung oder Bedrohung durch diese Handeln und Entscheidungen von Frauen beeinflusst, wird gut nachvollziehbar. Königin Cersei aus dem Haus Lennister ist beispielsweise durch ihr brutales und intrigantes Vorgehen gegen echte und vermeintliche FeindInnen ihrer Familie sicherlich keine Sympathieträgerin in der Geschichte, aber nach der Schilderung ihrer Zwangsverheiratung und der regelmäßigen Vergewaltigungen durch ihren betrunkenen Gatten, Robert Baratheon kommt man nicht umhin ein gewisses Mitleid und sogar Verständnis für sie zu entwickeln.

Ein Träger des Patriarchats ist bei GoT auch die Religion. Jedoch sind die unterschiedliche Religionen und Kulte in GoT auch unterschiedlich patriarchal. Während die Religion des roten Gottes bzw. des „Herrn des Lichts“ auch Priesterinnen zulässt, hat die auf Westeros dominierende Religion des siebenzackigen Stern offenbar nur Priester. Sie fordert zudem die strikte Monogamie in der Ehe ein und vertritt einen Jungfrau-Kult, d.h. Frauen sollen jungfräulich in die Ehe gehen.
In der Religion des siebenzackigen Sterns kommt es im Verlauf der Geschichte zu einer Machtverschiebung. Religiöse FundamentalistInnen setzen ihre Machtansprüche gegenüber der bisher dominierenden korrupten Kaste von Oberpriestern durch. Die „Spatzen“, eine Form von religiöser Erweckungsbewegung unter den verarmten und kriegszermürbten Massen, sind dabei die fanatisierten AnhängerInnen einer Erneuerung des Glaubens.

Bei GoT sind Frauen aber nicht nur Opfer, sondern auch aktiv Handelnde. Cersei ist durch ihrer minderjährigen Söhne Joffrey und Tommen Königinmutter und zumindest in der Westeros-Hauptstadt Königsmund zeitweise de facto die mächtigste Person.
Cersei will ihren angesehenen und mächtigen Vater, Tyvin Lennister, stolz machen und Anerkennung bei ihm finden. Mehr als einmal hadert sie deswegen mit ihrer Postion als Frau. Auch nach dem Tod Tyvins sieht sie sich als dessen wahren Erben, eine Aufgabe, die eigentlich ihrem Bruder zukäme. An einer Stelle denkt sie stolz: „Könnte mich Lord Tyvin jetzt sehen, wüsste er das er einen Erben hätte.“
Cerseis Machtanspruch leitet sich aber nur aus den Ämtern ihrer Kinder ab, sie selbst darf durch die männliche Erbfolge nicht offiziell regieren. An einer Stelle schiltert der Autor ihre Gedanken dazu:

„Wenn ich ein Mann wäre könnte ich dieses Reich in meinem eigenen Namen reagieren und nicht in Tommens“, dachte sie.

Schließlich ist da noch Daenerys Tagaryen, deren Haus Jahrhunderte über Westeros herrschte bevor es durch Robert Baratheon gestürzt wurde. Sie ist eine junge, eigenständig handelnde Königin, die durchaus mit den erwachsenen, nmännlichen Herrschern mithalten kann. Sie versucht jenseits von Westeros Truppen zur Rückeroberung des Erbes ihrer Familie zu sammeln. Allerdings verstrickt sie sich dadurch in lokale Konflkikte, die sie andernorts vorerst festhalten. Sie hat aber bei der sich anbahnenden Eroberung von Westeros einen strategischen Vorteil, sie verfügt über die einzigen drei Drachen, die an sie als „Mutter der Drachen“, durch geheimnisvolle Bande gebunden sind.

Einige Frauen rebellieren auch offen gegen die ihnen zugeschriebenen Rollen. Ein Beispiel wäre Brienne von Tard, die als fähige Ritterin und Leibwächterin auftritt. Freilich half ihr dabei ihre soziale Stellung als Hochadelige und das Einverständnis ihres Vaters. Eine arme Bäuerin könnte sich Ausbildung, Rüstung und Schlachtross niemals leisten.

Weitere adelige Kriegerinnen sind die Mormont-Frauen von der Bäreninsel im Norden von Westeros. Lady Alisana Mormont wird zum Beispiel im Buch als „grimmige Kriegerin“ beschrieben. Ihr Kriegerin-Tätigkeit fußt eventuell auch auf der Abwesenheit der Männer ihres Hauses.

Auch die junge Arya Stark, Adelige aus einem der Herrscherhäuser, wird als handelnde Person beschrieben, wobei sie auf Grund ihres Äußeren auch häufig als Junge gelesen und gar nicht als Mädchen wahrgenommen wird.

Geschlechterordnungen und soziale Hierarchien sind eng miteinander verwoben. Tendenziell wiegt die Geschlechterordnung schwerer als der soziale Rang. Denn von der niedrigsten Magd bis zur Königin, sind alle Frauen der rigiden Geschlechterordnung unterworfen. Männer, besonders die Väter, bestimmen wen die Frauen heiraten. Auch im Adel gibt es keine Liebesheiraten, sondern nur strategisch arrangierte Ehen oder Zwangsheiraten. Das gilt allerdings für Frauen wie Männer gleichermaßen. Auch die jüngeren oder niedrigrangigeren Männer haben sich dem Willen des männlichen Familienoberhauptes zu beugen.

Die Geschlechterordnungen sind auf Westeros aber nicht überall gleich. Beispiele wäre das südliche Königreich Dorne und das Gebiet nördlich der Mauer, was von Menschen bewohnt wird, die sich selbst als „das freie Volk“ bezeichnen. Hier sind die strengen Hierarchien, die im Rest von Westeros herrschen, mit Ausnahmen (den Tens) nicht gültig. Während im Rest von Westeros kämpfende Frauen Einzelfälle sind, so kämpfen im Norden Frauen regulär an der Seite von Männern. Die im Buch beschriebenen „Speerfrauen“ werden als gefährliche Kriegerinnen geschildert. Eine davon ist John Snows zeitweilige Geliebte Igritte. Im Gegensatz zum schüchternen und unerfahrenen Snow wird sie in der Beziehung der Beiden als die weitaus aktivere Person beschrieben, die immer wieder die Initiative ergreift.

In Dorne herrscht im Gegensatz zu den anderen sechs Königreichen eine gleichberechtigte Erbfolge vor, d.h. Frauen sind ebenfalls erbberechtigt, zumindest wenn sie früher geboren sind. In den anderen Königreichen gehen Titel und Land dagegen immer an den erstgeborenen Sohn. Deswegen wird im Intrigenspiel um die Macht, dem „Games of Thrones“, in Dorne versucht Cerseis Tochter Mircella als die Ältere gegenüber dem Kindkönig Tommen, ihrem Bruder, zu positionieren.
Auch in Dorne gibt es kämpfende Frauen, was sich aber auf den Adel zu beschränken scheint. Hier sind es die „Sandschlangen“, die als Verführerinnen, aber auch als starke Kämpferinnen dargestellt werden.

Doch auch anderswo wackelt auf Westeros das männliche Erbfolge-Gesetz. Auf den Eiseninseln versucht sich Usher Graufreud als Nachfolgerin ihres Vaters durchzusetzen, scheitert aber nach anfänglichen Erfolgen im Kampf um den Thron der Eiseninseln. Schon vor diesem Machtkampf ging sie mit ihren Männern auf Beutefahrt. Die als „Eisenmänner“ bezeichneten Bewohner der Eiseninseln werden als eine Form von Wikingern dargestellt. Später gerät Usher in Gefangenschaft von König Stannis Baratheon und mit diesem verbündeten Nordmännern. Im Buch wird beschrieben, wie hier ihr Selbstverständnis als Kriegerin sich mit dem allgemeinen Frauenbild reibt:

„Männer aus den grünen Landen, soviel wußte sie, mochten süße, sanfte Frauen, die Seide trugen anstatt Kettenhem und Leder und eine Wurfaxt in jeder Hand.“

So haben es Frauen nicht leicht in GoT. Das ausführlich beschrieben zu haben und dadurch vielleicht auch einen kritischeren Blick auf Frauen im europäischen Mittelalter inspieriert zu haben, darf durchaus als Verdienst von George R.R. Martin gesehen werden.

Rechter Hass auf Hipster

Aufkleber Hipster vom Fahrrad treten
Aufkleber in Dresden, gefunden im November 2015

In korporierten Kreisen kursiert zur Zeit ein „Mensurlied“, also ein Lied zum Fechtritual „schlagender“ Studentenverbindungen, was den Titel „Mensurlied – Wir sind null Prozent Hipster“ trägt. Es handelt sich um den Mitschnitt eines Gitarren-Solo-Stücks mit Gesang, in dem der Sänger seinen linken Gegner*innen vorwirft, diese hätten „keine Eier“ und „keine Waffenehre“, seien also nicht satisfaktionsfähig (zur Mensur zugelassen). Mann sei im Gegensatz zum Hipster kein „Hurensohn, der seinen Mann nicht stehen kann“. Offenbar fungiert hier der schlagende Burschenschafter als eine Art von Anti-Hipster.
Auf Youtube gestellt wurde die Aufnahme von der berüchtigten extrem rechten Burschenschaft Danubia aus München. Auch auf dem neofaschistischen Infoportal „Zentropa“ und von der extrem rechten Burschenschaft Germania Marburg werden Bilder mit einer ähnlichen Botschaft verbreitet.
Hipster-Sein in seiner männlichen Variante – es gibt ja auch weibliche Hipster – scheint mit den klassischen rechten Männlichkeits-Entwürfen nicht ganz konform zu gehen.
Doch wie kann das angehen? Hatten die Medien vor etwa einem halben Jahr nicht das Phänomen des „Nipsters“ (= Nazi + Hipster) entdeckt?
Offenbar stößt die Hipster-Subkultur nicht auf einheitliche Zustimmung in rechten Kreisen. Trotz der starken Bart- und Tattoo-Lastigkeit scheinen bestimmte Aspekte des Hipstertums rechte Männerbilder zu hinterfragen. Vielleicht ist es eine gewisse Emotionalität und Hemdsärmeligkeit, die nur Hipster als zu wenig kämpferisch erscheinen lassen.
Es gibt wohl beides, rechten Hass auf Hipster und einzelne Nazi-Hipster, deren Vorkommen aber wohl von den Medien stark übertrieben wurde.
Der Hass auf Hipster in der rechten Szene ist bisher kein eigenes Feindbild, sondern ein Aspekt des rechten, ultramaskulinen Selbstbildes als Kämpfer, was eine Variante des Heterosexismus darstellt. Männer*, die als Emos, Metros oder eben Hipster identifiziert werden, sind aus ultramaskuliner Perspektive zu verweichlicht und verweiblicht und deswegen keine ‚kernige Kerle‘ mehr.
Psychologisch lässt sich anmerken, dass es vermutlich auch um die Verdrängung eigener ‚weiblicher‘ Anteile geht, die sich in Form einer Außenprojektion gegen als ‚unmännlich‘ eingestufte Männer*-Gruppen und -Subkulturen richtet.

Buch über rechtsklerikale ‚LebensschützerInnen‘

Als am 19. September 2015 bis zu 7.000 AbtreibungsgegnerInnen in Berlin aufmarschierten, war das bisheriger Rekord des 1.000-Kreuze-Marschs in Berlin. Immerhin 2.000 Menschen, ein bunter Mix aus Antifaschist*innen und Feminist*innen demonstrierten dagegen.
Kurz zuvor erschien im Unrast-Verlag von dem Trio Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hans das Buch „Deutschland treibt sich ab“ über organisierter ‚Lebensschutz‘, christlichen Fundamentalismus und Antifeminismus. Hier konnten sich die Leser*innen vorher schlau machen über eine rechte Szene, die für sich selbst beansprucht sogar eine „Bewegung“ zu sein und die bisher von Antifaschist*innen kaum beachtet wurde. Dabei drängt sich die Szene der ‚LebensschützerInnen‘ einem zunehmend auf, da sie in verschiedenen Städten in den letzten Jahren eigene Demonstrationen organisierte. Neben Berlin waren bisher das sächsische Annaberg-Buchholz, Fulda, München, Münster und Freiburg betroffen.

Gleich in der Einleitung betonen die Autoren, dass sich die ‚LebensschützerInnen‘ vor allem aus dem Milieus der christlichen FundamentalistInnen rekrutieren und Anti-Abtreibung nur ein Teil ihrer gesamten Agenda ist:

„Die Abtreibungskritik dient den christlich-fundamentalistischen Gruppen – die nahezu ausschließlich den Kern der Aktiven stellen – dabei immer als Ausgangspunkt für eine umfassende, generalisierende Kulturkritik an der heutigen, postmodernen und individualisierten Gesellschaft.“

(Seite 6) Stattdessen skizzieren sie „einen pro-christlichen, anti-säkularen und anti-modernen Gesellschaftsentwurf.“ (Seite 6)
Thematisch haben sich viele ‚Lebensrechts‘-Gruppen im Laufe der Jahre verbreitert. Die Themen „Präimplantationsdiagnostik“ (PID) und „Pränataldiagnostik“ (PND), sowie Sterbehilfe sind dazu gekommen. Auch scheinen im Vergleich zu früher einige Gruppen Kreide gefressen zu haben. Angeblich geht es vielen jetzt mehr um Hilfe für schwangere Frauen*. Doch Ziel der ‚LebensschützerInnen‘ bleibt generell eine Verschärfung des Paragraf 218. Nach Paragraf 218 ist der Schwangerschaftsabbruch bis zu 12 Wochen mit Beratungsschein und drei Tagen Bedenkzeiten in der Bundesrepublik erlaubt.
Das Buch stellt auch die Strategien der organisierten ‚LebensschützerInnen‘ vor: Emotionalisierung, Moralisierung und Skandalisierung. Letzteres z.B. durch eine „moralische Dammbruch“-Rhetorik oder der Rede von einer „Kultur des Todes“ bis hin zu gezielt den Holocaust relativierenden Vokabeln wie „Babycaust“.
Ein Faktencheck im Buch widerlegt die von Abtreibungs-GegnerInnen genannten Zahlen über Abtreibungen und das von ihnen gerne ins Feld geführte „Post-Abortion-Syndrom“ (PAS), ein angebliches Trauma nach Abtreibungen.
Der Antifeminismus kommt u.a. im Geschlechterdualismus, d.h. der (zwanghaften) Einteilung aller Menschen in heterosexuelle Männer und Frauen, zum Tragen. Dabei wird Frauen* eine Mutterrolle und Männern* eine Beschützerrolle zugeordnet. Damit fest verbunden sind traditionelle Familienvorstellungen, sowie eine konservative Sexualmoral und Lustfeindlichkeit.
In der Vorstellung der christlichen ‚LebensschützerInnen‘ ist der Kampf gegen Abtreibung auch ein Kampf gegen die Gottlosigkeit und Säkularisierung in der Gesellschaft. Dabei dient ihnen die Bibel als Fundament. Ihn ihren Augen sind die Verantwortlichen vor allem Liberale und Linke, z.T. ist die Rede von den „68ern“. Diese werden in für die moderne Gesellschaft und den vorherrschenden Materialismus verantwortlich gemacht, eine Perspektive mit stark verschwörungstheoretischen Zügen.

Auch die Struktur der ‚LebensrechtlerInnen‘ wird im Buch ausgeleuchtet. So existieren in der Bundesrepublik mindestens 60 explizite „Lebensschutz“-Gruppen. Das Thema ‚Lebensschutz‘ führt zu Bündnissen und Überschneidungen mit der extremen Rechten. Eine Abgrenzung findet nicht statt:

„Es gibt weder offizielle Ausschlüsse von extrem rechten Akteuren noch verhindern die verschiedenen Konfessionen oder Parteizugehörigkeiten den positiven Bezug aufeinander, wenn es um das gemeinsame Anliegen des »Lebensschutz« geht.“

(Seite 94)
Der eigene Nationalismus und Rassismus enttarnt sich, wenn ein Teil der ‚LebensschützerInnen‘ plötzlich darüber debattiert, wessen Kinder vor allem nicht abgetrieben werden dürfen und die „demografische Krise“ für Herkunftsdeutsche ausgerufen wird.
Die ‚Lebensschutz‘-Gruppen setzen auf unterschiedliche Aktionsformen: Aufmärsche, das Verteilen und Versenden von Plastik-Embryos, die so genannte „Gehsteigberatung“ (Belästigung von Frauen vor Abtreibungskliniken), den Unterhalt von ‚Beratungsstellen‘ (richtiger: Abtreibungsabratungsstellen) für Schwangere, sowie eine politische Kampagnen- und Lobbyarbeit. Die Verbindungen reichen dabei bis in die Union, wo sich die Abtreibungs-GegnerInnen bei den „Christdemokraten für das Leben“ organisieren. Doch ist die AfD gerade dabei der Union in diesem Bereich Konkurrenz zu machen. Neben der Bundesebene, sind die Gruppen auch verstärkt auf EU-Ebene aktiv.
Interessant ist natürlich auch die Finanzierung der z.T. nicht gerade billigen Aktionen, wie dem massenhaften Brief-Versand von Plastik-Embryos. An einer Stelle wird auf Großspenden vom Babynahrungsmittel-Hersteller Hipp aufmerksam gemacht. Auch interessant wäre, ob solche Gruppen z.T. auch aus staatlichen Geldern gefördert werden.

Im Fazit des Buches wird betont:

„Es geht den »Lebensschützern« mehrheitlich nicht um ein besseres Leben für die »Schwächsten« und Ausgestoßenen, sondern um die Restauration traditioneller Geschlechterverhältnisse – mit repressiven Mitteln.“

(Seite 93)

„Die Argumentation der »Lebensschützer« beruhen auf einem zutiefst fundamentalistischen christlichen Weltbild und offenbaren in ihrem Kern irrationale, anti-aufklärerische und vor allem antidemokratische Einstellungen.“

(Seite 94)
Doch sollte die selbsternannte ‚Bewegung‘ und ihr Einfluss auch nicht überschätzt werden:

„Einzig eine Verschärfung der Abtreibungsgesetzgebung stellt für die Bewegung ein greifbares Ziel dar.“

(Seite 93)
Hier wäre der genauere Blick über die Grenze auf die Situation in anderen Staaten sicherlich spannend gewesen, hätte aber wohl den Rahmen einer Einführung gesprengt.
Bleibt noch die Frage: Was tun? Die Autoren jedenfalls wünschen sich:

„Durch die Analyse der »Lebensschutz«-Bewegungen möchten wir vor allem eine inhaltliche Auseinandersetzung voranbringen.“

(Seite 93)
Mit dem Buch wurde eine Grundlage genau für diese Auseinandersetzung geliefert. Es eine gute Einführung in die Thematik bei der vor allem mit Primärquellen gearbeitet wurde.
Wenn Antifa tatsächlich „mehr als nur gegen Nazis“ – so ein beliebter Slogan – sein soll, dann sollten Antifas auch solche Bücher lesen.

* Eike Sanders, Ulli Jentsch & Felix Hans: „Deutschland treibt sich ab“. Organisierter »Lebensschutz«, christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus, 7,80 Euro